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Unterschiedliches Interesse an der Mittelstufe Plus

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G 8 oder G 9? Da streiten sich die Gelehrten. Unterdessen bereiten sich unter anderem das Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein und das Rottmayr-Gymnasium in Laufen auf den Start der Pilotphase zum nächsten Schuljahr vor. (Foto: dpa)

Überrascht ist Bernd Amschler nicht – der Direktor des Traunsteiner Annette-Kolb-Gymnasiums (AKG) war von Anfang an davon ausgegangen, dass sich etwa zwei Drittel seiner jetzigen Siebtklässler für die Mittelstufe Plus entscheiden werden. Das AKG ist eines von 47 bayerischen Gymnasien, die vom Kultusministerium den Zuschlag für den Pilotversuch erhalten hatten (wir berichteten).


Was im allgemeinen Sprachgebrauch als Rückkehr zum G 9 gilt, heißt amtsdeutsch Mittelstufe Plus und bedeutet, dass Schüler »mit zusätzlichem Förderbedarf« zusätzlich zu den Klassen 8, 9 und 10 die Klasse 9+ absolvieren. Die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen werden in der Mittelstufe Plus alle vier Jahre lang in der Regel mit jeweils drei zusätzlichen Wochenstunden angeboten. Der Stoff wird von drei auf vier Jahre gedehnt. In der Mittelstufe Plus werden die Schüler in der Regel nur 30 Stunden (in den Jahrgangsstufen 8, 9, 9+) und 32 in der Jahrgangsstufe 10 besuchen – so gibt es erst in der 10. Klasse verpflichtenden Nachmittagsunterricht.

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Amschler: »Das ist ein ziemlich klares Votum«

»Wir werden im nächsten Schuljahr gleich zwei achte Klassen in der Mittelstufe Plus haben«, sagt Amschler. 52 Schüler haben sich für die Mittelstufe Plus entschieden, in der Regelklasse (G 8) bleiben nur noch 20 Schüler übrig. »Das ist ein ziemlich klares Votum. Schulorganisatorisch ist das gut machbar, denn der Regelzweig bleibt ja mit einer Klasse erhalten. Schüler aus den höheren Klassen können also wiederholen müssen.«

Er sehe den Pilotversuch als Chance und zugleich Herausforderung für die Schule. »Wir müssen und können jetzt gestalten, etwa die Stundenpläne oder Intensivierungskonzepte«. Die Herausforderung sei es, dass das alles bei unverändertem Budget geschehen müsse, also mit der gleichen Zahl an Lehrerstellen. »Aber das ist an unserer Schule gut machbar, auch ohne großartige Einschränkungen an den Schulzweigen«. Denn am AKG gibt es einen sprachlichen, einen wirtschaftswissenschaftlichen und einen sozialwissenschaftlichen Zweig. In der 8. und 9. Klasse könne man den Unterricht teilweise noch mit dem Regelzweig koppeln, in der Wiederholungsstufe 9+ »wird's halt schulorganisatorisch aufwändiger«, so Amschler.

Das Problem, dass die Schüler in der Regelklasse in der Oberstufe in ihren Wahlmöglichkeiten zu stark eingeschränkt sein könnten, sieht er nicht so dramatisch. »Natürlich bin ich bei 20 Leuten in den Wahlmöglichkeiten etwas eingeschränkt, aber das wirkt sich nach unserer Überzeugung nicht so gravierend aus. Wer zum Beispiel die späte Fremdsprache wählt, also die Fremdsprache, die erst in der 10. Klasse beginnt und bis zum Abitur gewählt werden muss, ist in den Wahlmöglichkeiten ohnehin ziemlich eingeschränkt.« Der Vorteil der Regelschüler sei gerade ihre geringe Zahl – in kleineren Klassen könne man auch anders lernen. Und es kämen ja eventuell wiederholende Schüler dazu.

Anders sieht das sein Laufener Kollege Dr. Alfred Kotter vom Rottmayr-Gymnasium. »Ich hab' von vornherein gesagt, bei uns gibt es nur eine Mittelstufe-Plus-Klasse«, sagt er. »Sonst wäre der Regelzug zu klein geworden und die hätten dann in der Oberstufe zu wenig Wahlmöglichkeiten beim Seminarangebot, bei den Sprachen oder den Naturwissenschaften.«

Die Nachfrage decke sich erfreulicherweise ziemlich genau mit dem Angebot. So gibt es eine »relativ gut gefüllte« Mittelstufe-Plus-Klasse und zwei kleinere Regelklassen mit je 25 bis 26 Schülern, erklärt Dr. Kotter. »Meine Prognose war von je her etwa ein Drittel, zusammengesetzt aus etwa 20 bis 25 Prozent der Schüler mit echtem Förderbedarf und ein paar Schülern, die etwa Sport oder Musik machen.« Der Bedarf an Räumen und Lehrern gehe sich genau aus. Wenn nach zwei Jahren der Pilotversuch zu Ende sei, rechne er schon damit, dass die Mittelstufe Plus flächendeckend eingeführt werde. »Das kann aber dann jede Schule selbst entscheiden. Da wird es sicher auch vereinzelte Schulen geben, die es nicht machen werden«, so Dr. Kotter.

Nachfrage ist offenbar regional unterschiedlich

Bildungsminister Dr. Ludwig Spaenle hatte zum aktuellen Stand der Weiterentwicklung des Gymnasiums erklärt, die 47 Pilotschulen seien derzeit mit konzeptionellen und inhaltlichen Planungen beschäftigt. Bis Mitte Mai würden sie ihre konkrete Unterrichtsplanung an das Ministerium übermitteln. Die Schulen werden von einer Projektgruppe des Ministeriums begleitet. Dieser gehören auch Lehrer und Schulleitungsmitglieder an. Die Anmeldung zum Pilotversuch bzw. zur Mittelstufe Plus läuft noch bis zum 4. Mai. Erste Indikatoren ließen aber vermuten, dass die Nachfrage regional wie auch schulspezifisch unterschiedlich ausfallen dürfte, so Spaenle.

Der Pilotversuch werde laufend ausgewertet, um Erkenntnisse zu Nachfrage und inhaltlichen, pädagogischen und organisatorischen Fragen zu gewinnen und so eine Grundlage für eine weitergehende Entscheidung zu erlangen. coho