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Verkehr und Wohnungsnot beschäftigen Bürger

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Teisendorf – Zu schnelle Rennradfahrer, zu wenig Platz für den neuen Wertstoffhof, zu gefährliche Bushaltestellen, zu wenig Wohnraum und zu viel Schulbus-Stau an der Poststraße: Facettenreich waren die Themen, die die Teisendorfer in der Bürgerversammlung im Gasthof Alte Post ansprachen. Etwa eineinhalb Stunden lang wurde nach dem Bericht von Bürgermeister Thomas Gasser rege und sachlich diskutiert.


Im Vordergrund standen Verkehrsthemen. So beklagte Ludwig Gschwendtner, dass die Beschränkung auf 70 Stundenkilometer – statt der von ihm gewünschten 60 – nur 20 Meter vor der Bushaltestelle in Punschern zu knapp bemessen sei. Er sieht eine Gefahrenstelle, zumal durch den Neubau der Bahnunterführung der Schwerlastverkehr auf dieser Straße zugenommen habe. Gasser räumte ein, dass es an dieser Stelle unübersichtlich sei, und bot an, beim Landratsamt nachzuhaken.

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Dass der Großteil der Kosten beim Ausbau der Bundesstraße 304 in Oberteisendorf für den Umbau und die Sanierung des Kanals anfällt, beschäftigte Ludwig Braun. Er fragte, ob es da wirklich keine Zuschüsse gebe. Dies bestätigte Gasser. Bis 2015 sei der Kanalbau noch mit 70 Prozent gefördert worden, danach sei diese Förderung eingestellt worden. Nur bei besonderen Voraussetzungen, die Teisendorf nicht erfülle, gebe es Förderungen für einzelne Kommunen. Jedes Jahr gebe der Markt vorsorglich 250 000 Euro für die Kanalsanierung aus, um das Netz in Schuss zu halten. Wenn in Oberteisendorf die Straßendecke erneuert wird, müsse man diese Chance für Verbesserungen beim Kanal nutzen, weil man dann wieder etwa 25 Jahre lang nicht an die Leitungen rankomme.

»Am schlimmsten sind die Rennradfahrer«

Dass sich am Friedhofsberg an der Bahnhofstraße in Teisendorf bei der Einfahrt in die 20er-Zone niemand an das Limit halte, bedauerte Hans Mooser. »Am schlimmsten sind die Rennradfahrer.« Er plädierte für das Aufstellen eines Messgeräts mit Anzeige – und auch für Strafen. Gasser versprach, diese Stelle in die Warteliste für das Messgerät aufzunehmen. Um einen offiziellen Messpunkt mit der Möglichkeit, Bußgelder zu erheben, einzurichten, sei die Abstimmung mit der Polizei und der Kommunalen Verkehrsüberwachung nötig.

Gefahrenpotenzial sieht Elfriede Ehrenlechner beim Radweg von Mehring Richtung Teisendorf in Roidham, wo Radfahrer nach der Bahnunterführung von den schnell von rechts kommenden Autofahrern aus Richtung Oberteisendorf überrascht werden können. Laut Gasser wurde dieser Punkt bei der Verkehrsschau schon angeschaut. Dass ein »Schilderwald« Verbesserungen für die Sicherheit bringt, bezweifelte er. Max Glaser warb dafür, zumindest am Morgen, wenn die Schulbusse an der Poststraße Stau verursachen, die Schranke in der Steinwenderstraße zu öffnen.

Ob man bei den angedachten Parkbuchten an der Marktstraße auch zur Auslieferung schwerer Pakete den Gehweg befahren dürfe, wollte Georg Wimmer wissen. Geplant seien nicht Park-, sondern Haltebuchten, stellte Gasser klar. Der Lieferverkehr müsse natürlich weiter möglich sein.

