Unterschiede im Haushaltswesen und in der Verwaltung

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Während ihrer dreiwöchigen Deutschlandreise machte eine chinesische Delegation aus Verwaltungs- und Finanzbeamten auch in Grabenstätt Station. Bürgermeister Georg Schützinger führte sie durch das Grabenstätter Rathaus. (Foto: Müller)

Grabenstätt. Eine rund 15-köpfige chinesische Delegation aus Verwaltungs- und Finanzbeamten besuchte im Rahmen ihrer dreiwöchigen Deutschlandreise die Gemeinde Grabenstätt. Kämmerer und Grabenstätter Gemeinderat Andreas Lukas hatte die Chiemsee-Stippvisite kurzfristig eingefädelt.


Ziel der Reise sei es, das deutsche und insbesondere das bayerische und kommunale Haushaltswesen kennenzulernen und zu eruieren, welche Facetten auf das chinesische Finanzwesen übertragbar wären, so der chinesische Dolmetscher. Die Unterschiede seien natürlich gravierend. Beispielsweise vereinnahme die chinesische Zentralregierung alle Steuern und Abgaben und verteile sie dann auf die kleineren Verwaltungseinheiten. Die Delegationsteilnehmer entstammen allesamt dem Finanzsektor der im Südwesten der Volksrepublik gelegenen Provinz Yúnnán. Mit 394 100 Quadratkilometern ist die Provinz in etwa so groß wie Deutschland und die Niederlande zusammen. 22 weitere Provinzen, fünf autonome Gebiete, vier regierungsunmittelbare Städte und die beiden Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao verdeutlichen die Größe des Landes.

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Bürgermeister Georg Schützinger führte die Gäste durch die Schlosshalle, die Tourist-Info sowie in den gemeindlichen Sitzungssaal und wurde nicht müde zu betonen, dass hierzulande »natürlich alles viel kleiner strukturiert ist«.

So gebe es allein in Bayern über 2000 Gemeinden. Grabenstätt zähle mit seinen 4300 Einwohnern und einer Fläche von rund 38 Quadratkilometern nicht zu den kleinsten der 35 Gemeinden im Landkreis, sagte Bürgermeister Georg Schützinger. Finanziell sei man sehr gut aufgestellt und seit einigen Jahren schuldenfrei. Nicht nur die Schuldenfreiheit, sondern auch das unter Denkmalschutz stehende alte Schlossgebäude (Rathaus) sorgte in der Delegation für erstaunte Gesichter. »Bei uns ist allein die Finanzverwaltung in einem riesigen, höchst modernen Gebäude untergebracht«, ließ ein chinesischer Teilnehmer verlauten. Allerdings gebe es Bestrebungen, in Zukunft nicht mehr wie bisher Unsummen für solche Bauwerke auszugeben. Als Schützinger den 12-Millionen-Haushalt ansprach, war schnell klar, dass es die chinesischen Finanzbeamten in ihrem Berufsalltag mit ganz anderen Zahlen zu tun haben. Auch das Verhältnis von Beamten und Angestellten in der Gemeindeverwaltung sowie etwaige Unterschiede bei der Bezahlung waren für sie von Interesse.

Delegationsleiter Deng bedankte sich für die »wertvollen Informationen« und wünschte der Gemeinde auch in Zukunft eine »so gute wirtschaftliche Entwicklung«. »Machen sie doch einfach mal bei uns in Yúnnán Urlaub«, schob er lächelnd hinterher, bevor er Schützinger ein Glasbild überreichte. Dieser revanchierte sich mit einem Chiemgau-Bildband. Hier war dann doch noch eine große Gemeinsamkeit auszumachen, denn nicht nur am Chiemsee, sondern auch in Yúnnán spielt der Fremdenverkehr eine wichtige Rolle. Die landschaftliche Schönheit und Vielfalt reicht dort von schneebedeckten Bergen bis hin zu subtropischen und tropischen Klima- und Vegetationszonen. Zudem leben dort die letzten 250 wilden Elefanten Chinas. In dieser Woche macht die Delegation in Berlin Station, dann geht es nach Frankfurt am Main und am 26. September zurück nach China. mmü

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