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55 Millionen Euro wurden in das Geothermieprojekt in Traunreut investiert – Ab 2016 soll Strom produziert werden

»Unser Schatz ist das heiße Wasser«

Traunreut. Mit dem Start der Fernwärmelieferung der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut (GKT) an die Stadt Traunreut ist der erste Teil des Geothermieprojektes am Stadtrand von Traunreut abgeschlossen (wir berichteten). Die Grünwald Equity GmbH hat bis jetzt 55 Millionen Euro in das Projekt investiert. In den Bau eines Kraftwerkes zur Stromerzeugung sollen weitere 25 Millionen Euro investiert werden.

Der stellvertretende Betriebsleiter der Traunreuter Fernwärme Stefan Anawenter (links) und sein Kollege Jens Nothaft stehen vor dem Vor- und Rücklauf in der Netzpumpenstation des Fernwärmegebäudes, das sich die GKT und die Stadtwerke Traunreut teilen. (Foto: Rasch)

Nach Angaben des geschäftsführenden Gesellschafters der Firma, Raimund König, werde im Mai ein weiterer Zirkulationstest stattfinden. In der zweiten Jahreshälfte soll dann der Bau eines Kraftwerks beginnen, um mit dem heißen Wasser bzw. Dampf auch Strom zu produzieren. Anfang 2016 soll das Projekt als Gesamtanlage in Betrieb genommen werden.

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Die ersten Gespräche, das Projekt in Traunreut zu starten, liegen rund sieben Jahre zurück. Trotz Anfangsschwierigkeiten sei es gelungen, die Anlage zu errichten. In Traunreut habe man exemplarisch demonstriert, wie das Zusammenwirken zwischen den Trägern öffentlicher Belange einerseits und privaten Unternehmen andererseits funktionieren sollte und könne, lobte König. Traunreut stehe erstmals eine unerschöpfliche, grundlastfähige Energiequelle zur Verfügung. Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien benötige man einen geringen oberirdischen Flächenbedarf und langfristig gesehen sei eine Geothermieanlage auch volkswirtschaftlich gesehen eine sinnvolle Investition.

Als schade bezeichnete es König, dass derzeit aufgrund der politischen Rahmenbedingungen kaum weitere Geothermieanlagen in Deutschland geplant werden könnten, zumindest nicht in privatwirtschaftlicher Trägerschaft. Als Unternehmer brauche man für ein derartiges Infrastrukturprojekt zwingend Planungs- und Investitionssicherheit.

Als Vertreter des Landkreises Traunstein stellte der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser (SPD) heraus, dass auch die seit längerem währende Diskussion um die Neuorientierung des EEG nicht gerade förderlich für weitere Investitionen in Geothermieprojekte in der Region sei. Am Beispiel der Traunreuter Anlage seien auch viele weitere Unwägbarkeiten, wie technische Anforderungen sowie das Fündigkeits- und Temperaturrisiko, eine große Herausforderung gewesen.

Durch die Zielstrebigkeit der Stadt Traunreut, das Fernwärmenetz auszubauen, stehe hier auch der richtige Versorgungspartner bereit. Die Stadtwerke haben rund 1,9 Millionen Euro in eine 1600 Meter lange Fernwärmeleitung investiert. Entlang der Trasse wurden 22 Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie vier Geschoßwohnungsbauten angeschlossen. Außerdem teilen sich die Stadtwerke mit der GKT das Fernwärmegebäude, in das über 430 000 Euro gesteckt wurden.

In dem Gebäudebereich der GKT sind die Wärmetauscher der Druckausgleichsbehälter und die Wasserfilter installiert. In der Netzpumpenstation der Stadtwerke befinden sich zwei Pumpen für den Winter- und Sommerbetrieb, vier Druckbehälter sowie eine Heizwassernachspeisung und die Prozessleittechnik.

Mit der Einspeisung geothermaler Wärme in das städtische Fernwärmenetz habe die Fernwärmeversorgung Traunreut neben dem Wärmebezug aus dem Heizkraftwerk auf dem Betriebsgelände der BSH nun ein zweites Standbein umweltfreundlicher Wärmelieferung erhalten, freute sich Bürgermeister Franz Parzinger. Geothermie sei unabhängig von externen politischen und wirtschaftlichen Einflüssen, und die Wärme aus der Erdkruste könne niemand stoppen, be- oder verhindern. In anderen Regionen gebe es Erdöl- und Gasfelder oder Goldminen, unser Schatz sei das heiße Wasser. »Man sollte diesen Schatz heben.« Mit dem aus rund 5000 Metern Tiefe geförderten heißen Wasser, können jetzt viele Traunreuter Haushalte mit Erdwärme versorgt werden.

Zur Fernwärmeauskoppelung sind derzeit bis zu sieben Megawatt thermische Leistung verfügbar. Die Heizanlage ist darüber hinaus für bis zu zwölf Megawatt Wärme ausgelegt. Eine in der Förderbohrung installierte Pumpe in etwa 500 Metern Tiefe drückt in der Sekunde 50 Liter 108 Grad heißes Wasser in die Wärmetauscher der GKT mit zweimal 6000 kW-Leistung. ga