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Unsere Erde ist vermutlich schon 4,6 Milliarden Jahre alt

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Schleching. Die Tradition der Kernphysiker, während ihres inzwischen 45. einwöchigen Arbeitstreffens in Schleching mit einem »Vortrag für jedermann« Einblicke in ihre komplizierte Arbeit geben, übernahm heuer Professor Fritz Bosch aus Darmstadt. Er sprach im Gasthof zur Post über das Thema »Wie alt ist die Welt?« im Gedenken an den Geburtstag von Galileo Galilei vor 450 Jahren.


Der Vortrag wurde mit beeindruckenden Fotos vom »Hubble Space Telescope« begleitet. Mit seinem Grundgesetz der Physik, dass »das Universum in der Sprache der Mathematik geschrieben ist«, habe Galileo Galilei (1564 bis 1642) Auftrag und Vermächtnis an die Physiker der nachfolgenden Generationen gegeben. Er geriet mit seinen astronomischen Entdeckungen, unter anderem über die Monde des Jupiter und die Phasen der Venus, die um die Sonne kreist, in die Fänge der Inquisition.

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Ob das Zitat »Und sie (die Erde) bewegt sich doch« wirklich von ihm stammt, ist nicht bewiesen. Erst 1992 rehabilitierte ihn die römisch-katholische Kirche. »Die Wissenschaft lässt der Religion alle Freiheit, was aber naturwissenschaftlich gefunden wurde, muss man akzeptieren,« wies Fritz Bosch auf die verschiedenen Ansichten zur Schöpfungsgeschichte der Religionen hin.

Fünf Königswege hätten die Naturwissenschaftler zum Alter der Erde von 4,6 Milliarden Jahren (plus/minus 50 Millionen Jahre) geführt: »Staunen, beobachten, nachdenken, Instrumente bauen und Fragen stellen«. Die Entfernung der Sterne zu entdecken und zu messen, waren Schritte hin zum heutigen Wissen. Instrumentenbauer wie Ole Roemer (1644 bis 1710) mit seinem Teleskop und Chronometer ermöglichten wichtige Berechnungen der Lichtgeschwindigkeit. Bedeutende Forscher wie Johannes Kepler und Isaac Newton, Carl Friedrich Gauß bis zu Heinrich Hertz trugen zur Entwicklung bei.

Ende des 19. Jahrhunderts habe große Ratlosigkeit geherrscht, weil man berechnete, dass die Sonne mit Hilfe der damals bekannten chemischen Reaktionen nur einige 10 000 Jahre scheinen kann, während Beobachtungen zu Sedimenten, zur Verschiebung der Erdplatten, oder zur Bildung von Flusstälern wie dem Grand Canyon auf eine Erdgeschichte von vielen Hundert Millionen Jahren hindeuteten. Erst die Erkenntnisse der Physiker (zum Beispiel Albert Einstein) führten auf den richtigen Weg. Inzwischen sei bekannt, dass die Fusion von Atomkernen die Energiequelle aller Sonnen ist und Sterne »ewig lang« leben. Radioaktive »Uhren« nach dem Prinzip der Sanduhr ermöglichten Messungen des Alters unseres Sonnensystems mit Hilfe von Erd- und Mondgestein sowie Meteoriten.

Seit 1769 führten Beobachtungen – auch mit Hilfe der Parallaxen von weit entfernten Punkten aus – zur Messung immer größerer Entfernungen von Sternen und zu dem Ergebnis, dass sich das Universum ausdehnt und einen »Anfang« vor etwa 14 Milliarden Jahren hatte. Die gesamte Lebensdauer unserer Sonne werde heute mit zehn Milliarden Jahren angenommen, und sie werde noch etwa 5 Milliarden Jahre in ihrem jetzigen stabilen Zustand weiter brennen. Solange werde unser Leben auf der Erde also im Prinzip noch möglich sein. Danach aber werde sich die Sonne zu einem »Roten Riesen« aufblähen und alles Leben auf der Erde auslöschen.

Als Verbindung zur Kirche schloss Bosch mit dem Bild Michelangelos von Gottvater aus der Sixtinischen Kapelle und dem Vers aus Psalm 90 »….denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist«. bre