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VdK-Kreisverband feierte 70. Geburtstag mit Seniorenmesse

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Messe-Programm mit vielen Ausstellern, Fachvorträgen und Mitmachstationen: Wie die Koordination unter Alkoholeinfluss nachlässt, erfuhren die Besucher an diesem Stand. Das testete auch VdK-Kreisvorsitzender Rudi Göbel (mit Brille). (Foto: Müller)

Traunstein – 86 Aussteller aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, Verbände, Vereine, Gewerbe und öffentliche Institutionen, rund 50 Fachvorträge sowie 3500 interessierte Besucher...


Die erste Seniorenmesse »60 aufwärts« hätte nicht besser laufen können. Organisiert wurde die Messe im Annette-Kolb-Gymnasium (AKG) vom VdK-Kreisverband Traunstein anlässlich dessen 70-jährigen Bestehens.

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»Um den über 60-Jährigen, die im Landkreis Traunstein bereits mehr als 29 Prozent der Bevölkerung ausmachen, das umfassende Seniorenangebot in der Region zu präsentieren, haben wir uns entschlossen, nicht zu einer großen Jubiläumsfeier, sondern zu einer Seniorenmesse einzuladen«, betonte Organisationsleiter Jürgen Pieperhoff, Vorsitzender des VdK-Ortsverbands Traunstein und VdK-Kreisvorstandsmitglied. Ziel sei es gewesen, Anregungen zu geben, wie man sich auch im Ruhestand gute Lebensqualität erhalten könne. Die Resonanz sei überwältigend gewesen.

6,9 Prozent der Bevölkerung sind VdK-Mitglieder

Voll des Lobes waren auch die VdK-Präsidentin Ulrike Mascher und VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder. 6,9 Prozent der Landkreisbevölkerung seien VdK-Mitglieder – damit liegt der Kreisverband in Oberbayern an der Spitze, freute sich dessen Vorsitzender Rudi Göbel. »Die sozialen Probleme haben sich verändert. Das Ziel, jedem Bürger zu helfen und seine Ansprüche nach den Sozialgesetzbüchern durchzusetzen, ist aber unsere zentrale Aufgabe geblieben«.

Einflussnahme auf sozialpolitische Entscheidungen und die Verbesserung der Sozialgesetze seien vor allem auf Bundesebene wichtig. Göbel würdigte Mascher für das entschiedene Eintreten des VdK für die Pflegegesetzgebung. Es freue sie ungemein, dass der Kreisverband Traunstein »so ein umfangreiches und vielfältiges Programm« auf die Beine gestellt habe, betonte Mascher und lobte besonders die Ehrenamtlichen. Sozialgesetze müssten in den Kommunen umgesetzt werden. »Jede alte Frau, die sich bei der Tafel anstellen muss, um finanziell wegen ihrer kleinen Rente über die Runden zu kommen, ist eine zu viel«, so Mascher. Die Generationen dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.

»Wir haben in Bayern 69 Kreisverbände, aber ihr seid der erste, der so eine Seniorenmesse organisiert hat«, lobte Landesgeschäftsführer Michael Pausder. Der VdK sei die größte soziale Bürgerbewegung in Bayern und habe 655 000 Mitglieder. Als große VdK-Erfolge bezeichnete er die Mütterrente, die Pflegereform, Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente, die Rente ab 63 sowie den gesetzlichen Mindestlohn.

Den Stellenwert der Seniorenmesse spiegelte auch die Politprominenz wider. MdB Dr. Peter Ramsauer (CSU) lobte das »Netzwerk an Kümmerern«, dass der VdK aufgebaut habe. Viele Rentner würden vor Energie und Tatendrang sprühen – auf deren Erfahrungsschatz könne die Gesellschaft nicht verzichten.

»Noch nie war alt sein so schön wie heute und noch nie hatten die Menschen so viel Zeit zum Altwerden«, so Oberbürgermeister Christian Kegel. In Traunstein lege man besonderes Augenmerk auf die Bürger 60 aufwärts, denn sie sollten sie so lange wie möglich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Als Modellkommune im Projekt »Bayern barrierefrei 2023« nehme die Stadt eine Vorreiterolle ein. Zu den laufenden Projekten zählte er das Absenken von Bordsteinen, den Einbau von Automatiktüren und den Bau von Sitzgelegenheiten. »Auch der barrierefreie Bahnhof ist in greifbare Nähe gerückt«.

70 Jahre Einsatz für die Menschen

»70 Jahre VdK bedeutet 70 Jahre sich für die Menschen einzusetzen«, lobte stellvertretender Landrat Josef Konhäuser und erinnerte an das in Arbeit befindliche seniorenpolitische Gesamtkonzept für den Landkreis.

Aufmerksam verfolgt wurde die von Dominik Schott moderierte Podiumsdiskussion zum Thema »Lebensqualität im Alter«. Es sei eine »riesige Chance für die Jugendlichen«, den Erfahrungsschatz der Älteren zu nutzen, warb MdB Bärbel Kofler (SPD) für mehr Austausch zwischen den Generationen. Zudem machte sie sich für einen Pflegestützpunkt im Landkreis Traunstein stark, um den sich der VdK bisher vergebens bemüht hatte.

»Das Leben im Alter sollte möglichst lange selbstbestimmt sein«, meinte MdL Gisela Sengl (Grüne). Verbesserungsbedarf sah sie beim öffentlichen Nahverkehr. Der Landkreis sei hier in der Pflicht. Es müsse aber auch alles finanziert werden können, erwiderte Konhäuser.

Der Rufbus sei »segensreich«, doch was nütze er, wenn es in älteren Häusern keine Aufzüge gebe, warf OB Kegel kritisch ein. Einen »immer größeren Bedarf an speziell ausgebildeten Pflegekräften« sah Dr. Marianne Gerusel-Bleck, leitende Ärztin, Internistin und Geriaterin der Kliniken Südostbayern AG. Um dem Mangel zu begegnen gelte es, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. Um Demenzerkrankungen vorzubeugen, riet sie Senioren, »aktiv alt zu werden, zu reisen, zu laufen, zu radeln und zu tanzen«.

Die Angebote waren so vielfältig, dass jeder Besucher etwas zur Verbesserung der eigenen Lebensqualität mitnehmen konnte, sei es aus dem Gesundheits-, dem Sozial-, dem Freizeit- oder einem anderen Bereich. Redner und Aussteller zeigten sich hochzufrieden. Die enorme Besucheranzahl hatte alle überrascht.

Ein besonderes Lob galt den vielen Helfern und Sponsoren. »Ohne sie hätten wir die günstigen Konditionen für die Aussteller und den kostenlosen Eintritt nicht bieten können«, so Göbel. Ein Sonderlob hatte er für Organisationsleiter Jürgen Pieperhoff, der Tag und Nacht für diesen Erfolg gearbeitet habe. »Ohne mein fleißiges Team wäre es nicht gegangen«, so Pieperhoff. mmü