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Ufergestaltung am Chiemsee: Gemeinde Übersee rudert zurück

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Übersee. Ein wesentlicher Knackpunkt für das angestrebte Bürgerbegehren in Sachen »Chiemseeufer« (wir berichteten) ist in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates entschärft worden. Einstimmig hat das Gremium einer Reduzierung der umstrittenen Wandhöhe bei der Erweiterung des »Chiemgauhofs« von den bisher im Bebauungsplan enthaltenen 9 auf 7,5 Meter zugestimmt und damit den Initiatoren des Bürgerbegehrens einigen Wind aus den Segeln genommen.


Die erheblichen Erweiterungen der »Seewirtschaft« und des »Chiemgauhofs«, hier vor allem die Aufstockung der Seitenwandhöhe von 6,5 auf 9 Meter, waren der Grund für den Bürgerprotest. Bereits in der Informationsveranstaltung des »Arbeitskreises Ortsentwicklung« hatte Bürgermeister Marc Nitschke dazu einen Kompromiss angedeutet, der jetzt nach einer guten Woche realisiert wurde. Dennoch hatten einige Bürger ein Bürgerbegehren beantragt und dazu 881 Unterschriften vorgelegt.

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»Mit der heutigen Änderung des Bebauungsplanes hat die Gemeinde einen wichtigen Schritt getan und ihre Kompromisswilligkeit zum Ausdruck gebracht«, sagte der Bürgermeister nach der Abstimmung. Er hoffe nun auf einvernehmliche Lösungen.

Seinem Ärger über die Unterschriftensammlung »unter Vorspiegelung falscher Tatsachen« machte Peter Stöger (CSU) Luft: »Es sind bei der Sammlung nicht nur Unwahrheiten über die Planung am Chiemseeufer verbreitet worden, die Leute sind teilweise sogar zur Unterschrift genötigt worden.« Auch Nitschke beklagte »den schlechten Stil« der Protestler und forderte Sachlichkeit. Er habe mittlerweile etliche Rückmeldungen von Bürgern, die ihre Unterschrift wieder zurückgezogen hätten.

Michael Rudroff (Freie Bürgerliste) fand die Schilderungen von Bürgern über Nötigungen »unter aller Sau«. Überhaupt sei nach seiner Meinung das Vorgehen der Protestler angesichts des dreijährigen Ringens des Gemeinderates um bestmögliche Lösungen am Chiemseeufer und stets einstimmigen Beschlüssen »eine Frechheit«.

Anton Stefanutti (Die Grünen) stellte klar, dass das Bürgerbegehren keine »Grünen«-Aktion sei, sondern von Bürgern unterschiedlichster Orientierung getragen werde. Laut Ankündigung von Bürgermeister Nitschke will der Gemeinderat bereits in der nächsten Sitzung am 13. Juni über das Bürgerbegehren beraten.

Vor der öffentlichen Sitzung im Rathaus hatten die Gemeinderäte und einige interessierte Bürger den Baufortgang vom »Sahneschnittchen« der neuen Uferplanung, dem 10 000 Quadratmeter großen künftigen »Chiemseepark« besichtigt. Die Schilderung von Planer Ludwig Ertl über großzügige autofreie Grün- und Liegeflächen samt Spielplatz und Aussichtspunkt sowie 168 neue Parkplätze erntete große Wertschätzung. Besonders gut kamen bei allen die Auslichtung der Buschlandschaft und die neuen Sichtachsen mit freiem Blick auf den See an. Bis auf vier Pappeln habe man auch den Baumbestand erhalten und durch die Pflanzung von 30 Eichen ergänzt, so der Planer.

»Das wird ein Traum«, meinte Zweiter Bürgermeister Alois Huber (CSU) und freute sich besonders über einen 30 Meter langen, neuen Strandabschnitt. Auch Teilkritiker Anton Stefanutti wertete diesen Teil der Planung als »eine absolut gelungene Bereicherung«. Mit Blick auf das Bürgerbegehren meinte Oliver Engels (CSU): »Hoffentlich muss nicht wieder alles zurückgebaut werden.« bvd