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Urnenbestattung immer gefragter in Teisendorf

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Blick über den denkmalgeschützten alten Friedhof; im Hintergrund die bereits voll belegte Urnenwand. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Deutschlandweit stieg der Anteil an Feuerbestattungen von fünf Prozent im Jahr 1990 auf 50 bis 60 Prozent im Jahr 2016.


Dieser Trend ist in abgeschwächter Form auch in Teisendorf zu beobachten. Deshalb braucht die Gemeinde Teisendorf in den kommenden Jahren neue Urnenstelen oder -wände. Friedhofsreferent Georg Wetzelsperger gab im Gemeinderat einen Überblick über erfolgte und anstehende Erweiterungen und Sanierungen am Friedhof Teisendorf.

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Auffällig sei, dass immer mehr traditionelle Erdgräber aufgelöst werden. Von 1286 Gräbern sind derzeit 1141 belegt, 145 sind frei. Die Urnenwand mit 78 Urnennischen hingegen wurde inzwischen komplett belegt, seit es dort 2006 die erste Teisendorfer Urnenbestattung gab.

Der Anteil der Urnenbestattungen lag 2016 bereits bei 40 Prozent. Anonyme Bestattungen hingegen spielen in Teisendorf nur eine untergeordnete Rolle. Der von Wetzelsperger präsentierten Statistik zufolge gab es in den vergangenen Jahren jährlich maximal ein bis drei solche Bestattungen.

Anschließend berichtete Wetzelsperger über die erfolgte Sanierung bei einem Teil der Gräberreihen im neuen, dem Ort zugewandten Friedhofsteil. Die übrigen Gräberreihen sollen Zug um Zug folgen. Aufgrund des abfallenden Geländes und Absenkungen mussten die Grabbeete zum Teil mit provisorischen Mitteln, wie aufgestellten Wegplatten, abgestützt werden, und die Grabpflege war vor allem für ältere Bürger mühsam. Nun wurden die Absenkungen ausgeglichen, und auch die Wege und Wegränder wurden saniert. Peter Schuhbeck (FWG) regte an, bei Bestattungen künftig die Gräber noch einmal aufzufüllen, damit Absenkungen vermieden werden.

Um neuen Platz für die Urnenbestattung zu schaffen, sollen demnächst einerseits an der westlichen Ecke des Friedhofs mehrere Urnenstelen aufgestellt werden, geschützt von einer neuen Hecke. In der Nähe der Stelen soll eine Ruhebank aufgestellt werden als Muster für geplante weitere Sitzbänke. »Es ist wichtig, dass man Besinnungsorte innerhalb des Friedhofs schafft«, betonte der Referent.

Die 93 neu entstehenden Urnennischen seien bei 25 Urnenbestattungen pro Jahr in vier Jahren voll, gab er zu bedenken. Daher sei es wichtig, sich weitere Möglichkeiten offen zu halten. Wetztelsperger schlug vor, auch auf bestehenden und nicht mehr genutzten Gräbern Urnenstelen unterzubringen. Denkbar seien auch Urnengräber mit Plattenabdeckung auf der Wiese. Peter Schuhbeck ergänzte dazu, im neuen Friedhof seien mindestens 15 bis 20 Gräber aufgelöst worden. Er empfahl, den alten Friedhof als Raum für Erdbestattungen aufrechtzuerhalten. Johann Niederstraßer (FWG) plädierte dafür, eine Möglichkeit zu suchen, um die bestehende Urnenwand, die ein schönes Bild abgebe, bis zum Wieninger-Mausoleum zu verlängern. Laut Wetzelsperger laufen in dieser Sache bereits Gespräche mit dem Denkmalschutzamt.

»Der Bedarf ist da«, pflichtete auch Georg Quentin (SPD) bei. Die Nutzungsgebühr bei einer Urnennische entspreche der Grabgebühr, nur die Unterhaltung sei günstiger, erklärte Wetzelsperger auf Rückfrage der Räte hin.

Ein weiteres Thema, das er anschnitt, war die geplante Verbindung zwischen Klosterweg und Parkplatz. Diese solle verhindern, dass nicht mehr so viele Fahrzeuge im westlichen Teil durch den Friedhof fahren. Bausteine der künftigen Entwicklung des Friedhofs sollten eine Aussegnungshalle für nicht kirchlich begleitete Trauerfeiern, ein behindertengerechtes WC, kleine Plätze der Besinnung, zum Beispiel mit einer Skulptur, einheitliche Sitzmöglichkeiten im ganzen Friedhof und mehr Brunnen und Tröge sein. Auch die Freiflächen gelte es, grob zu überplanen.

Grundsätzlich forderte Wetzelsperger ein neues Bewusstsein im Umgang mit dem Thema Friedhof. Dort solle Tod und Sterben wieder deutlich sichtbar gemacht werden und genug Platz für Trauerrituale sein. Wichtig sei ein »System von Kommunikationsräumen«. Dieses funktioniere in Teisendorf noch, beispielsweise in Form des Trauermahls. »Bei uns ist ein Todesfall keine Abwicklung, sondern eine Betreuung.« Es gelte auch, flexibel und offen für neue Bestattungsformen zu sein. Die Rückfrage von Hans Rauscher, ob man den Sarg auf Wunsch bei der Beerdigung bis zum Schluss oben lassen könne, bejahte Wetzelsperger. Elisabeth Aschauer (Grüne) begrüßte die Aufstellung von Bänken. Ihre Tante würde gerne öfter auf den Friedhof geben, aber die Wege zwischen den Sitzgelegenheiten seien ihr zu weit. vm

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