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Vermieter: Erweiterung am alten Platz wäre möglich

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Traunreut. Eine kurzfristig in der Stadtverwaltung eingegangene Stellungnahme zum Bauleitverfahren des geplanten BayWa-Kaufland-Projekts im Norden von Traunreut sorgte im Stadtrat für Aufregung. Die Firma Prime-Management Düsseldorf hatte im Namen der Eigentümerin des Grundstücks, auf dem die BayWa seit 20 Jahren einen Bau- und Gartenfachmarkt betreibt, einen Tag vor der Stadtratssitzung in einem Schreiben erklärt, dass eine bauliche Erweiterung des bestehenden BayWa-Standortes durchaus möglich wäre. Aus Sicht der Unternehmerberatung gibt es keinen zwingenden Grund, den Standort zu verlagern.


Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass es im Umfeld des bestehenden BayWa-Marktes Leerstände gibt, die als Erweiterungsflächen für die BayWa ins Auge gefasst werden könnten. »Für die Eigentümerin des Grundstückes, die German Retail Box (Jersey) Properties Limited, St. Helier, Jersey (GRBF), können wir Ihnen bestätigen, dass die bauliche Möglichkeit und die Bereitschaft entsteht, den Standort entsprechend den Anforderungen der BayWa zu erweitern und zu modernisieren.

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»Es funktioniert nicht an diesem Standort«

Insbesondere stehen derzeit zwei benachbarte Einzelhandelsflächen von 1400 Quadratmeter zur Verfügung, die dem Baumarkt ohne größeren Aufwand zugeschlagen werden könnten. Auch eine darüber hinausgehende Erweiterung ist möglich«, heißt es in dem Schreiben. Gleichzeitig stellt das Beratungsinstitut durch das Kaufland die städtebauliche Entwicklung des Einzelhandels in Frage.

Von den Vertretern der BayWa wurde das Schreiben mit Verwunderung zur Kenntnis genommen und als nicht konstruktiv bezeichnet. Nach Angaben des zuständigen Architekten Patrick Mühlfait habe die BayWa seit 2007 versucht, mit dem Vermieter zu verhandeln. »Wir haben gemeinsam versucht, etwas zu entwickeln, was letztendlich aber nicht gefruchtet hat«, betonte der Architekt in der Sitzung. Die Anforderung an einen modernen Baumarkt könne der bestehende Standort nicht erfüllen, deshalb habe die BayWa zum 31. März dieses Jahres den Mietvertrag, der 2014 ausläuft, gekündigt. »Es funktioniert nicht an diesem Standort« betonte der Architekt.

Aufgrund dieser neuen Fakten stellte Sepp Winkler (Bürgerliste) den Antrag, die Flächennutzungsplan- und Bebauungsplanänderung von der Tagesordnung zu streichen. »Wir sollten das Ganze nochmal überschlafen und überprüfen, was die anderen Geschäfte vorhaben«, sagte Winkler. Die Unterstellung von Hans Baltin (Grüne), bei den Verhandlungen mit der BayWa als Stadt im Vorfeld nicht selbstbewusst aufgetreten zu sein wies Bürgermeister Franz Parzinger entschieden zurück. »Wir haben intensiv diskutiert, das ist nicht locker über die Bühne gegangen«, betonte Parzinger. Ernst Biermaier (Freie Wähler) kritisierte den Brief, mit dem versucht werde, den Stadtrat umzustimmen. Nach Ansicht von Georg Grafetstetter (CSU) sei es eine Zumutung, »30 Sekunden vor zwölf« ein Schreiben loszulassen.

Vorliegende Planung ist ein Grobkonzept

Dr. Michael Elsen (CSU) bezeichnete das Schreiben als grotesk. Während Dr. Elsen forderte, das Schreiben außer Acht zu lassen und den seitens des Stadtrats eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter zu verfolgen, regte Andrea Haslwanter (CSU) an, den Antrag von Winkler, der jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt wurde, aus einem anderen Grund mitzutragen: Wie berichtet, gab es bei der Bürgerversammlung Kritik gegen die geänderte Planung des BayWa-Kaufland-Projekts (Drehung der beiden Baukörper), die in der Bauausschusssitzung vorgestellt wurde, berechtigte Einwände. Die Anwohner im neuen Wohngebiet »Walchenfeld« befürchten durch die geänderte Planung massive Beeinträchtigungen, wie Geruchs- und Lärmbelästigungen.

Nach Angaben des Architekten werde die BayWa Maßnahmen ergreifen, die über ein noch in Auftrag zu gebendes Lärmschutz- und Verkehrsgutachten hinausgehen würden. Weiter stellte der Architekt heraus, dass es sich bei der vorliegenden Planung zunächst um ein Grobkonzept handle.

Bei fünf Gegenstimmen wurde letztendlich die Änderung des Flächennutzungsplans mitgetragen. Bei der Absegnung der Bebauungsplanaufstellung gab es sechs Gegenstimmen. Die Pläne werden jetzt weitere vier Wochen öffentlich ausgelegt. Mit diesem eindeutigen Signal, hält der Stadtrat trotz Bedenken der Regierung von Oberbayern und Kritik von Nachbargemeinden und Gewerbeverbänden an dem Vorhaben fest. Parallel zu diesen Einwänden läuft auch ein Bürgerbegehren. ga