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»Unser größter Feind ist die Varroa-Milbe«

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Verschiedene Ursachen hat das derzeit in der Öffentlichkeit viel diskutierte Bienensterben. Hauptgrund ist die Varroa-Milbe, aber auch die intensivierte Landwirtschaft und der Klimawandel setzen den heimischen Bienen zu.

»Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.« Dieses Zitat von Albert Einstein ist heute aktueller denn je, denn landauf, landab diskutiert man derzeit über das Bienensterben.


»Da muss der Imker immer dahinter sein«

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»Das Bienensterben hat meistens mehrere Ursachen, aber unser größter Feind ist die Varroa-Milbe«, erklärt dazu die Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Nußdorf-Traunwalchen, Luise Mitterreiter. »Da muss der Imker einfach immer dahinter sein, Ende Juli den Honig rausnehmen und das Volk sofort mit Ameisensäure behandeln«, erklärt die Gesundheitswartin im Bienenzucht-Kreisverband Traunstein. Manche Imker warteten damit zu lange, »dann hat die Winterbiene keine Chance«.

Die Milbe wurde in den 80er Jahren aus Asien eingeschleppt und traf hier auf völlig unvorbereitete Bienen. Und während die Bienen früher generell wesentlich robuster waren als heutzutage, haben sie inzwischen mit wesentlich mehr schädigenden Einflüssen zu kämpfen als etwa noch vor 35 Jahren.

»Heute sind die Landwirte gezwungen, oft zu mähen«

»Als ich noch ein Kind war, da wurden halt die Wiesen auch erst Mitte Juni gemäht, da hat man halt eingegrast oder Heu gemacht. Silo gab es da noch nicht«, erinnert sich Luise Mitterreiter. Auch fehlten heute viele Pflanzen völlig, wie etwa Kornblumen in Getreidefeldern. »Das war früher alles wesentlich vielfältiger. Da haben halt auch die Kühe nicht so viel Milch gegeben wie heute. Bei den heutigen Milchpreisen sind die Landwirte ja praktisch dazu gezwungen, bis zu fünfmal im Jahr zu mähen, damit's noch irgendwie umgeht.«

Auch die heute im Vergleich zu früher riesigen Maschinen machten einen Unterschied für die Bienen. »Wir haben darüber mal am Stammtisch gesprochen, die Maschinen sind heute so schnell und so groß, dass selbst die Bienen nicht rechtzeitig wegkommen, wenn gemäht wird. Das löscht zwar kein ganzes Bienenvolk aus, bedeutet aber unter Umständen trotzdem schwerwiegende Verluste.«

Ein weiteres Problem ist der Klimawandel. Besonders ein langer Winter, der erst recht spät wirklich Kälte bringt, sei problematisch. »Wenn es zwischendurch immer wieder mal warm ist, fangen die Bienen zu früh an zu brüten. Dazu brauchen sie aber 35 Grad im Stock. Die Bienen bleiben auf der Brut sitzen, um sie zu wärmen und verlieren den Anschluss an das lebensnotwendige Futter. Der Imker muss reagieren und eine Futterwabe an das Brutnest hängen.«

»Da brauchst nur noch Schlafanzug und Stallg'wand«

Mit dem Bienensterben einher geht nach Angaben Mitterreiters auch das Verschwinden anderer Arten: »Ich seh auch nur noch ganz wenig Schmetterlinge.« Generell trage dazu bei, dass die Landwirtschaft von der Politik in die Sackgasse gefahren werde. »Immer mehr, immer größer, der Bauer hat's ja auch nicht mehr schön. Ich kenne Landwirte, die ernsthaft überlegen, ob sie wirklich vergrößern sollen, dann brauchst ja nur noch den Schlafanzug und das Stallg'wand.« Von daher verstehe sie schon, dass es auch für den Landwirt schwer sei zu sagen, »das lassen wir jetzt stehen für die Bienen, das mähen wir nicht.«

Doch gehört Luise Mitterreiter zu den Menschen, die nicht Schuldige, sondern Lösungen suchen. »Ich bin froh, dass die EU ab dem nächsten Jahr den Einsatz der Neonicotinoide verbietet, das sind Nervengifte, die den Bienen stark zugesetzt haben«, sagt sie (siehe Kasten). »Die Neonicotinoide sind deshalb so gefährlich, weil sie bereits in winzigen Spuren fatale Folgen haben können. So können sich die Bienen beispielsweise nicht mehr orientieren.«

Ein großer Wunsch wären mehr Bienenweiden

Dürfte sie sich etwas wünschen, so würde sie sich mehr Bienenweiden wünschen, wie sie etwa der Förderverein Sondermoning für den Imkerverein Nußdorf-Traunwalchen angelegt hatte. Denn Bienen brauchen eine abwechslungsreiche und vielfältige Pollenversorgung, keine monotone Kost, wie bei Monokulturen üblich. »Deshalb ist es wichtig, dass das ganze Jahr über etwas blüht.«

Die Nutzung von Biogasanlagen betrachtet sie als Schritt in die falsche Richtung: »Nahrungsmittel zur Energiegewinnung herzunehmen, finde ich nicht richtig.« Aber wenn schon Biogas, dann würde sie sich Blühpflanzenmischungen anstatt der mancherorts üblichen Mais-Monokulturen wünschen. So hätten etwa Versuche gezeigt, dass Blühpflanzenmischungen durchaus mit Silomais vergleichbare Biomasseerträge erzeugen könnten. Insofern sei das Projekt in Teisendorf mit der Anpflanzung der durchwachsenen Silphie (wir berichteten) ein positives Beispiel.

Gemeinsam mit Landwirten an einem Strang ziehen

Während die Zusammenarbeit mit den Gartenbauvereinen schon sehr gut sei, sei das Bewusstsein noch nicht so verbreitet, dass auch die Landwirte einen Nutzen von genug starken Bienenvölkern haben. Hier den Dialog zu intensivieren, um im Interesse aller an einem Strang zu ziehen, wäre ein weiterer Wunsch Luise Mitterreiters. coho