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»Unsere Hilfe zur Selbsthilfe fruchtet«

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Dorothee Springer mit einem noch namenslosen Mädchen in der Kinderintensivstation im Krankenhaus von Eritreas Hauptstadt Asmara.

Traunstein – »Jeder Einsatz in Eritrea lohnt sich sehr, weil wir sehen können, wie unsere Hilfe zur Selbsthilfe fruchtet«, sagt Dorothee Springer. Bereits zum zweiten Mal war die Fachkinderkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie in dem zu den ärmsten Ländern der Welt zählenden, afrikanischen Staat. Dort engagiert sie sich mit dem Verein »Archemed – Ärzte für Kinder in Not« gegen die hohe Säuglingssterblichkeit. Unterstützung für diese herausfordernden, ehrenamtlichen Einsätze erfährt die junge Frau von Familie und Freunden sowie ihren Kolleginnen und Kollegen in der Kinderklinik im Klinikum Traunstein.


»Es ist wirklich toll, wie ich Zuspruch und auch praktische und finanzielle Hilfe für die Neugeborenen-Intensivstation in dem Krankenhaus von Eritreas Hauptstadt Asmara bekomme«, freut sich Dorothee Springer. Es sprudelt nur so aus ihr heraus, wenn sie von ihren Einsätzen in Afrika erzählt.

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Entscheidung nie bereut

Als ein im Verein »Archemed – Ärzte für Kinder in Not« engagierter Oberarzt in Gelsenkirchen die Kinderkrankenschwester mit der zusätzlichen Fachausbildung für Intensivpflege und Anästhesie fragte, ob sie sich eine Mitarbeit in Eritrea vorstellen könne, habe sie nicht lange überlegen müssen, sondern spontan zugesagt, erzählt die junge Frau aus Nordrhein-Westfalen. Sie hat ihre Entscheidung nicht bereut und ihr Ehrenamt der besonderen Art vor rund einem Jahr mit nach Traunstein genommen. Die offen und herzlich wirkende 28-Jährige fühlt sich hier angekommen und angenommen. Aber wenn sie Koffer für Afrika packt, hält sie sich an einen Grundsatz: »Wenn ich hier losfahre, versuche ich, unsere Welt hier auszublenden.«

Nach wie vor hohe Sterblichkeit

Denn: »Wenn man sich bewusst macht, dass nichts in Eritrea mit dem vergleichbar ist, was wir als Europäer kennen, dann kann man es akzeptieren«, erklärt Dorothee Springer. Wenn sie einmal im Jahr zwei Wochen ihres Urlaubs dafür nutzt, mit einem »Archemed«-Team aus Ärzten, Kolleginnen und Medizintechnikern nach Eritrea zu fliegen, ist auch der Austausch untereinander eine gute Möglichkeit zur Verarbeitung des dort Erlebten. Denn trotz intensiven Engagements der Hilfsorganisation an der von ihr aufgebauten Kinderintensivstation für Früh- und Neugeborene sterben dort noch immer mehr Kinder als dies in einem europäischen Krankenhaus je der Fall sein könnte.

Dies liegt an vielerlei Faktoren, angefangen von der Mangelernährung schon der Mütter bis hin zu fehlenden Mitteln wie etwa dem zur künstlichen Beatmung. Hinzu kommen häufige Stromausfälle oder auch fehlende Kenntnisse, zum Beispiel beim Lesen von Ultraschallbildern. Während dieses Wissen die deutschen Ärzte ihren Kollegen vor Ort näherbringen, schulen Dorothee Springer und die anderen Krankenschwestern die zwei eritreischen Fachkräfte und ihre Helferinnen im Rahmen des »Bed-Side-Teachings« – also direkt am Patienten im Bett – in Sachen Pflege und Hygiene.

»Ihre Ausbildung kann man nicht mit unserer vergleichen und es fehlen ihnen viele der für ihre Arbeit zur Versorgung von bis zu 30 Frühgeborenen oder krank Neugeborenen nötigen Mittel«, so Springer. Aber mit viel Einsatz und Fantasie fürs Improvisieren würden die Frauen eine tolle Arbeit leisten. Sie nehmen alles, was ihnen die deutschen Kolleginnen beibringen, schnell und mit Freude am Lernen auf, so Springers Erfahrung. Sie ist beeindruckt von der Einsatzbereitschaft der afrikanischen Krankenschwestern. Diese lassen sich von den widrigen Umständen bei ihrer Arbeit für und an den Kleinsten nicht unterkriegen.

»Wir können schon in den zwei Wochen sehen, wie gerne die Krankenschwestern unsere Verbesserungsvorschläge in der praktischen Arbeit umsetzen«, sagt Springer. »Und mir selbst bringt die Arbeit dort auch etwas, weil auch ich von den Krankenschwestern in Eritrea lernen kann, zum Beispiel, dass man mit wenig Mitteln und Improvisation viel machen kann.«

Es ist noch ein weiter Weg

Zum Ende ihres Aufenthaltes bekommt jede der Eritreerinnen von den Deutschen zur Belohnung für ihre Arbeit eine Motivationstasche mit Schminkutensilien, Seife und Süßigkeiten geschenkt. Die Freude sei groß, so Springer. Denn eine Krankenschwester verdiene in Eritrea umgerechnet nur etwas mehr als 50 Euro, eine Orange oder ein Wasser koste auf dem Markt aber schon zwischen 80 Cent und 1,25 Euro. Unbezahlbar sind für das bettelarme Land zum Beispiel die dringend benötigten, neuen Monitore zur Überwachung der Frühgeburten. Hier kommen dann unter anderem die von Dorothee Springer und ihren »Archemed«-Mitstreitern gesammelten Geldspenden zum Einsatz. »Meine Station in der Traunsteiner Kinderklinik hat Unmengen an Sauerstoffsättigungssensoren gesammelt, die dort wieder gut weitergebraucht werden können«, ist Dorothee Springer für diese Hilfe dankbar. »Die Station in Eritrea kommt immer weiter voran, aber es ist trotzdem noch ein weiter Weg«, sagt sie. Und freut sich jetzt schon auf den Einsatz im nächsten Jahr. ber

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