weather-image

Vachendorf ist nach wie vor schuldenfrei

5.0
5.0

Vachendorf – Ein voller Saal im Gasthof zur Post und kaum Wortmeldungen: Für Bürgermeister Rainer Schroll war es eine sehr ruhige, unaufgeregte Bürgerversammlung. Eingangs brachte er einige Zahlen aus dem Gemeindeleben dar: 17 Geburten standen bislang 14 Sterbefälle gegenüber; der Ort hat aktuell 1870 Einwohner.


Vachendorf ist nach wie vor nicht verschuldet. Zum Jahresende wird ein Rücklagenstand von knapp 1,9 Millionen Euro erwartet. Die wesentlichen Ausgaben dieses Jahres: Im Rathaus wurde eine neue Heizung eingebaut, zwei Wohnungen und das Treppenhaus saniert (60 100 Euro). Zwei Asylbewerberfamilien haben heuer im Rathaus eine Unterkunft gefunden; eine dritte Wohnung wird gerade hergerichtet. An der Schinderhölle waren Straßenbauarbeiten erforderlich (63 800 Euro). Anschaffungen für den Bauhof schlugen mit 50 700 Euro und für die Feuerwehr mit 19 200 Euro zu Buche. Außerdem wurde für den Bauhof ein neuer Mitarbeiter eingestellt.

Anzeige

Kanalgebühren sind kräftig gestiegen

Kräftig gestiegen ist die Grundgebühr Kanal von 15,34 Euro auf 30 Euro je Wasserzähler und auch die Kanalgebühren wurden von 1,82 Euro auf 2,32 Euro erhöht. Diese Gebühren werden jedoch für die nächsten vier Jahre stabil bleiben, so Schroll.

Im kommenden Jahr wird der stets voll ausgebuchte Kindergarten erweitert. Vor allem, um auf den Rechtsanspruch der Eltern auf Kinderbetreuung vorbereitet zu sein, wurde entschieden, die Krippe nach Süden zu verlängern. Dort soll eine altersgemischte Gruppe entstehen. Schroll informierte zudem über den maroden Zustand des Kanals Mühlen, der dringend saniert werden müsse. Dafür seien in den Haushalt bereits 100 000 Euro eingeplant.

Zum Haus der Dorfgemeinschaft liegen die Pläne zur Prüfung beim Landratsamt. Hier sei »alles im Fluss«, allerdings seien noch nicht alle Details geklärt. Zum aktuellen Förderprogramm für den Breitbandausbau liege ein Antrag bei der Regierung von Oberbayern zur Prüfung. Der Focus der Gemeinde liege auf dem westlichen Gemeindebereich. Die Kosten für den Ausbau bewegen sich bei 333 555 Euro. Mit einem Zuschuss von über 212 000 Euro wird gerechnet.

Ein immer wieder kehrendes Thema sei der Hochwasserschutz am Türlberg. Nach einem Konzept des Ingenieurbüros Raunecker, dem sich der Gemeinderat anschloss, wurde ein Genehmigungsverfahren zur Versickerung des Wassers eingeleitet. Die Kosten werden auf über 270 000 Euro geschätzt.

Einen Wechsel gab es bei der Ortsheimatpflege: Angelika Nistler übernahm das Amt von Sepp Fischer. Bürgermeister Schroll würdigte Fischer für 15 Jahre engagierten Einsatz. Ein besonderer Dank ging auch an den Helferkreis der Gemeinde, der sich mit Sprachunterricht und Unterstützung auch in anderen Belangen um die beiden Asylbewerber-Familien kümmert.

Nachfolger für den Dorfladen gesucht

Zum Jahresende droht das Aus für das »Nah und Gut«-Geschäft in Vachendorf, das vor fünf Jahren von Josef Pfeilstetter übernommen wurde. In der Bürgerversammlung erläuterte Pfeilstetter seine Entscheidung, die er »nicht leicht getroffen« habe, denn »mir ist sehr wohl bewusst, dass so ein Laden für einen Ort auch eine soziale Bedeutung hat«.

Aber die Ladenfläche sei beschränkt, ein umfangreiches Angebot nicht möglich. Hierzu komme ein anspruchsvolleres Einkaufsverhalten der Kunden, die eben gerne »eine bestimmte Sorte Butter verlangen und nicht unbedingt das Angebot schätzen, das im Laden vorliegt«. Auch sei es auf Dauer nicht wirtschaftlich, wenn »von zehn Stück Mangos acht Stück verderben«.

Ein Angestellter alleine sei fast zu stark gefordert, mehrere Angestellte gebe aber der Umsatz nicht her. Die Entscheidung sei zwar bereits im Sommer gefallen, doch in Gesprächen mit Vermieter und Gemeinde sei noch nach Möglichkeiten gesucht worden. Tatsächlich gebe es aktuell einen Interessenten, mit dem die Gespräche aber noch nicht abgeschlossen seien.

Pfeilstetter appellierte an die Vachendorfer, sich Gedanken zu machen, ob vielleicht aus dem Ort heraus Interesse an einer Weiterführung bestünde, eventuell als gemeinnützige Trägerschaft. Er würde die Einrichtung gratis zur Verfügung stellen; es bräuchte wenig Eigenkapital.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde laut Ortschronik im »Schrankl-Haus« eine Krämerei eröffnet. Sollte sich tatsächlich niemand finden, der den Laden weiter betreibt, käme das schon fast dem Ende einer Institution gleich. BL

Italian Trulli