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Unruhe in der Gemeinde Unterwössen

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Unterwössen. Ihrem Ärger freien Lauf ließen Bürgermeister Hans Haslreiter und sein Stellvertreter Barthl Irlinger zum Thema »Unterbringung von 49 Asylbewerbern in Oberwössen« (wir berichteten). Ihre Empörung in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates am Montag richtete sich jedoch ausdrücklich nicht gegen die Asylanten, sondern gegen die mangelnde rechtzeitige Information durch das Landratsamt.


Eine »Zumutung« nannte es Haslreiter, dass die Gemeinde nicht über die geplante Unterbringung im Gasthof zur Post in Kenntnis gesetzt worden war. Er selbst habe erst vier Tage vor der vorgesehenen Ankunft der Asylbewerber über Umwege von dem Vorhaben erfahren. »Das Landratsamt hat an der Gemeinde vorbei entsprechende Verträge mit dem neuen Eigentümer des Gasthofs, Florian Aschauer, geschlossen«, empörte sich der Rathauschef.

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Dass auch unter den Oberwössener Bürgern Unruhe und Unsicherheit herrschen, zeigte ihre ungewöhnlich große Präsenz bei der Sitzung. Niemand wisse, woher die 49 Asylbewerber kommen, ob es sich um Familien, Jugendliche oder Senioren handelt und wie sie zu betreuen sind. Eine offizielle Betreuungsstelle sei für sie nicht eingerichtet, sagte Haslreiter.

Noch härter ins Gericht mit dem Landratsamt ging Zweiter Bürgermeister Barthl Irlinger. Er warf dem Amt Vertrauensbruch vor. »Außerdem ist es nicht zu fassen, dass sich das Landratsamt auf einen Abstieg in die Niederungen von Gewinnspekulationen eingelassen hat«, sagte Irlinger und spielte damit auf die offensichtlichen Intentionen des Gasthof-Eigners an.

Während die meisten Gemeinderäte ebenfalls Unverständnis über die Informationspolitik des Landratsamtes signalisierten, vertrat Sandra Sonntag (FDP) eine entgegengesetzte Meinung. Sie warf der Rathausführung vor, die seit Wochen kursierenden Gerüchte über die baldige Unterbringung von Asylbewerbern schlichtweg verschlafen zu haben. »Wäre man den Gerüchten nachgegangen, hätte man mit dem Landratsamt sicherlich einvernehmliche Lösungen gefunden und entsprechende Vorbereitungen treffen können«, so die designierte Bürgermeisterkandidatin für Unterwössen.

Bürgermeister Haslreiter wies diese Vorwürfe auf das Schärfste zurück. Rückendeckung bekam er von Geschäftsleiter Thomas Müllinger, der ebenfalls nichts von der bevorstehenden Unterbringung wusste: »Laut Auskunft des Landratsamtes Traunstein wird keine Gemeinde vor Ankunft der Asylbewerber informiert.«

Schließlich riet Dr. Dieter Stein dazu, den Blick nach vorne zu richten. Ebenso wie Bürgermeister Haslreiter appellierte er an die Mitbürger, die Asylbewerber zu integrieren und ihnen unvoreingenommen gegenüberzutreten. bvd