Helmut Thanbichler beschwerte sich, dass zwar 90  Prozent der Landwirte vorbildlich seien, jedoch zehn Prozent bis zur Straße pflügen würden, sodass Fußgänger, vor allem mit Kinderwagen, nicht mehr ausweichen könnten. Der Bürgermeister bat, solche Fälle im Rathaus zu melden. In der Regel sei das Bankett auf Gemeindegrund und 40 bis 80 Zentimeter breit.

Zum Interkommunalen Gewerbegebiet in Amersberg fragte Ludwig Gschwendtner, ob es schon einen Aufteilungsplan gebe, wie viel Platz Teisendorfer Gewerbetreibenden bleibe. Gasser betonte, die Vergabe laufe anders: Wenn Bewerbungen eingingen, sprächen sich die sieben Gemeinden ab, ob der Bauwerber die gewünschten Kriterien, wie die Schaffung von vielen Arbeitsplätzen, erfülle. Die letzte Entscheidung liege beim Markt Teisendorf. »Es geht um die Qualität der Betriebe.« Dies könnten Teisendorfer Betriebe ebenso wie auswärtige sein. Er rechnet mit großer Nachfrage nach den Flächen, sodass unter den Bewerbern ausgewählt werden kann. Von der Gewerbesteuer erhalte die Gemeinde Teisendorf ein Drittel, und die übrigen zwei Drittel würden auf alle sieben Gemeinden aufgeteilt. Wenn es gut geht, könne man 2021 mit der Erschließung beginnen.

Wertstoffhof liegt beengt in Wohngebiet

Kritik wurde laut am vorgesehenen Platz für den neuen Wertstoffhof und Grüngutlagerplatz an der Industriestraße. Ludwig Gschwendtner hält ihn für zu klein und verkehrstechnisch ungünstig; dies bestätigte Hans Eisenbichler. Gschwendtner würde den Wertstoffhof belassen, wo er ist. Gasser betonte, den bisherigen Grüngutplatz brauche man für Umbauten am Klärwerk; dort sei es auch zu eng gewesen. Die neuen Flächen seien in Wirklichkeit größer, als es den Anschein habe. Der jetzige Wertstoffhof liege beengt in einem Wohngebiet, der neu geplante übersichtlich an einer großen Straße. Durch einen Einbahnverkehr mit Ein- und Ausfahrt falle das Rangieren weg. Eisenbichler schlug indes vor, den Entsorgungs-Platz später im Gewerbegebiet Amerberg unterzubringen.

Die Taubenplage an der Marktstraße sprach Max Glaser an. Es müsse doch eine Möglichkeit der Reduktion geben. »Wir suchen noch nach Lösungen«, sagte Gasser und rief die Bürger auf, »legale« Ideen einzubringen. Nach Förderungen für die Schwimmbadsanierungen fragte Georg Wimmer. In Neukirchen sei man mitten im Bau und könne keinen Fördertopf mehr nutzen. Im neuen Koalitionsvertrag habe man sich jedoch auf ein Förderprogramm für kommunale Schwimmbäder verständigt mit 20 Millionen Euro pro Jahr. Die Gemeinde wolle die Planung für den Familienpark mit dem Teisendorfer Bad so vorantreiben, dass sie hier unter den ersten geförderten Gemeinden ist.

Weitere Themen waren der Breitbandausbau – hier wurden Defizite in Wimmern und Punschern beklagt – und der knappe Wohnraum. Im Fehlen von bezahlbarem Wohnraum sieht Georg Wimmer sozialen Sprengstoff. Im Moment gebe es nicht einmal unbezahlbaren Wohnraum, räumte Gasser ein. Der Markt habe ein Gebäude an der Marktstraße gekauft, wo im ersten und zweiten Stock Wohnungen, auch seniorengerecht, entstehen könnten, und setze auf Nachverdichtung in Baugebieten.

Für Fritz Haberlander ist die Kommune noch zu sehr auf Einfamilienhäuser fixiert. vm