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Vater bot seinem Sohn einen Joint an

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Traunstein. Um ein schönes Wochenende zu erleben und ein »bisschen Spaß« zu haben, hatte ein 46-jähriger IT-Techniker aus Baden-Württemberg seinem 17-jährigen Sohn beim Chiemsee-Reggae-Festival 2013 in Übersee einen Joint offeriert. Die Marihuana-Zigarette konnten die beiden allerdings nicht zu Ende rauchen. Zwei Polizisten in Zivil sahen alles. Gestern verurteilte das Schöffengericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott den voll geständigen und äußerst reuigen Vater wegen unerlaubter Abgabe von Drogen an Minderjährige und wegen Besitzes von Rauschgift zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Der 46-Jährige muss als Bewährungsauflage 1000 Euro Geldbuße an den Traunreuter Verein »Licht für Kinder« zahlen.


Vater und Sohn hatten das Festival zum zweiten Mal gemeinsam besucht, auch um in entspannter Atmosphäre gemeinsam einige Tage zu genießen. »Die Stimmung war gut«, schilderte der Angeklagte gestern. Er habe sich am 21. August 2013 auf dem Reggae-Gelände ein Tütchen Marihuana gekauft: »Ich dachte damals, es sei alles nicht so schlimm. In der Zwischenzeit sehe ich das anders«, so der 46-Jährige gestern.

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Bei ihm fanden die Zivilbeamten damals neben dem weggeworfenen Joint unter dem Schuh in der Hosentasche eine Tüte mit 1,4 Gramm Marihuana. Als die beiden Polizeibeamten einschritten, habe er es »erst nicht verstanden«, erklärte der 46-Jährige gestern. Bei der Jugendpräventionsstelle der Polizei sei ihm dann klar geworden, dass er mit dem Joint seinen Sohn schädige. In der Folge mussten sich der Vater und sein minderjähriger Sohn zweimal täglich bei der Präventionsstelle melden. Der Angeklagte weiter: »Ich bin sehr betroffen und habe die Gefahr für Heranwachsende unterschätzt.«

Der IT-Techniker, der vorher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, räumte unumwunden ein, dass der Joint hin und her hätte gehen sollen. Alles sei aus der Stimmung heraus geschehen. Der noch immer 17-jährige Sohn berief sich gestern auf sein Recht, den Vater nicht belasten zu müssen. Er machte keine Angaben.

Richter Wolfgang Ott klärte den IT-Techniker über die »Tücken des Betäubungsmittelgesetzes« auf: »Bei Ihrem Sohn war es strafloser Konsum. Bei Ihnen war es ein strafbarer Verbrechenstatbestand.« Staatsanwältin Monika Veiglhuber beantragte gestern eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten und zehn Tagen mit dreijähriger Bewährungszeit und einer Geldauflage von 2500 Euro. Sie ging – wie alle anderen Redner – von einem minderschweren Fall aus. Verteidiger Roland Netzer aus Traunstein sprach von einem schnörkellosen Geständnis. Sein Mandant habe sich – das sei etwas Besonderes – mit der Sache auseinandergesetzt. Der Verteidiger hielt darum eine Strafe von drei Monaten mit Bewährung und ohne weitere Auflagen für ausreichend.

Wegen des Eingreifens der Polizeibeamten sei es nur zu einem einzigen Zug am Joint gekommen, stellte Richter Wolfgang Ott im Urteil fest. Und weiter: »Eine geringere Menge als ein Zug am Joint ist nicht denkbar.« Der Sohn habe früher schon mal Marihuana probiert. Vom Angeklagten habe das Gericht einen »durchaus positiven und einsichtigen Eindruck gewonnen«. Er sei selbstverständlich bewährungswürdig. kd