weather-image
19°

Urteil wird erst in zwei Monaten fallen

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Foto: dpa

Traunstein – Das Urteil gegen den Ex-Soldaten wegen Mordes und versuchten Mordes wird erst in zwei Monaten fallen. Die Jugendkammer Traunstein als Schwurgericht zieht weitere Zeugen und einen Sachverständigen heran.


Anstatt zehn nun 16 Prozesstage

Anzeige

Die Verlängerung des Prozesses von zehn auf 16 Tage war wegen eines Beweisantrags der Nebenklageanwälte des überlebenden, inzwischen 18-jährigen Opfers unumgänglich. Der Hintergrund: Bisher haben sich alle Sachverständigen sowie die Jugendgerichtshilfe wegen deutlicher Reifeverzögerungen des Angeklagten für Jugendstrafrecht ausgesprochen. Damit gingen sie von Nachreife der noch nicht voll entwickelten Persönlichkeit des Ex-Soldaten aus. Oberstaatsanwalt Volker Ziegler und Staatsanwalt Björn Pfeifer sowie die Vertreter der jungen Frau sind allerdings der Überzeugung, dass Erwachsenenstrafrecht anzuwenden ist. Der 21-Jährige sei ausgereift und nicht mehr entwicklungsfähig. Dazu sollte ein Jugendpsychiater per Gutachten Stellung beziehen, forderten Maximilian Pauls aus München und Dr. Markus Frank aus Rosenheim.

Ein 20-minütiges Video, das im Gericht gezeigt wurde, sollte etwas mehr Klarheit über die Persönlichkeit des Angeklagten bringen. Es wurde kurz nach dem Verbrechen in Bad Reichenhall während einer Bundeswehrübung in Hammelburg von einem Kameraden gedreht.

Die Diplom-Psychologin Nicole Liwon aus München erachtete das Video als »nicht ausreichend, um eine Reifebeurteilung des Angeklagten vorzunehmen«. Sie sehe in dem Filmchen »eher jugendliche Verhaltensweisen.« Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Matthias Hollweg von der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim, sprach von einer »Gruppensituation« der sichtlich alkoholisierten Soldaten, vermisste in dem Video »Ernsthaftigkeit« und »Depressivität« des Angeklagten. So kurz nach der Tat lasse er »keinerlei Erschütterung« erkennen. Auch aus Sicht des forensischen Psychiaters brachte der Film keine großartigen Erkenntnisse. Er blieb bei seiner bisherigen Einschätzung: »Es ist gerechtfertigt, den Angeklagten noch als Jugendlichen einzustufen.«

»Wir wissen vieles nicht«

Auf dem Video wirke er im Vergleich zu seinen Kameraden nicht sonderlich auffällig, während er im Gerichtssaal starr vor sich hinschaue. »Wir wissen vieles nicht«, sagte Dr. Hollweg. Bei dem 21-Jährigen habe man das Problem, dass er »keinen Einblick« gewähre. Der Verdacht auf eine gewisse mangelnde Empathiefähigkeit oder sogar Empathielosigkeit scheine gerechtfertigt. Jedoch seien viele Fragen offen. Bei einer eventuellen Sicherungsverwahrung nach einer Jugendstrafe biete sich eine Behandlung in der Sozialtherapie in der Justizvollzugsanstalt Ebrach an, führte Dr. Hollweg zu einem anderen Aspekt des Beweisantrags aus. Eine Behandelbarkeit stehe und falle mit einer Mitarbeit des Angeklagten – durch Mitteilen seiner Gedanken und Fantasien. Ein Behandlungserfolg könne nicht garantiert werden. Es gebe Bedenken, ob er sich in der Therapie öffnen würde. Dennoch sei eine Nachreife nicht auszuschließen.

Das Programm der Jugendkammer am Schwurgericht geht am 20. Mai um 9 Uhr weiter. Das Urteil wird am 10. Juli erwartet. kd