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Vergewaltigung als nicht erwiesen angesehen

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Widersprüchliche Angaben veranlassten gestern das Schöffengericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott zu einem Freispruch in einem Teil einer Anklage – vor Gericht stand ein 47-jähriger Mann wegen Vergewaltigung, Körperverletzung und Bedrohung. Verurteilt wurde er letztlich zu sieben Monaten Haft mit dreijähriger Bewährung wegen der beiden letztgenannten Anklagepunkte, vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde er freigesprochen.


Eine Gruppe von Leuten traf sich regelmäßig am frühen Abend auf einem Parkplatz in Trostberg, darunter der Handwerker und eine 55-jährige Frau, die sich auch privat zeitweise näher kamen. Einem Abend mit einvernehmlichem Ende im Bett folgte am 15. Juli 2012 in der Wohnung der Frau angeblich ein Fiasko mit Streit, Handgreiflichkeiten, Vergewaltigung der Frau, Misshandlung, Bedrohung und Verletzungen. Danach pflegten die Beiden wieder monatelang eine lockere Beziehung.

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Gestern sahen sich die Beteiligten vor Gericht wieder – als Angeklagter und Nebenklägerin. Der dreifach vorbestrafte, darunter wegen »Nachstellung«, und zur Tatzeit unter offener Bewährung stehende Mann beteuerte, man habe unabhängig voneinander jeweils einige Flaschen Bier gekauft und sei sich auf dem Parkplatz begegnet. Gegen 21 Uhr sei man in die Wohnung der Frau gelangt, habe ferngesehen, »über dies und das geratscht« und irgendwann »diskutiert«. Laut sei es geworden. Die Frau habe ihn, wie sie es generell getan habe, gefragt: »Möchtest du Sex mit mir?« Gewalt verneinte er. Sie habe freiwillig Sex mit ihm gehabt und sich die Verletzungen selbst zugefügt.

Die Frau beschrieb hingegen ein Erlebnis voller »Horror«. Emotionsgeladen, temperamentvoll, wortreich, manchmal weitschweifend und teils widersprüchlich – so wirkte sie gestern. Der Angeklagte habe sich am Abend zuvor »vorbildlich« verhalten. Deshalb habe sie ihn am nächsten Tag wieder mit nach Hause genommen. Nüchtern sei er »ein Engel«, ganz anders unter Einfluss von Alkohol. In ihrer Küche sei er über sie hergefallen, obwohl sie immer wieder gebeten habe: »Hör auf.« Sie habe um Hilfe geschrieen, dafür »eine gepatscht« bekommen, wieder geschrien und erneut eine Ohrfeige gekriegt.

Der 47-Jährige habe sie an den Armen gepackt, sie durch Griffe kurz in Ohnmacht versetzt. Sie habe sich nicht wehren können. Irgendwann sei ihr Sohn in die Wohnung gekommen. Da habe der Angeklagte von ihr abgelassen. Sie habe dem Sohn zugerufen, er solle die Polizei rufen. Der junge Mann sperrte die Türe zu. Da sei der 47-Jährige auf sie zugegangen, habe sie gewürgt und gesagt: »Es ist alles eh schon egal. Wenn ich schon in den Knast muss, bring ich dich um.« Als die Polizei kam, sei sie auf allen Vieren gekrochen. »Warum sollte ich lügen?« Ein Rechtsmediziner attestierte ihr Verletzungen und Hämatome.

Staatsanwalt Markus Andrä betonte im Plädoyer auf drei Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe wegen Vergewaltigung, Bedrohung und zweifacher vorsätzlicher Körperverletzung. Definitiv stattgefunden habe ein Streit. Danach gingen die Angaben auseinander. Die Einlassung des 47-Jährigen sei »überhaupt nicht nachzuvollziehen«. Die Frau hingegen sei in den Kernpunkten glaubwürdig. Opferanwalt Marcel Krohn aus Rostock schloss sich an. Gegensätzlich fiel der Schlussantrag von Verteidiger Michael Vogel aus Traunstein aus: Er forderte wegen zahlreicher Widersprüchlichkeiten in der Aussage der Frau Freispruch.

Im Urteil hob Richter Wolfgang Ott heraus: »Wir sind nicht von ihrer Unschuld überzeugt. Aber wir können ihnen die Vergewaltigung nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen.« Die Körperverletzung sei durch das Gutachten nachgewiesen – einschließlich des Würgens. Für die Äußerung »Ich bringe dich um« habe man mit einer Nachbarin eine neutrale Zeugin. Weiter untersagte das Gericht dem 47-Jährigen per Kontaktverbot, sich der Geschädigten zu nähern. Außerdem muss er ein Schmerzensgeld von 1500 Euro zahlen – falls notwendig, in Raten. Der Angeklagte nahm das Urteil spontan an, der Verteidiger und der Staatsanwalt stimmten zu. Das Urteil bekam damit Rechtskraft. kd