weather-image
26°

»Unsere kulturellen Wurzeln sind unverzichtbar«

1.9
1.9
Bildtext einblenden
Sein 125-jähriges Bestehen feierte der St.-Georgs-Verein Traunstein mit einem Festabend in der Berufsschulaula. Die Veranstaltung wurde von der Stadtmusik unter der Leitung von Augustin Spiel musikalisch gestaltet. (Foto: Buthke)

Traunstein – Mit einem Festabend in der Aula der Staatlichen Berufsschule I feierte der St.-Georgs-Verein Traunstein sein 125-jähriges Bestehen. Im Jahr 1891 war er gegründet worden, »um den Georgiritt in geziemender Art und Weise zu veranstalten«. Höhepunkt der Festveranstaltung war die Uraufführung des neuen Films über den Georgiritt des Filmemachers Stefan Erdmann. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Stadtmusik Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel.


Der Vorsitzende Albert Schmied sagte angesichts der Anwesenheit der zahlreichen Rosserer, Bürgermeister und Gemeinderäte aus fast allen am Ritt teilnehmenden Gemeinden, dies sei ein Abend wie ein Rittbitten. »Der zahlreiche Besuch zeigt, dass der Georgiritt viele Freunde und Teilnehmer hat«, so Schmied. Und es zeige auch, dass sie ein Herz für die Tradition hätten.

Anzeige

Belebung durch den Schwertertanz

Da der Georgiritt 1891 nur noch vier Teilnehmer hatte und vor dem Aus stand, gründeten Traunsteiner Bürger den St.-Georgs-Verein, berichtete der Vorsitzende Schmied in seinem Rückblick. Erster Vorsitzender sei damals Oswald Fürst gewesen, Fürst habe auch die erste historische Gruppe für den Ritt geplant. Der Kunstmaler und Heimatforscher Max Fürst habe die Uniformen der Landsknechte angelehnt an die Frundsberger Landsknechte entworfen. Zwei Jahre später sei die erste Uniform für den heiligen Georg gekauft worden.

Beim 400. Jubiläum des Lindlbrunnens und der 800-Jahr-Feier der Stadt Traunstein 1926 habe der Georgiritt durch den Schwertertanz eine weitere Belebung erfahren, denn ab dieser Zeit sei er zusammen mit dem Ritt in loser Folge aufgeführt worden. Seit 1948 sei der Schwertertanz eine ständige Aufführung.

Die Veränderung in der Gesellschaft habe auch beim Georgiritt zu Veränderungen geführt, sagte Schmied. Als Beispiel nannte er die kontinuierlich steigende Zahl von Frauen. Heiterkeit rief sein Hinweis hervor, dass 1974 die erste Frau als Engerl mitreiten durfte.

»Der Bestand der Pfeiferlgruppe wäre heute ohne Mädchen in ihrer Existenz bedroht«, stellte er fest. Aber auch der zu-nehmende Bürokratismus mache zu schaffen. Die Organisatoren beschäftige dieser zu 75 Prozent. Nur noch 25 Prozent blieben für die reine Organisation des Ritts übrig. Auch müssten neue Wege gefunden werden, um junge Leute für diese Tradition zu begeistern. »Plakate reichen nicht mehr aus. Die Menschen wollen sich per Mausklick informieren«, betonte Schmied. Aus der ursprünglich geplanten Überarbeitung des Internetauftritts sei eine völlig neue Internetseite entstanden, die ab sofort freigeschaltet sei. Aber auch für diejenigen, die nach wie vor etwas in der Hand halten wollen, ist gesorgt. Anlässlich seines Jubiläums hat der Georgiverein eine neue Informationsbroschüre herausgegeben.

Einen großen Wunsch hat sich der Verein zum Jubiläum mit dem neuen Film über den Georgiritt erfüllt. Filmemacher Stefan Erdmann hat dafür die Georgiritte von 2014 und 2015 mit vier Kameras begleitet. Der 71-minütige Film zeigt nicht nur den Ritt, sondern auch die Vorbereitungen und die Menschen, die dahinter stehen. Erdmann berichtete, dass er 50 Stunden Material hatte und sich von vielen Szenen trennen musste. »Das ist das Schlimmste am Schneiden«, sagte er. Der Film wird am 12. und 22. Januar um 20 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses der Öffentlichkeit gezeigt.

Der Georgiverein habe über Generationen hinweg einen großen Beitrag zur Stadt- und Regionalkultur geleistet, erklärte Oberbürgermeister Christian Kegel. Im Zeitalter der Globalisierung und des raschen gesellschaftlichen Wandels, von Beschleunigung und Enttraditionalisierung seien Schutz und Pflege unserer kulturellen Wurzeln unverzichtbar. Es sei keinesfalls mehr selbstverständlich, dass unser über Generationen angesammeltes Wissen, unsere Sprache, unsere Dialekte, die Vielfalt traditioneller Musik- und Handwerkskunst in ihrem Fortbestand gesichert seien. »Dem Georgiverein haben wir es zu verdanken, dass ein wichtiger, einstmals schon sehr gefährdeter Brauch, die Pferdewallfahrt zum Ettendorfer Kircherl, ebenso wieder aufgeblüht ist, wie die Jahrhunderte alte Tradition des Schwertertanzes«, so Kegel. Sie seien mehr als eine touristische Attraktion. Sie seien Zeichen eines vitalen kulturellen Selbstverständnisses und Erbes.

Flüchtlingskrise und Integration

Der Stadtpfarrer, Dekan Georg Lindl, sprach von einer langen Geschichte, über die der Verein aber nicht alt geworden sei. Über die Flüchtlingskrise kam er auf deren Integration. Wir dürften diese Menschen nicht nur in unsere Konsum- und Spaßgesellschaft integrieren, sondern sie müssten sich auch über unsere geistigen Wurzeln im Klaren werden. »Die Chance der Flüchtlingskrise ist die Frage an uns: Wofür stehe ich?«, so der Stadtpfarrer. Die Menschen müssten ihr Gesicht zeigen und für das auf  die  Straße   gehen,   was für sie wichtig sei. Sie müssten auf  die  Straße  gehen   und zeigen, dass Europa für bestimmte geistige Wurzeln stehe. »Der Georgiritt steht dafür, was uns wichtig ist: Religion, aber auch Freude am Leben«, so Lindl. Bjr