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Umdenken auf allen Ebenen notwendig

Wonneberg. Über den Weltagrarbericht und seine Aussage, die Landwirtschaft in den meisten Ländern sei nicht nachhaltig und überlebensfähig, diskutierte jetzt das Agrarbündnis Traunstein/Berchtesgadener Land im Gasthaus Gruber in Weibhausen. Dass die Probleme in der Landwirtschaft auch auf lokaler Ebene deutlich werden, zeige die Diskussion um den übermäßigen Phosphat-Eintrag in den Waginger See.

Konventionell arbeitende Bauern nicht »verteufeln«

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Der Leiter des Landwirtschaftsamts Traunstein, Alfons Leitenbacher, sagte, der Waginger See leide wegen der Bodenbeschaffenheit um ihn herum unter dem hohen Phosphat-Eintrag, während das Problem beim Tachinger See kaum existiere. »Denn weder die Bauern, noch ihre Wirtschaftsweisen unterscheiden sich«. Die Situation könne aber signifikant verbessert werden, wenn die Bauern bestimmte Regeln beachteten. Nur dürften konventionell arbeitende Bauern nicht »verteufelt« werden.

Der Phosphat-Eintrag von 16 Tonnen entspreche etwa dem Achtfachen des akzeptablen Werts. Man brauche sicher finanzielle Unterstützung, um dem Problem beizukommen, aber Geld sei kein Allheilmittel. Das wichtigste sei eine Bewusstseinsänderung, besonders bei den Bauern. Diese könne man am ehesten durch Beratung und Öffentlichkeitsarbeit erreichen. Mit individueller Betrachtung könnten Lösungen gefunden werden.

Der Leiter der Gemeindewerke Waging, Heinrich Thaler, meinte, es gebe gute finanzielle Förderung, die aber leider kaum genutzt werde. Als positives Zeichen der Kommunalpolitik um den See sehe er die Bewerbung als »Ökomodell-Region«. Er hätte kaum geglaubt, dass Mehrheiten dafür in den Gemeinderäten zu erreichen gewesen wären.

»Sind den Vorgaben der Politik und Verbände gefolgt«

Der BDM-Kreisvorsitzende Sepp Hubert beteuerte, die Bauern fühlten sich bedroht von Anprangerungen, in denen sie als Alleinschuldige dargestellt würden. »Wir sind doch nur den Vorgaben der Landwirtschaftspolitik und mancher Verbände gefolgt, die uns für viele Jahre eingebläut haben, zu wachsen oder zu weichen und die Landwirtschaft immer mehr zu intensivieren«, sagte Hubert. »Wir müssen in der jetzigen Situation versuchen, die Dinge auf den Boden zurückzuholen und miteinander zu reden, statt sich in Vorurteilen einzuigeln«.

Die Sprecherin für die Attac-Gruppe Rupertiwinkel, Agnes Thanbichler, sagte, das Phosphat-Problem bestehe nicht nur im Waginger See. Die Staatsregierung sollte ein umfassendes Gewässer-Programm für alle bayerischen Seen und Flüsse aufgelegt werden. Die Landwirtschaft alleine könne die Gewässer-Probleme nicht stemmen. Umdenken müssten nicht nur Bauern und die Öffentlichkeit, sondern auch die Politik. »Wir brauchen ein schlüssiges Konzept und dürfen nicht ewig auf Entwicklungsbeschlüsse warten«, meinte Thanbichler.

Thaler erwiderte, die Betroffenen sollten in Diskussionen Lösungen erarbeiten. Bio-Bauer Franz Obermeier sagte, ein Problem sei es, dass die lokale Molkerei konventionell arbeite und nicht bereit sei, dies zu ändern. Der Vorstand der Direktvermarkter zwischen Watzmann und Waginger See, Alois Beer, meinte daraufhin, die Bauern um den See sollten Möglichkeiten einer eigenen Milchverarbeitung erwägen.

Auf Anstoß von Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz Traunstein, wurde die Möglichkeit einer Umschichtung der Subventionsprogramme nur nach Fläche auf Arbeitsleistung und weitere Elemente diskutiert. Leider hätten Bauernverband, Landes- und Bundespolitik die Möglichkeit einer solchen, auch von der Europäischen Agrarkommission gewünschten Umschichtung verhindert, meinten Leitenbacher und Thanbichler. Dabei wäre dies die einzige Möglichkeit, größere finanzielle Ressourcen für Programme, wie sie für den See nötig wären, zu bekommen, denn die Regierungen verweigerten jegliche zusätzlichen Mittel.

Bio-Bauer Georg Planthaler sagte, die jetzige Landwirtschaft sei nicht viel länger aufrechtzuerhalten. Allerdings helfe Geld alleine nicht. Auch er forderte ein Umdenken von Bauern, Verbrauchern und Politik. Der Umstand werde nicht mehr beachtet, dass alles, was in den Boden eingebracht werde – Dünger, Pestizide, Agrogentechnik und vieles mehr – schlussendlich auch auf unseren Tellern lande. »Wir betreiben eine insgesamt falsche Landwirtschaft«, meinte er.

Imker Simon Angerpointner warnte vor »Chemie-Keulen« auf Wiesen und Äckern, die sich dann beim Phosphat-Eintrag und weiteren Problemen manifestieren würden. Thaler meinte, unter den Landwirten gebe es zu wenig Enthusiasmus und Aufbruchstimmung für einen Wandel. Gründe dafür seien, dass die Bauern »überarbeitet und überfordert« seien durch den Zwang zur Größe und zur Technologie. al