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Unterkünfte bleiben Mangelware

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Bis zu 160 Asylbewerber werden ab November in einer neuen Gemeinschaftsunterkunft an der Seuffertstraße in Traunstein untergebracht. Derzeit laufen noch die Umbauarbeiten. (Foto: Artes)

Traunstein – Genügend Unterkünfte für Asylbewerber zu finden, ist derzeit das größte Problem des Landkreises Traunstein. Momentan fehlen bis zum Jahresende »noch mindestens 678 Plätze«, wie Landrat Siegfried Walch gestern den Kreisausschuss informierte. Dass man sie rechtzeitig akquirieren könne, sei »faktisch unmöglich«. Möglicherweise müssten doch – was bisher vermieden werden konnte – Schulturnhallen auch in der Schulzeit als dauerhafte Quartiere herangezogen werden. Sorge bereite schon jetzt, wie es nächstes Jahr weitergehen soll.


Zum Stichtag 15. Oktober lebten 1412 Asylbewerber, davon 118 unbegleitete Minderjährige, im Kreisgebiet, 303 in zentralen Unterkünften der Regierung von Oberbayern, 991 Personen dezentral in den 75 vom Landkreis angemieteten Objekten. Von den 35 Kommunen haben inzwischen 27 Gemeinden und Städte Asylbewerber aufgenommen.

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48 Menschen werden pro Woche zugewiesen

Bis Weihnachten muss der Kreis auf Basis der bisherigen Bundesamtsprognose 2423 Flüchtlinge aufnehmen. Das bedeutet nach Walch: Noch 1011 Menschen müssen untergebracht werden. Ob diese Zahl ausreicht, ist fraglich: »Mittlerweile gibt es Tendenzen, wonach wir bis Jahresende bis zu 3000 Personen zugewiesen bekommen.« Die Zuweisungsrate liege bei 48 Personen pro Woche. Für 204 Personen habe man aktuell noch kein Quartier. Bis 8. November könne man voraussichtlich 173 freie Plätze schaffen. Weitere 160 kämen im November in der neuen Gemeinschaftsunterkunft in der Seuffertstraße in Traunstein dazu.

Sorge bereite, so der Landrat weiter, dass der Zustrom an Asylsuchenden im nächsten Jahr wohl anhalten werde. Bis dahin sei nicht mehr viel Zeit. Wie im vergangenen Jahr versuche der Landkreis, möglichst langfristig zu planen. Anfang der Woche habe er an alle Bürgermeister geschrieben: »Wir drängen darauf, dass uns alle Kommunen Asylbewerber abnehmen. Je breiter die Last verteilt wird, desto besser ist es.« Der Kreisausschuss nahm den Bericht Walchs ohne Diskussion zur Kenntnis.

»Deutschland ist nicht zuständig für jeden«

Einem TV-Team sagte der Landrat nach der Sitzung, die Situation sei »schwer zu meistern«. Die Zuweisungszahlen könne der Landkreis nicht mehr erfüllen. Erste Effekte aus dem Asylpaket der Bundesregierung werde man frühestens Mitte 2016 spüren: »Es wird dauern, bis die Signale in den Herkunftsländern wirken. Wir brauchen ein Asylpaket II, um dem Zustrom zu begegnen.« Deutschland müsse Kriegsflüchtlingen helfen: »Aber Deutschland ist nicht zuständig für jeden, dem es wirtschaftlich schlecht geht.« kd