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Vachendorf ist schließlich kein Fischerdorf

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Beim Vachendorfer Starkbierfest hielten Martin Schmid (links) und Markus Merkle die Fastenpredigt. (Foto: Buthke)

Vachendorf – Überaus gut besucht gewesen ist das Starkbierfest der Vachendorfer Ortsvereine im Gasthaus zur Post. Die Vachendorfer sind dabei so »guad beinand«, dass sie schon seit Jahren mit Markus Merkle und Martin Schmid gleich zwei Fastenprediger aufbieten können. Sie nahmen kein Blatt vor den Mund und »derbleckten« die Vachendorfer mit teilweise deftigen Sprüchen. Mit verschiedenen Auftritten sorgten einige weitere Vachendorfer für ein abendfüllendes Programm, das die Musikkapelle Holzhausen-Vachendorf musikalisch begleitete.


Hatte der Ort vor einem Jahr nur noch einen Wirt, so sind es jetzt wieder drei. In der Schwimmbad-Wirtschaft fühle sich der Rentnerstammtisch sehr wohl, nicht nur, weil es dort kostenlos Erdnüsse gebe, sondern auch, weil die Rentner dank eines neuen Pflasters direkt vom Auto mit dem Rollator zum Wirt gehen könnten, meinten die zwei Fastenredner. Der Schusterwirt in Humhausen laufe auch wieder ganz gut. Wohl auch deshalb, weil der Wirt mit seiner Weihnachtsbeleuchtung bis in den Februar hinein Werbung gemacht habe.

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In der Post probiere es der Wirt mit Discopartys und Saalflohmarkt. »Außerdem hot er sich denkt, dass in der Nähe des Fuschbachs de Leit recht gern und am liabsten olle Tog an Steckerlfisch essen. Vielleicht moant er, mia san a Fischdorf.« Außerdem sorge er mit seinem Lagerfeuer für romantische Stimmung. Um das Wirtshaus herum sehe man schon keine Bäume mehr. Die habe er schon alle eingeheizt.

Erst um eine Stunde, dann um einen Tag vertan

Bei der Sommerzeitumstellung hätten die Wertstoffhofmitarbeiter wohl vergessen, die Uhren umzustellen und »pünktlich« Feierabend gemacht. Nur dem Geierstanger-Lois sei beim Heimfahren aufgefallen, dass noch viele Leute zum Wertstoffhof gefahren seien. Er habe dann erst gespannt, dass es noch nicht fünf, sondern erst vier Uhr gewesen sei.

Aber man könne es den beiden Wertstoffhof-Managern nicht verdenken, wenn sie sich um eine Stunde vertan hätten, wenn sich ihr Chef, der Bürger-meister Rainer Schroll, gleich um einen ganzen Tag vertue. »Denn beim letzten Rittbittn hot er gsagt, er gfreit si scho wieder aufn Ritt am Ostersonntag. Vielleicht hot as dann aber glei gspannt, wia er am Ostersonntag in Traunstoa gestanden ist und si gwundert hot, dass koa oanzigs Ross daher kemma is.«

Das Maibaumaufstellen habe man gar nicht mitgekriegt. Die einen Wochenenden seien verregnet gewesen und an den anderen habe der Trachtenverein sein 95. Jubiläum gefeiert. »In oana Nacht- und Nebelaktion is der Baum dann unter der Woch' mitm Autokran klammheimlich aufgstellt worn.«

Beim Burschenfest seien beim Zeltaufbau mehr Leute gewesen als bei mancher Veranstaltung. Burschenvorstand Bernhard Zeilinger sei immer eher heim gegangen, weil er wegen seiner Größe nicht gewusst habe, ob er unter das Jugendschutzgesetz falle. »Oder er hot Angst ghabt, dass er beim Hoamgeh de Händ wider nimma aus da Hosntaschn außa bringt und sich's Gsicht wieder recht auffallt.«

Beim Zischek-Haus gehe nichts voran. Jetzt hätten sich die Leute schon Gedanken gemacht, ob der Gemeinderat auf ein Bürgerbegehren warte wie in Traunstein bei der Landesgartenschau. Dann würden die Bürger ihm die Entscheidung abnehmen. Der Ponath-Walter habe im Traunsteiner Tagblatt richtig stellen lassen, dass er als einziger gegen den Umbau des Zischek-Hauses gestimmt habe. »Des hättn si sich sparn kenna, weil des eh a jeder woaß, dass er oiwei dagegn stimmt.«

Kein gutes Pflaster war das neue Pflaster am Schwimmbad für den Bürgermeister. Wie die Fastenprediger aufdeckten, habe er dort ein anderes Auto angefahren und, wie es sich gehöre, einen Zettel an das Auto gehängt und die Polizei angerufen. Als die Autobesitzerin zu ihrem Auto gekommen sei, habe sie bei der Polizei angerufen und mitgeteilt, sie habe den Eindruck, der Unfallgegner sei alkoholisiert. Ein Alkoholtest habe aber ergeben, dass daran nichts gewesen sei.

