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Ungarische Fahrraddiebe zeigten Reue

Grabenstätt. Auf in Garagen, Holzschuppen und Gärten abgestellte Fahrräder hatten es zwei 26 und 21 Jahre alte Ungarn abgesehen. Sie stahlen diese und verkauften sie via Internet. Festgenommen wurden die Ungarn kurz nach dem letzten Diebeszug an der österreichisch-ungarischen Grenze. Erst saßen sie in Österreich in Untersuchungshaft, dann ab Anfang April in Bayern. Das Jugendschöffengericht Traunstein mit Jugendrichter Dr. Michael Weigl verurteilte den 26-Jährigen gestern zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe und den 21-Jährigen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr.

Zweimal reisten die Angeklagten im Januar und im März nach Bayern ein. Schon der erste Beutezug Ende Januar war erfolgreich – mit zwei Rädern in Bruckmühl im Gesamtwert von 1180 Euro. Bei der zweiten Tour Mitte März schlugen sie nachts in der Gemeinde Grabenstätt zu. Den beiden fielen in mehreren Straßenzügen zehn Fahrräder in die Hände. Ihr Wert war sehr unterschiedlich – von 150 Euro bis 2250 Euro pro Stück. Die Räder aus Grabenstätt wurden von der Polizei sichergestellt. Die restlichen zwei Räder, die derzeit noch in Ungarn sind, könnten ebenfalls ihren Eigentümern zurückgegeben werden.

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Die Angeklagten bezeichneten sich als Brüder – der Hintergrund: Der 21-Jährige wuchs als Pflegekind in der Familie des Älteren auf. Noch heute leben der arbeitslose Schreiner und der Hilfsarbeiter in ihrem Heimatland in direkter Nachbarschaft. Der 26-Jährige nahm gestern die Hauptschuld für die Straftaten auf sich. Dritte Personen oder irgendwelche Hintermänner seien nicht beteiligt gewesen. Sein Bruder hätte insgesamt nur 5000 Forint, umgerechnet nicht mal 20 Euro, für seine Hilfe bekommen sollen. Die Diebstähle seien allein seine Idee gewesen, so der 26-Jährige. Er habe die Räder ins Internet stellen und den Erlös kassieren wollen.

Staatsanwalt Christopher Lang beantragte für den 26-Jährigen zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe, für den 21-Jährigen eine Jugendstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung. Straferschwerend sei, dass die Täter für die Diebstähle extra in ein fremdes Land einreisten. Das »leicht verdiente Geld« aus dem Verkauf der Beute sei für ihren Mandanten eine »besondere Verlockung« gewesen, argumentierte die Verteidigerin des 26-Jährigen, Valeria Szabo aus Heilbronn. Die Anwältin forderte eineinhalb Jahre Strafe, im Gegensatz zum Staatsanwalt jedoch mit Bewährung. Die Sozialprognose sei positiv. Der Angeklagte komme aus geordneten Verhältnissen und werde wieder von seiner Großfamilie in Ungarn aufgenommen.

Der 21-Jährige habe nur als Gehilfe gewirkt, hob Verteidiger Dr. Stefan Gilch aus Traunstein hervor. Wie der Bruder sei auch sein Mandant nicht vorbestraft. Eine Jugendstrafe mit Bewährung sei angemessen, schloss der Anwalt sein Plädoyer. Die Angeklagten beteuerten ihre Reue. So etwas werde nicht wieder vorkommen, sagten sie.

Das Jugendschöffengericht sprach die Angeklagten wegen zehn Einzeltaten schuldig – den 26-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in besonders schwerem Fall, den 21-Jährigen wegen einfachen Diebstahls. Der Jüngere sei – menschlich gesehen – nur »Mitläufer« gewesen. Das Gericht wisse nicht, ob der Ältere den Bruder lediglich geschont habe.

Die Geständnisse hielt das Gericht beiden Angeklagten zugute. Aus generalpräventiven Gründen müsse »der Kehrseite der offenen osteuropäischen Grenzen« mit empfindlichen Strafen begegnet werden. Bewährung könne es für derartige Straftaten nicht mehr geben, betonte der Richter. kd