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Ungarische Fahrraddiebe: Urteil abgemildert

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Traunstein. In Garagen, Holzschuppen und Gärten abgestellte Fahrräder sind nicht sicher gewesen vor zwei 26 und 21 Jahre alten Ungarn; die Drahtesel wollten sie anschließend im Internet verkaufen. Zu zwei Diebeszügen in Bruckmühl und Grabenstätt reiste das Duo im Januar und März nach Bayern ein. Das Jugendschöffengericht Traunstein verurteilte den 26-Jährigen Mitte Juli zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe, den 21-Jährigen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr, jeweils ohne Bewährung.


Dagegen legten die Angeklagten wie auch Staatsanwalt Christopher Lang Berufung ein. Während der Ankläger erneut Haftstrafen forderte, milderte die Jugendkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann die Strafhöhen um vier beziehungsweise drei Monate ab und gab beiden Angeklagten Bewährung. Eine Auflage war: Die Ungarn müssen zwei Fahrräder, die sich noch in Ungarn befinden, nach Deutschland schaffen.

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Beim ersten Beutezug Ende Januar waren den Dieben eben diese zwei Räder in Bruckmühl im Landkreis Rosenheim im Gesamtwert von 1180 Euro in die Hände gefallen. Bei der zweiten Tour Mitte März schlugen sie nachts in der Gemeinde Grabenstätt zu. In mehreren Straßenzügen bedienten sie sich: mit insgesamt zehn Fahrrädern von sehr unterschiedlichem Wert – von 150 Euro bis 2250 Euro pro Stück.

Die Diebestour fand kurz danach ein schnelles Ende. Die Ungarn wurden auf der Heimfahrt an der österreichisch-ungarischen Grenze festgenommen, saßen zunächst in Österreich in Untersuchungshaft, ehe sie im April in bayerische Gefängnisse wanderten. Die Fahrräder aus Grabenstätt konnte die Polizei komplett sicherstellen. Mit den restlichen zwei Bikes können die Eigentümer dank der Bewährungsauflage wohl auch wieder rechnen.

Die aus einer Großfamilie stammenden Angeklagten sind »Brüder«. Vor der Jugendkammer gaben die Ungarn an, der 21-Jährige sei ein Drillingskind, das Jahre im Heim lebte und von der Familie später »adoptiert« wurde. Der 21-Jährige habe dem »großen Bruder« bei den Diebstählen geholfen.

Für das Mitmachen bei den Diebstählen hätte der Jüngere nur um die 18 Euro bekommen sollen. Der zur Tatzeit Heranwachsende hatte sich bis dahin nichts zuschulden kommen lassen, war in Ungarn und Deutschland nicht vorbestraft. Zudem hatte er Aussicht auf Arbeit. Insgesamt war der 21-Jährige »ein ordentlicher junger Mann«, so der Vorsitzende Richter im Urteil. Mittlerweile sei die vom Erstgericht verhängte Strafe bereits zu zwei Dritteln verbüßt.

Bei dem Älteren wies das Vorstrafenregister lediglich einen Eintrag in Ungarn wegen »Unfugs« auf. Die Diebstähle seien seine Idee gewesen, hatte der 26-Jährige vor Gericht angegeben. Er habe die Räder ins Internet stellen und den Erlös allein kassieren wollen. Die Jugendkammer verhängte gegen den 26-Jährigen eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe und gegen den »kleinen« Bruder neun Monate Jugendstrafe, beides mit Bewährung. kd