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»Unsere Art zu leben ist nicht zukunftsfähig«

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Hielt beim Wirtschaftsempfang in Traunstein ein klares Plädoyer für ein Umdenken in Wirtschaft und Gesellschaft: Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Mitglied der Ethikkommission der Bundesregierung. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. Eine bessere Vernetzung der regionalen Traunsteiner Wirtschaft ist das primäre Ziel des Wirtschaftsempfangs der Stadt Traunstein, der am Dienstagabend im Großen Saal des Rathauses ausgerichtet wurde. Spitzen der Wirtschaftsverbände, Unternehmer, Vertreter der Banken und der Verwaltung waren zu dem Empfang gekommen, zu dem man als Referenten den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, gewinnen konnte. Er sprach zu den Themen »Ethik in unserer Gesellschaft« und »Energiewende«.


Oberbürgermeister Manfred Kösterke betonte die hohe Zahl an Unternehmen, die sich jährlich in der Stadt Traunstein ansiedeln würden. Derzeit gebe es rund 300 Firmen. Im Rahmen des Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP) wurde die Stadt Traunstein mit Wirkung zum 1. September letzten Jahres zum Oberzentrum hochgestuft, was die Bedeutung der Stadt im südostbayerischen Raum nochmals deutlich gestärkt habe. Im Regierungsbezirk Oberbayern stehe man auf einer Stufe mit Freising, Garmisch-Partenkirchen, Ingolstadt und Rosenheim.

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Einzelhandel im Aufwind

Die führende wirtschaftliche Rolle Traunsteins unterstrich das Stadtoberhaupt durch einige Zahlen: So ist die einzelhandelsrelevante Kaufkraft der Bevölkerung in Traunstein im vergangenen Jahr auf 125,78 Millionen Euro gestiegen, der Einzelhandelsumsatz auf 329,1 Millionen Euro. Man biete für Handel und Gewerbe hervorragende Voraussetzungen, mit mehr als 14 000 Arbeitsplätzen sei man die »arbeitsplatzstärkste« Stadt im ganzen Landkreis. Die Stadt selbst habe zu einem guten Wirtschaftsklima auch als Investor beigetragen. Rund 62 Millionen Euro hat die Stadt in den vergangenen Jahren investiert, die nicht nur den Bürgern, sondern auch der heimischen Wirtschaft zugute gekommen seien und Folgeinvestitionen ausgelöst hätten, wie der Oberbürgermeister ausführte.

Alois Glück, unter anderem Mitglied der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung der Bundesregierung, benannte in seiner Rede vier prägende Entwicklungen der heutigen Zeit: Die demographische Entwicklung, die zu einer Überlastung der mittleren Generation führe, die Digitalisierung, die sämtliche Lebensbereiche durchdringe – »Wir sind dramatisch auf dem Weg zum gläsernen Bürger« – eine rasante Internationalisierung sowie die Sorge um ein nicht ausreichendes wirtschaftliches Wachstum. Man befinde sich weltweit in einer Schicksalsgemeinschaft, gerade auch die Klimaprobleme seien nicht lokal lösbar, sondern erforderten weltweites Handeln.

Viele Menschen würden in der heutigen Zeit spüren, »so geht es nicht weiter«, sagte Glück und fügte hinzu: »Unsere heutige Art zu leben ist nichts zukunftsfähig.« Aus dieser Sicht heraus suchten Menschen nach Werten und Orientierung.

Glück brach eine Lanze für das ehrenamtliche Engagement in verschiedenen Bereichen des Traunsteiner Stadtlebens, beziehungsweise in der Gesellschaft im Allgemeinen, das ganz wesentlich für ein funktionierendes Gemeinwesen sei.

Angst vor Kernenergie reicht nicht aus

Er machte deutlich, dass es bei der Energiewende nicht nur um den Abschied von der Kernenergie gehe. Die Angst vor der Kernenergie würde auf Dauer als Begründung nicht ausreichen. Vor dem Hintergrund der Katastrophe von Fukushima sagte er: »Die Bilder werden schwächer, der Ärger vor Ort wird stärker.« Ein Gelingen der Wende in Deutschland könne andererseits ein »Hoffnungszeichen für die Welt« werden.

Oberbürgermeister Kösterke wies zum Abschluss des gut eineinhalbstündigen offiziellen Teils des Wirtschaftsempfangs darauf hin, dass die soziale Marktwirtschaft das ideale Leitbild für die regionale Wirtschaft und darüber hinaus für Gesamtdeutschland sei. »Wir brauchen uns alle, und zwar gegenseitig.«

Die anwesenden Firmenvertreter nutzten die Zeit nach dem Vortrag, um das zu tun, was der Oberbürgermeister als eines der Ziele der Veranstaltung ausgegeben hatte: Miteinander ins Gespräch zu kommen, sich kennen zu lernen und die Voraussetzungen zu schaffen, für eine mögliche Zusammenarbeit.

Weitere Bilder vom Wirtschaftsempfang sind unter www.traunsteiner-tagblatt.de zu sehen. awi