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»Verösterreicherung« der Gemeinde Petting?

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Petting – »Immer mehr Gewerbe« beklagte Biologin Dr. Ute Künkele in der Bürgerversammlung, und warnte vor einer »Verösterreicherung« der Gemeinde mit starkem Flächenverbrauch. Verkehr und Sicherheit waren weitere Diskussionsthemen beim Unterwirt. Und natürlich die Zukunft der Flüchtlinge.


»18 Hektar Fläche gehen in Bayern täglich verloren«, berichtete Dr. Künkele, ein Verbrauch an landwirtschaftlicher Fläche, der nicht nur ihr Sorgen bereitet. Auch in Petting weiteten sich Gewerbeflächen immer mehr aus. Künkele plädierte dafür, in erster Linie auf den »Innenbereich« zu blicken.

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»Eine gewisse Entwicklung braucht das Dorf«, bat Bürgermeister Karl Lanzinger um Verständnis, »wir wollen ja, dass die Leute hier bleiben.« Er sah die Entwicklung noch »verträglich«, und große Firmen habe man bislang eh nicht angezogen. »Es sind heimische und regionale Betriebe, die Erweiterungsmöglichkeiten suchen.« Am Thema Eingrünung sei man dran, so Lanzinger, allerdings müsse das schon in der Planung fixiert sein, denn sonst habe man keine rechtliche Handhabe.

»Fuß vom Gas um der Kinder willen«, bat Katja Enci vom Elternbeirat. Durch das Parken am Straßenrand und überhöhte Geschwindigkeit entstünden immer wieder riskante Situationen. Sie selbst habe schon ihr Bein auf die Straße gestellt, um Fahrer zum Bremsen zu zwingen.

Regina Schnappinger ist der »extreme Baustellenverkehr« von der Lagerhausbaustelle durch den Ort ein Dorn im Auge. »Warum fahren die nicht auf die Umgehung?«, fragte sie den Bürgermeister. Der Kurvenradius sei dafür momentan zu eng, erklärte er, aber eine Ausfahrt im rechten Winkel sei im Entstehen, sodass demnächst auch ortsauswärts abgebogen werden könne.

Bushäusl verlegen – Verweis auf Unfall erwachsener Frau

Christine Haunerdinger bat, noch einmal über eine Verlegung des Buswartehäuschens bei Ringham in Richtung Schönram – hin zur Straßenunterführung – nachzudenken. »Wir brauchen kein Designer-Häusl um 10 000 Euro. Sicherheit ist wichtiger.« Haunerdinger verwies auf die entstehende Wohnsiedlung in Ringham mit der Folge von mehr Kindern.

Gleich, wo das Häuschen stehe, die Kinder könnten so oder so die Unterführung nutzen, widersprach Lanzinger. Und was die Kosten dafür betreffe – Stichwort Busbuchten – dürfe man an die 10 000 Euro gleich noch eine Null dranhängen. Im Übrigen betreffe es erst die Schüler ab zehn oder elf Jahren, die Grundschüler würden am Ort in den Bus steigen. Haunerdinger blieb hartnäckig: »Um halb sieben in der Früh bei Dunkelheit über die Straße.« Selbst am helllichten Tag habe es dort bereits einen Unfall gegeben; eine erwachsene Frau sei seitdem ein Pflegefall. »Man spart an der falschen Stelle«, blieb sie bei ihrer Kritik.

Claudia Pastötter bat den Gemeinderat um ein Konzept für den weiteren Umgang mit Flüchtlingen. »Es geht um Integration«, denn das als Wohnhaus für Asylbewerber vorgesehene Haus Steffen liege doch weit außerhalb. Altbürgermeister Markus Putzhammer würdigte dagegen ausdrücklich die Gemeinde dafür, denn diese Nutzung wäre absolut im Sinne der verstorbenen Frau Steffen gewesen. »So mancher im Dorf würde Flüchtlingsfamilien aufnehmen«, sagte Lanzinger, »bei einer Gruppe junger Männer aber gibt es Ängste.« Sicher unbegründet, sehe man auf die sechs Afghanen im Ort, bei denen es sehr gut laufe.

»Wie schaut es aus mit den älteren Menschen in der Gemeinde?«, fragte Pastötter, »ist etwas in Richtung betreutes Wohnen angedacht?« Noch nicht, antwortete Lanzinger, aber »wir nehmen das zur Kenntnis«.

Hundedreck beseitigen, sonst droht Hundeverbot

Stefan Mayer sind die Sackerl mit Hundedreck ein Dorn im Auge, nicht zuletzt am Parkplatz Heidewanderung. »Kann man dort, wo viele Leute unterwegs sind, nicht Abfallkörbe aufstellen?«, fragte er. Man bräuchte sehr viele, gab Lanzinger zu bedenken, und doch lägen Tüterl wieder »irgendwo rum«, weshalb sich der Gemeinderat bewusst dagegen entschieden habe. Josef Resch wollte die Hundebesitzer zumindest warnen, falls keine Besserung eintritt, über ein Hundeverbot nachzudenken.

Hans Mayer beäugt mit Sorge die größer werdende Wasserfläche entlang der Geraden durchs Schönramer Filz. »Der Biber staut dort einen See auf«, berichtete er. Die Folge: Der Kiesunterbau der Straße werde ausgeschwemmt, und der Belag sacke ab, jetzt schon um 20 Zentimeter«. Namentlich kritisierte er Ilse Englmaier, Diplom-Biologin aus Tittmoning und Gutachterin für naturschutzfachliche Expertisen. Sie kritisierte Mayer auch wegen der Verzögerung beim Bau der Ortsumfahrung Neusillersdorf. Dazu antwortete Lanzinger: »Wir gehen dem nach, aber es handelt sich um eine Staatsstraße.«

Nach einer möglichen Gesundheitsgefährdung beim Baden im Waginger See fragte Regina Schnappinger. Baden sei unbedenklich, beruhigte Lanzinger, was problematisch werden könne, sei das Algenwachstum, das in diesem Jahr bei geringem Niederschlag und damit vermindertem Eintrag nicht aufgetreten sei.

Nicht zuletzt um die Verbesserung der Wasserqualität des Sees geht es bei der Ökomodellregion Waginger See/Rupertiwinkel. Michael Luckas würdigte dafür ausdrücklich die Gemeinde. »Bitte dranbleiben«, appellierte der Förster, der darin Impulse und Chancen erkannte, »man braucht halt einen längeren Atem«. höf

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