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»Unsicherheit ist ein unhaltbarer Zustand« – Chiemgau-Tourismus wartet auf Neustart

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Chiemgau-Tourismus wartet auf Neustart: »Unsicherheit ist ein unhaltbarer Zustand«
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Noch muss sich die Tourismuswirtschaft im Chiemgau gedulden. Denn noch sind die Bedingungen nicht klar, unter denen wieder Gäste beherbergt werden können. Neben den Vermietern wissen also auch Anbieter von Freizeitbetrieben wie etwa Bootsverleiher nicht, wann es wie wieder losgeht, wie hier am Chiemsee. (Foto: Chiemgau Tourismus e.V.)

Landkreis – »Wir warten täglich auf die neuen Ergänzungen aus dem Kabinett«, beschreibt Claudia Kreier vom Chiemgau-Tourismus das aktuelle Hauptproblem der Tourismuswirtschaft in der Region. »Wir reden von etwa 40 bis 50 Millionen Umsatzverlust pro Monat im Gastgewerbe im Chiemgau.« Aber derzeit wisse noch keiner, wie der Start ab dem 30. Mai genau ausschauen soll.


Das verunsichere auch die Gäste. »Von manchen Betrieben, speziell von Bauernhöfen, hören wir, dass sie ausgebucht sind, von Pfingsten bis über den Sommer hinaus. Aber jeder, der für Pfingsten etwas sucht, wird auch noch etwas finden. Vielleicht halt nicht auf dem Wunsch-Bauernhof.«

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Mehr Nachfrage nach Ferienwohnungen

Man beobachte eine größere Nachfrage nach Ferienwohnungen: »Da wissen die Gäste, was sie erwartet, zumindest ein eigenes Bad. Aber für Vermieter wie auch Gäste sei die Unsicherheit »ein unhaltbarer Zustand.«

Am Anfang der Corona-Krise habe es schon viele Stornierungen gegeben. Viele Gäste hätten ihren Aufenthalt aber erstmal nur verschoben, bis endlich das Datum der Öffnung feststand, so Kreier. »Das ist sicher auch unseren Gastgebern geschuldet, die einfühlsam und professionell auf die Verunsicherung reagiert haben. Mir ist nicht zu Ohren gekommen, dass Menschen wegen Jobverlust oder Kurzarbeit den Urlaub storniert haben. Aber es ist natürlich vorstellbar.«

Der Tourismusverband Chiemgau sei aber in der Zwischenzeit alles andere als untätig geblieben. »Unser wichtigstes Ziel ist die Saisonverlängerung«, sagt Kreier. Hätten bisher viele Betriebe im Oktober und November geschlossen, so bemühe man sich jetzt um Lösungen, wie man das heuer vermeiden könnte. »Da geht es ja auch um die Freizeitangebote.«

Eine weitere Idee wäre ein Info-Pool für Tagesgäste. Das stellt der Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismus, Stephan Semmelmayr, sich so vor: »Wenn ich an Pfingsten von Deggendorf aus einen Ausflug machen möchte, schau ich zuerst in den Info-Pool. Da steht dann, dass der Parkplatz der Chiemsee-Schifffahrt erst ab 15 Uhr wieder öffnen kann.« Es werde wohl bei allen Freizeitangeboten Kapazitätsbeschränkungen geben. Voraussetzung für den Info-Pool sei, dass die Informationen aktuell gepflegt sind. Zunächst gehe es um die technische Umsetzbarkeit, so Kreier. Ziel sei es, Staus zu vermeiden und die Besucher sinnvoll zu lenken.

»Die Vorgaben kommen nur sehr stockend«, sagt dazu Barthl Irlinger aus Oberwössen, Vorsitzender des Verbands der privaten Gastgeber im Chiemgau. Zu normalen Zeiten verzeichnen die 160 Mitglieder rund eine Million Übernachtungen. Aber um den Start am 30. Mai zu schaffen, bereiteten sich auch die Privatvermieter bereits auf die Hygienevorschriften vor.

»Wir gehen jetzt mal von dem aus, was für die Gastronomie gilt«, so Irlinger im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Das setzen wir eins zu eins um und schauen dann, was noch kommt.« Dabei sei man durchaus positiv gestimmt. »Wir jammern nicht, wir richten den Blick nach vorn.«

Schade sei aber, dass die Wirtschaftshilfen bisher nur gewerblichen Gastgebern zugute kämen. »Für viele kleinere Betriebe mit vielleicht nur zwei Ferienwohnungen oder zwei Zimmern lohnt es sich nicht, ein Gewerbe anzumelden. Aber sie zahlen genauso Steuern wie die Großen.« Stornierungen habe es vor allem am Anfang gegeben – ehe der Termin Start zum 30. Mai bekannt wurde. Seitdem steige die Nachfrage zwar wieder. »Aber es gibt immer noch freie Zimmer, auch an Pfingsten«, sagt Irlinger im Gegensatz zu anderen Meldungen, die viel zu viele Touristen fürchten. »Die Leute sind jetzt auch noch zurückhaltend mit Buchungen.«

Auch für die Campingplätze werde man gute Lösungen brauchen. »Aber erstens sind die ja auch jetzt schon keine Schlamper und halten sich an strenge Hygienevorschriften. Und zweitens müssen sie halt zusätzlich die neuen, strengeren Hygieneregeln einhalten. Wie sie das umsetzen, wissen sie doch am besten selbst.« Aber wenn sie die Einhaltung der Regeln sicherstellen könnten, »warum sollten Campingplätze dann nicht öffnen dürfen?«

An dem Thema sei der Verband dran. »Denn jedes Haus ist verschieden. Da muss sich jetzt jeder Vermieter selbst überlegen, wie er das hin bringt.«

Zu öffentlich diskutierten Überlegungen, Ferienwohnungen nach Auszug eines Gastes eine Woche lang frei halten zu müssen oder Betriebe nur zu 50 oder 60 Prozent auslasten zu dürfen, sagt er: »Das wird nicht kommen.« Davon sei er überzeugt nach allem, was er bisher erfahren habe. Und so stehe man mit dem naturnahen Tourismus in der Region »Gewehr bei Fuß«.

Erfahrungen in der Gastronomie abwarten

Wie der Tourismus ab 30. Mai starten kann, steht also auch zwei Wochen zuvor noch immer in den Sternen. Und nimmt man die Pressesprecherin des Bayerischen Wirtschaftsministeriums wörtlich, bleibt das voraussichtlich noch eine weitere Woche lang so: »Für die Hotellerie entwickeln das Wirtschaftsministerium und das Gesundheitsministerium, unter Einbeziehung der Erfahrungen im Gastronomiebereich, ein Rahmenkonzept, damit Beherbergungsbetriebe wie Hotels, Ferienwohnungen, Pensionen, Jugendherbergen ab dem Pfingstwochenende öffnen können«, schrieb sie auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. coho

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