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Vereinshaus ohne städtisches Geld wiederbeleben

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Foto: Artes

Traunstein – Lange Zeit war es still geworden um das Kulturhaus Traunstein. Nach dem Aus Anfang des Jahres, als der Stadtrat die beantragte Anschubfinanzierung von 90 000 Euro ablehnte, stehen die Zeichen nun auf Neuanfang – unter offenbar deutlich besseren Vorzeichen.


Gegründet wurde das Kulturhaus von dem Surberger Schauspieler Max Berger im November 2015 als Chiemgau-Theater. Er wollte professionelles Theater anbieten. Da ihm aber der finanzielle Druck schnell zu groß wurde, änderte sich im März 2016 der Name in Kulturhaus Chiemgau. Auch das Konzept wurde verändert: So sollten auch Konzerte und Kabarett geboten werden. Das Projekt führte Hauseigentümerin Kerstin Gassdorf fort. Die Resonanz war jedoch durchwachsen, sodass immer wieder Veranstaltungen mangels Besuchern abgesagt werden mussten.

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Nachdem Martin und Ingrid Rey von Gut Eppenstatt das Haus gekauft hatten, ging es nun um die Neubelebung desselben – mit Hilfe des Fördervereins Kulturhaus, inzwischen umbenannt in Förderverein Vereinshaus Traunstein. Bei dessen Jahreshauptversammlung blickte Vorsitzender Konrad Baur auf die bewegten zwei Jahre zurück.

»Das Vereinshaus war immer ein wichtiger Teil von Traunsteins Stadtgeschichte. Diese Tradition wollen wir wieder aufleben lassen«, so Baur. Seine Stellvertreterin Julia Bauer ergänzte: »Unser Ziel ist es, dem alten Vereinshaus wieder Stück für Stück neues Leben einzuhauchen. Anfragen für erste Veranstaltungen liegen schon vor. Das zeigt den Bedarf in Traunstein«.

Aktuell hatte der Verein knapp 50 Mitglieder, nahm aber bei der Versammlung vier neue Mitglieder auf. Bei den Neuwahlen wurde zum Vorsitzenden Konrad Baur gewählt, zur stellvertretenden Vorsitzenden Julia Bauer, Schatzmeisterin ist Svetlana Teterja-Pater, Schriftführerin Corinna Spieth-Hölzl, Beisitzer sind Leonie Stiritz, Ernst Holl, Irmgard Belser, Jutta Bräutigam, Stefan Hadulla, Kassenprüfer Benedikt Kullrich und Martin Rey.

Der Verein, so Baur, stehe mit dem neuen Eigentümer ohne den finanziellen Druck und das Korsett eines schwierigen Geschäftsmodells da. Er werde vor allem als Verbindungsstelle zwischen Veranstaltern und Eigentümer auftreten und ehrenamtlich den Betrieb um die Veranstaltungen sicherstellen.

Im Kassenbericht verwies Baur darauf, dass der Förderverein im vergangenen Jahr mit rund 1300 Euro kulturelle Angebote unterstützte – besonders die Sparte Jugendtheater. Den Einnahmen von gut 1300 Euro standen 2016 Ausgaben von gut 1500 Euro entgegen. Größte Posten bei den Einnahmen waren die Mitgliedsbeiträge und Spenden. Diese Mittel flossen hauptsächlich in Produktionen rund ums Junge Ensemble. Kleinere Ausgaben entfielen – wie bei jedem Verein – auf die interne Organisation. Als Beispiel unterstützte der Verein neben Zuschüssen zu Kostümen und Bühnenbild auch das Sommerfest als Jahresabschluss des Jungen Ensembles.

Bei der Vorstellung des neuen Betriebskonzepts erklärten die neuen Eigentümer Martin und Ingrid Rey, sie hätten das Haus vor allem als »interessante Immobilie« gekauft. Als WahlTraunsteiner hatten sie zuvor schon etliche Veranstaltungen mitbekommen. Sie seien keine Kulturschaffenden, sondern vielmehr Konsumenten, die sich eine Belebung des kulturellen Umfelds wünschten. Ansprechpartner für Veranstalter ist der Förderverein.

Das Vereinshaus solle wieder Begegnungsstätte für Vereine aus Traunstein und Umgebung sowie kultureller Freiraum werden für Vereine jeglicher Art, Kinder- und Jugendtheater, offene Bühne, Probenraum, Musikveranstaltung, Tanz, Theater, Lesungen, Faschings- und andere Feste, hieß es weiter. Ziel sei es, unabhängig von der Stadt zu agieren, aber mit ihr zu kooperieren, erklärte Baur. Dabei solle das Vereinshaus keine Konkurrenz zu anderen Institutionen sein.

Weiter informierte Irmgard Belser über das Angebot von Mona Freiberg vom Chiemgauer Volkstheater, eine Benefizveranstaltung zum Auftakt anzubieten. Sebastian Volkmann stellte seine Idee für einen »Freiraum für kulturelle Eigeninitiative« vor – einen Raum, der frei ist von Konsumzwang, ein Ort zum Treffen und Vernetzen, der von Eigeninitiative lebt, etwa Wohnzimmerkonzerte, Lesungen, Nähcafé, Frauencafé, Vorträge, Repaircafé und dergleichen. Der Freiraum basiere auf Spendenbasis und solle ein Gemeinschaftsprojekt darstellen. coho/fb

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