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»Unser Ziel ist mehr sichtbare Polizei auf der Straße«

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Der Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp, informierte die Bevölkerung über die Umstrukturierung der Polizeidienststelle Ruhpolding. (Foto: Burghartswieser)

Ruhpolding – Am 1. März dieses Jahres ist es soweit, dann wird die Polizeiinspektion Ruhpolding zu einer Polizeistation herabgestuft. Damit beginnt auch der einjährige Probebetrieb des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd für die organisatorischen Veränderungen, von denen auch der südöstliche Landkreis betroffen ist. Über die Auswirkungen nahm der Präsident des Polizeipräsidiums, Robert Kopp, im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Hotel zur Post Stellung.


»Die Öffentlichkeit soll aus erster Hand informiert werden«, sagte Bürgermeister Claus Pichler bei der Begrüßung der hochrangigen Polizeibeamten zur »Sicherheitskonferenz südlicher Landkreis«. In Gesprächen mit dem Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann sei in Bezug auf die Umstrukturierung interveniert worden, dieser habe aber letztlich entschieden, dass aus der Polizeiinspektion eine Polizeistation werden soll, sagte Pichler, ehe er das Wort an den Polizeipräsidenten übergab.

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»Wir brauchen eine zukunftsfähige Polizei«

Mit der Veranstaltung wolle man Transparenz für die Umstrukturierungsmaßnahmen erreichen, sagte Robert Kopp. »Wir brauchen eine zukunftsfähige Polizei und größere Polizeidienststellen sind effektiver«, betonte er. Die Sicherheitslage habe sich weiter verändert und darauf müsse man reagieren. Darum könne er die »Todschlagargumente«, dass sich die Polizei aus der Region zurückziehen wolle, nicht verstehen. »Das Gegenteil ist der Fall«, sagte Robert Kopp und ging detailliert auf die Maßnahmen ein. Demnach übernimmt die Polizeiinspektion Traunstein Teile der personalintensiven Verwaltungsaufgaben der Dienststelle Ruhpolding und die Polizeistation Reit im Winkl wird – sie gehörte bislang zu Ruhpolding – wird an die Polizeiinspektion Grassau angegliedert, bleibt aber wie bisher im Ort bestehen. Eines der angestrebten Ziele sei die Freisetzung von Ressourcen zur Bewältigung originärer Polizeiaufgaben. »Unser Ziel ist mehr sichtbare Polizei auf der Straße«, so der Präsident. Die Umwandlung der Polizeiinspektion Ruhpolding und die damit verbundenen, organisatorischen Veränderungen würden einen flexibleren Einsatz der Polizeibeamten ermöglichen.

»Vor-Ort-Erreichbarkeit« von 6.30 Uhr bis 16.30 Uhr

Durch die Herabstufung der Ruhpoldinger Dienststelle werde kein Personal aus der Region abgezogen, es werde aber ein effektiverer Einsatz der Beamten im Raum Traustein und Ruhpolding möglich. »Arbeitsintensive Verwaltungstätigkeiten werden bei der Polizei in Ruhpolding entfallen.«

Die Erreichbarkeit der Polizeistation, zuständig für Ruhpolding und Inzell, werde dienstbetrieblich angepasst. Für den nun beginnenden Probebetrieb ist zunächst eine »Vor-Ort-Erreichbarkeit« von 6.30 Uhr bis 16.30 Uhr, freitags bis einschließlich sonntags von 8 Uhr bis 18 Uhr vorgesehen. Bereits 2015 sei die Polizeiinspektion an 316 Tagen temporär nicht besetzt gewesen, so Kopp. Außerhalb dieser angesprochenen Zeiten sollen sowohl die Außensprechanlage, wie auch die telefonische Erreichbarkeit nach Traunstein umgeleitet werden. Neun Beamte werden in der Endphase der Umstrukturierung Dienst in Ruhpolding leisten. Die Leitung der Polizeidienststelle übernimmt der 48-jährige Polizeihauptkommissar Thomas Huber, ein erfahrener Beamter aus Weißbach. Huber war bereits seit 2005 als Dienstgruppenleiter tätig und ist mit den örtlichen Gegebenheiten bestens vertraut.

Dazu nahm auch der Leiter der Polizeiinspektion Traunstein, Polizeioberrat Rainer Wolf Stellung. »Für die Bevölkerung im Raum Ruhpolding und Inzell wird sich im Prinzip nichts ändern«, ließ er verlauten. Außerhalb der dienstbetrieblich angepassten Öffnungszeiten der Dienststelle in Ruhpolding wolle man von Traunstein aus eine Streife für diesen Bereich vorhalten. Bei größeren Einsatzlagen sollen die Kräfte aus der gesamten Region zusammengezogen werden. »Dies war bereits schon so und wird sich zukünftig auch nicht ändern«, so Wolf. Abschließend bat Polizeipräsident Kopp um Vertrauen und darum, der Umstrukturierung eine Chance zu geben und sagte: »Wir sind sehr zuversichtlich, dass durch den Probebetrieb ein flexiblerer und effektiverer Einsatz der Polizei sowohl im täglichen Dienstbetrieb als auch bei besonderen Einsatzanlässen erzielt werden kann.«

Bei der anschließenden Fragerunde wurden einige Themen angesprochen. Anderl Hofmann sah es skeptisch, »dass die bisher Super-Zusammenarbeit mit der Polizei« nicht mehr wie bisher klappen könnte. »Ich hoffe, Sie werden beweisen, dass es besser wird«, sagte er.

Leo Huber wollte wissen, wie lange es künftig bei einem Notruf unter der Nummer 110 dauern würde, bis die Polizei vor Ort sei. Hier gab der Polizeipräsident zu bedenken, dass die Einsatzleitung in Rosenheim zu entscheiden habe, welcher Einsatz akut wichtiger sei. Somit könne er detailliert keine Zeitvorgabe machen. Sepp Reiter fragte nach, ob sich »damals schon in gewissen Kreisen rumgesprochen hat, dass die Polizeiinspektion an 316 Tagen nicht besetzt war«. Er habe das Gefühl, dass die Einbruchsdelikte zugenommen hätten. Dem erwiderte Kopp, dass es sicher Einbruchsdelikte gab und gibt, aber man müsse angesichts der Statistik die Kirche schon im Dorf lassen. »Es ist schlimm, wenn jemand betroffen ist, aber die Zahl ist geringer als angenommen«, betonte er.

Ganz zum Schluss ergriff der Rathauschef noch einmal das Wort. Er hob das »gute Miteinander« mit der Polizei hervor. »Das Verhältnis war bisher sehr harmonisch und soll auch in Zukunft so bleiben, ganz egal, woher die Polizeibeamten dann kommen.« hab