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Verkehrskonzept fürs Chiemseeufer

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Übersee – Immer mehr Menschen zieht es zu den spektakulären Sonnenuntergängen und dem Südsee-Flair in die Feldwieser Bucht. Die Folge an heißen Sommertagen: Chaotische Verkehrszustände. Das hat die Gemeinde Übersee jetzt zum sofortigen Handeln veranlasst. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates wurde ein Maßnahmenkatalog von acht Punkten verabschiedet, um freie Flucht- und Rettungswege zu garantieren und einen Verkehrskollaps auszuschließen.


Am 4. Juni hatte ein Rettungswagen 15 Minuten für einen kurzen Weg gebraucht, um zu einem Notfall ins Strandbad zu kommen. Rettungswege waren zugeparkt und absolute Halteverbote ignoriert worden. Am 13. Juni kam es anlässlich einer Beach-Party mit allein rund 5000 Besuchern und einigen tausend weiteren Badegästen zu einem völligen Zusammenbruch des Verkehrs mit einem Rückstau bis zur Autobahn.

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Neun Tage später berief Bürgermeister Marc Nitschke eine Sicherheitskonferenz mit Vertretern der Polizei, Verkehrsüberwachung, Wasserwacht, Feuerwehr, allen vier Wirten am Seeufer sowie dem Zweiten Bürgermeister und dem entsprechenden Fachmann aus der Verwaltung ein. Zusammen haben sie folgendes Verkehrskonzept entwickelt, das jetzt in der Sitzung vorgestellt wurde: eine sofortige Überarbeitung der Beschilderung, Abschleppen von Fahrzeugen auf Rettungswegen, Erweiterung der Verkehrsüberwachung, Einrichtung weiterer Parkflächen bei Bedarf, Verzicht auf Großveranstaltungen und eine Beratung durch einen Verkehrsexperten. Bis zum Herbst will man zudem ein neues Konzept zur Anpassung der Parkgebühren erarbeiten.

Überzeugt von den neuen Regelungen zeigte sich Peter Pfaffinger, Leiter der Polizeiinspektion Grassau: »Die Maßnahmen sind gut überlegt und werden Wirkung zeigen, vor allem das rigorose Abschleppen.« Viel verspricht er sich noch von der Beratung des deutschlandweit erfahrenen Verkehrsexperten Daniel Schlatter, der die Abläufe des kommenden Chiemsee Summer neu strukturiert hat.

Kritsch äußerten sich Maria Steinert (SPD), Stefan Haneberg (ADfÜ) und Anton Stefanutti (Die Grünen) sowie Zweiter Bürgermeister Ludwig Ertl (FBL) über die Einrichtung weiterer Parkflächen. Noch mehr Autos schaffen noch mehr Probleme, so ihre Meinung. Stefanutti plädierte stattdessen für »ein ganz anderes Verkehrssystem« in der Feldwieser Bucht.

Bürgermeister Nitschke stellte klar, dass es sich bei den »weiteren Parkflächen« nicht um neue, sondern nur um sogenannte »Überlaufparkplätze« handelt. Erst wenn alle regulären Stellplätze belegt seien, sollten die beiden Flächen an der Autobahn mit 350 und südöstlich des Strandbades mit 100 zusätzlichen Parkplätzen genutzt werden.

Im Übrigen sehe er das neue Verkehrskonzept als ersten Schritt »und nicht in Stein gemeißelt«. Man könne es jederzeit ändern und neuen Erfordernissen anpassen.

Schließlich stimmten alle Gemeinderäte zu. Über diese Einigkeit äußerte der Bürgermeister »eine ganz besondere Freude«, hatte es doch am Anfang der Debatte eher nach einer Konfrontation mit der Opposition ausgesehen. Dem Gremium lag nämlich ein Antrag von Christian Huber und Stefan Haneberg (beide ADfÜ) sowie Maria Steinert (SPD) vor, in dem diese »einen Ausschuss zur kurzfristigen Lösung der Rettungs-, Flucht- und Parkplatzproblematik in der Feldwieser Bucht« gefordert hatten.

Diesen verspätet eingereichten und für die aktuelle Sitzung nicht entscheidungsfähigen Antrag hatte der Bürgermeister wegen einiger Verstöße gegen die Geschäftsordnung als »rechtswidrig« eingestuft. Nach der Zustimmung zu dem gemeindlichen Verkehrskonzept zog Haneberg dann diesen Antrag zurück. bvd