weather-image
30°

»Vergessenen Kindern eine Stimme geben«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Wenn Eltern trinken, dann leiden Kinder besonders. Darauf will die Caritas-Fachambulanz für Suchtkranke in Traunstein mit einem Themenabend aufmerksam machen.

Traunstein – »Wenn Kinder in Familien aufwachsen, in denen einer suchtkrank ist, dann sind sie einem ständigen Auf und Ab ausgesetzt«, sagt Stefan Eder von der Caritas-Fachambulanz für Suchtkranke. In vielen dieser Familien gebe es Streit und den Buben und Mädchen fehle der Halt. »Denn Kinder von Suchtkranken übernehmen oft die Aufgaben ihrer Eltern, weil diese dazu nicht in der Lage sind.« Um auf das Thema aufmerksam zu machen, veranstaltet die Caritas-Fachambulanz für Suchtkranke Traunstein einen Themenabend »Alkohol in Familien« – ein Tabuthema.


»Dunkle Tage« im Trostberger Kino

Anzeige

Gezeigt wird zunächst der Film »Dunkle Tage« am Mittwoch, 17. Februar, um 20.15 Uhr im Stadtkino Trostberg. Im Anschluss gibt es eine Kurzpräsentation sowie eine Diskussion zu dem Thema. Der Eintritt zu der Veranstaltung und dem Film »Dunkle Tage« ist frei.

In dem Drama geht es um eine junge Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes den Boden unter den Füßen verliert. Angela, gespielt von Suzanne von Borsody, betäubt ihren Schmerz mit Alkohol. Bald ist auch ihr Job in Gefahr. Ihre Kinder versuchen alles, um die Trinksucht ihrer Mutter zu verbergen – denn sie haben Angst, ins Heim zu müssen.

»Oft funktionieren Kinder nach außen hin sehr gut«, sagt Stefan Eder. Deshalb sei es so wichtig, »vergessenen Kindern eine Stimme zu geben« – so lautet auch das Motto der bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien vom 14. bis 20. Februar. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen geht davon aus, dass in Deutschland 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche in Familien leben, in denen mindestens ein Elternteil alkoholabhängig ist.

»Nach wie vor ein Tabuthema«

Diese Suchterkrankung sei in der Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema, sagt Stefan Eder. »Das ist mit viel Scham besetzt. Deshalb geht es darum, zu sensibilisieren. Denn wenn in der Familie einer alkoholkrank ist, dann betrifft das nicht nur den Einzelnen«, weiß der 41-Jährige. »Da leidet die ganze Familie. Oft gibt es Gewalt in diesen Familien, weil Alkohol enthemmt.« Der stellvertretende Leiter der Caritas-Fachambulanz für Suchtkranke betont, dass sich Betroffene und Angehörige jederzeit an ihn und seine Kollegen wenden können. »Wir stehen unter Schweigepflicht«, betont er. Gemeinsam könnten dann die passenden Hilfen organisiert werden.

Besonders schlimm sei die familiäre Situation für Kinder. »Sie leiden häufig unter kognitiven Einschränkungen sowie sozialen, psychischen und körperlichen Belastungen«, sagt Stefan Eder. Er möchte deshalb auch Erzieher und Lehrer sensibilisieren, genau hinzuschauen. Zu erreichen ist die Caritas-Fachambulanz für Suchtkranke an der Herzog-Wilhelm-Straße 20 in Traunstein unter der Telefonnummer 0861/9887741. Beratungsmöglichkeiten gibt es auch in Traunreut, Trostberg und Grassau. KR