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Verliert die Einkaufsstadt Traunstein an Attraktivität?

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Leerstehende Häuser soweit das Auge reicht – und das in bester Innenstadtlage: So sieht es seit Jahren in der Marienstraße aus. Früher waren hier ein Friseursalon, die Firma Schürnbrand und das Kaufhaus Juhasz sowie mehrere Mietwohnungen. Jetzt stehen die Immobilien leer.
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Kein Einzelfall in der Traunsteiner Altstadt: Hinterhöfe, die nicht gepflegt werden, Fassaden, von denen der Putz bröckelt, Asphalt, aus dem Bäume und Sträucher sprießen. Zumindest Tiere finden dank der offenen Tür (links) im Haus ein Plätzchen, an dem sie vor Wind und Wetter geschützt sind.

Traunstein – Büßt Traunstein über kurz oder lang seine Position als zentrale Einkaufsstadt in der Region ein? Diese Befürchtung hegen Kommunalpolitiker und Einzelhändler angesichts der vielen leerstehenden Geschäfte im Stadtkern.


Hoher Umsatz im Traunsteiner Einzelhandel

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Noch steht Traunstein sehr gut da. Die Umsätze im Einzelhandel liegen weit über dem Durchschnitt der meisten Kommunen vergleichbarer Größe. Und auch die Einnahmen aus der Gewerbesteuer signalisieren, dass Einzelhandel und Gewerbe in der Großen Kreisstadt noch intakt sind. Und doch: Viele Geschäfte stehen leer; vor allem an der Marienstraße und der Ludwigstraße; aber auch an anderen Einkaufsstraßen und selbst am Stadtplatz.

Einkaufszentren am Stadtrand als Konkurrenz

Was ist der Grund für die Misere? Wie kann man dem abhelfen? Das sind Fragen, die nur schwer zu beantworten sind. Die Traunsteiner Grünen zum Beispiel vermuten, die Einkaufszentren auf der Grünen Wiese haben eine große Mitschuld daran, dass immer mehr Einzelhändler ihre Läden aufgeben. Andere geben dem immer stärker zunehmendem Einkauf übers Internet die Hauptschuld. Wieder andere sehen fehlende Parkplätze als einen Grund an, warum offenbar nicht mehr so viele Menschen in der Innenstadt einkaufen.

Das zuletzt genannte Argument lässt der Vorsitzende der Traunsteiner Werbegemeinschaft, Thomas Miller, nicht gelten: »Alle Geschäfte sind von den zentralen Parkplätzen und Parkhäusern aus in wenigen Minuten zu erreichen«, betont er. Und Parkplätze gebe es in der Stadt genug.

Der Internethandel kostet viele Kunden

Notwendig sei seiner Ansicht nach ein Umdenken bei den Kunden. »Der Internethandel entzieht vielen Geschäften die wirtschaftlichen Grundlagen. Die Menschen seien sich offenbar nicht bewusst, welche Spirale sie in Gang setzen: »Verschwindet der Handel, dann verschwinden über kurz oder lang auch die Arbeitsplätze«, befürchtet Miller.

Die Attraktivität der Ludwigstraße ist zum Beispiel in den letzten Jahren stark gesunken. Das liegt wohl vor allem auch an der starken Verkehrsbelastung. Bei der Stadt Traunstein stellt man schon Überlegungen an, ob man durch eine Umgestaltung der Straße und der Randbereiche die Aufenthaltsqualität steigern kann. Ob und wann ein solches Vorhaben verwirklicht wird, steht aber in den Sternen. Obwohl die Stadt heuer nur die notwendigsten Maßnahmen abwickelt, muss sie neue Schulden machen – da ist die Umgestaltung der Ludwigstraße eher ein Luxusproblem.

Nur noch wenige Geschäfte an der Marienstraße

Zumindest genauso schwierig ist die Situation an der Marienstraße. Dort stehen alle drei großen Häuser auf der Nordseite vom Maxplatz kommend leer. Früher waren hier ein Friseurgeschäft, die Firma Schürnbrand und das Kaufhaus Juhasz. In den Obergeschossen gab es Kanzleien und Wohnungen.

Alle paar Jahre kommen Gerüchte auf, es habe sich ein Mieter für das Kaufhaus gefunden – immer wurden Textilgeschäfte genannt: Wöhrl, H & M, C & A – aber das Haus steht seit rund 20 Jahren leer. Dass die Bausubstanz der Gebäude an der Marienstraße leidet und bei manchen Häusern eine Sanierung vermutlich weitaus teurer kommen würde als Abriss und Neubau, liegt in der Natur der Sache.

Interessant für große Filialunternehmen

Das Traunsteiner Tagblatt sprach mit Herbert Eisinger, der seit vielen Jahren auf dem Traunsteiner Immobilienmarkt aktiv ist. Er bestätigt, dass mehrere große Firmen Interesse haben, sich hier niederzulassen. Traunstein habe Potenzial und sei durchaus interessant für große Filialunternehmen. Allerdings benötigen sie Verkaufsflächen von mindestens 500 oder 1000 oder noch besser 1500 bis 2000 Quadratmeter. Man stehe mit namhaften Firmen in Verhandlung und sei zuversichtlich, dass sich in absehbarer Zeit etwas Positives tun werde.

Welchen Beitrag kann die Stadt leisten, um Traunstein noch attraktiver für größere Einzelhandelsunternehmen zu machen?, fragten wir Eisinger. Als erstes, so sagt er, gehöre die Straßenplanung überdacht. Mietbewerber würden Immobilien in Fußgängerzonen oder zumindest in attraktiv gestalteten Straßen ohne großen Autoverkehr bevorzugen.

Hundertprozentige Nutzung ist nicht erreichbar

Auch die Stadt, die Werbegemeinschaft und das Stadtmarketing haben großes Interesse, dass wieder Leben in die derzeit leerstehenden Immobilien kommt. »Jeder Flächenleerstand in Traunstein ist natürlich für Bürger und Besucher der Stadt unerfreulich«, sagt Stadtmarketing-Koordinator Jürgen Pieperhoff. Eine hundertprozentige Nutzung aller verfügbaren Einzelhandelsflächen werde man aber nie nicht erreichen.

Pieperhoff weist auch darauf hin, dass das Warenangebot in allen Fachbereichen in den letzten Jahrzehnten deutlich ausgeweitet worden ist. Ein Geschäft, das seinen Kunden ein ausgewogenes Sortiment anbieten will, muss dies auf den bestehenden Verkaufsflächen tun. Hier haben es Standorte mit einer Fläche von nur 100 Quadratmetern sehr schwer. Die Standorte der Innenstadt stammen teilweise aus Bauzeiten vor dem Jahr 1900 und können sich lagebedingt kaum ausdehnen. Das erkläre manchen Leerstand in der Innenstadt.

Einig sind sich alle Akteure in einem: Traunstein hat Potenzial. Man muss es nur ausschöpfen. Klaus Oberkandler

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