Der Pater Gabriel ist eine gute Haut...

Am »Steckerlfisch-Stammtisch« kamen Rita Lautenbacher, Sabine Reitmeier und Christine Wellinger zusammen. Der Pater Gabriel sei schon eine gute Haut, meinten sie. Er habe die Trachten-Bur-schen nach einem nächtlichen Fortgehen bei der frühmorgendlichen Besichtigung einer neuen Biogasanlage in Fridolfing abgeholt. Der Bauer habe blöd geschaut, wie doch tatsächlich ein Pater im Habit in den Hof eingefahren sei. Für die Zukunft bekomme er ein Navi, das alle Wirtshäuser im Gäu angibt, weil sich der »Kölsche Jong« schon in Waging verfahren habe.

Könnte man die Traunsteiner Landesgartenschau nicht einfach aufs Land verlegen, wenn sie schon Landesgartenschau heiße? In Vachendorf sei alles möglich. Welche Gemeinde habe zum Beispiel einen Radweg, der pfeilgrad durch eine Miststatt gehe. Wenn es regne, stehe dort knöcheltief die Odelbrühe. Wenn der Bürgermeister nach der Gemeinderatssitzung zu Fuß nach Hause gehe, stinke er nach Odel.

Gleich mehrere Beiträge gab es zum Thema »Fremde Kulturen besser verstehen – Altbayrisch für Anfänger«. Da waren zunächst Josefa, Martina und Marlene Schmid sowie Sabine Reitmeier, die sich mit der Beugung des Tätigkeitsworts »bliaden« (bluten) befassten. Unter ausgiebigen Einsatz einer amerikanischen Tomatensoße, die das Blut ersetzte, schlugen sie sich gegenseitig ins Gesicht und erklärten daran die jeweilige Zustandsform, i bliad, du bliatst und so weiter.

Ein weiterer Einsteig in »Altbayrisch für Anfänger« war die Lektion »Die Liebeserklärung«. Als Moderatorin und Übersetzerin ins Hochdeutsche fungierte Rita Lautenbacher. Der Bursche Fritzi (Josefa Schmid) überbrachte seiner Angebeteten Lissi (Marlene Schmid) einen Strauß Blumen. Dann machte Fritzi einen Fehler, als er sagte: »I wissad schon de oanige oda de andrige, de den mainign so zua iharign dadan dadadn«. Die Lissi verzichtete auf die Übersetzung von der Rita und haute dem Fritzi den Blumenstrauß um die Ohren. Was den Fritzi kaum rührte. und sagte: »Du häts as doch eh verregga lossn.«

Pils, Bock oder Helles – das war die Frage

Eine weitere Lektion des Kursus »Altbayrisch für Anfänger lautete »Die Bierprobe«. Das Paar Leni (Marlene Schmid) und Seppi (Josefa Schmid) hatten den Stofferl (Christine Willinger) zum Essen eingeladen. Doch zunächst ging es darum, welches Getränk man zum Essen nehmen soll: Pils, Bock oder Helles. Da sich Stofferl nicht entscheiden konnte, fragte er seine Gastgeber: »Ja, wos dringds es?« Was die Moderatorin Rita auf Deutsch übersetzte: »Ich würde mich gerne getränketechnisch anschließen, um somit endlich zur Speisenzufuhr schreiten zu können.«

Aber der Stofferl musste noch weitere Biere probieren, denn »wenn s'Dringa ned basst, war's schod ums Essen.« Zu Deutsch: »Sollten Speisen und Getränke nicht harmonieren, wäre jeder Gaumenschmaus verwirkt.« Das Ende vom Lied war, dass der Stofferl vor lauter Rausch vom Stuhl fiel. Was die Gastgeber nur lapidar kommentierten: »Für drei Leit hätt das Essen sowieso ned glangd.«

Den Abschluss des überaus lustigen und gelungenen Vachendorfer Starkbierfests machten der Baumburger Triangel-Chor mit Martin Schmid, Fred Wimmer und Wolfgang Nonneder mit dem Lied »Weint mit mir, ihr Wirte und ihr Bräuer...« sowie das Brauerei-Duo Iris Tögel und Fred Wimmer, die Witze und Sketche über Ärzte vortrugen. Bjr