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Tut sich das nächste Fass ohne Boden auf?

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So hätte der Anbau an die Ludwig-Thoma-Volksschule aussehen sollen. Weil der zusätzliche Eingang unter diesem Anbau wegen Sicherheitsbedenken nicht gebaut wird, wäre es auch möglich, den Anbau ebenerdig zu errichten. Diese Variante soll nun geprüft werden mit dem Ziel, die Kostenexplosion ein wenig einzudämmen.

Traunstein – Güterhalle und Klosterkirche – diese beiden Projekte in letzter Zeit sind exemplarisch für extreme Kostensteigerungen noch bevor mit dem Bau überhaupt begonnen wird. Erst ist von ein paar Hunderttausend Euro die Rede; geht man ins Detail, dann explodieren die Kosten und erreichen Millionenbeträge. Nun wird es der Stadt bei der geplanten Erweiterung der Ludwig-Thoma-Volksschule wohl ähnlich ergehen: Aus den veranschlagten 2 Millionen Euro Kosten sind, noch bevor die erste Baumaschine angerückt ist, schon 2,5 Millionen geworden. Verärgert, entsetzt und enttäuscht zeigten sich ob dieser Kostensteigerung Stadträte quer durch alle Fraktionen.


Sie ließen weder das Argument der Liegenschaftsverwaltung gelten, der ursprüngliche Betrag sei nur eine Schätzung gewesen, noch akzeptierten sie die Rechtfertigung, dass man Bohrpfähle zehn Meter tief in den Boden einbringen muss, damit sich das Gebäude nicht setzt. Das Ergebnis der emotionsgeladenen Debatte war, dass man eine neue Bauvariante prüft. Demnach soll das Gebäude nicht aufgeständert, sondern ebenerdig errichtet werden.

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Den entsprechenden Antrag hatte Ernst Haider gestellt. Er verfolgt damit das Ziel zu prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, Kosten einzusparen. Trotz des Hinweises der Liegenschaftsverwaltung, dass dann der Zeitplan eng werde, stimmte der Stadtrat diesem Vorgehen zu.

Wolfgang Osenstätter hatte die Debatte zu diesem Thema mit den Worten eröffnet: »Für mich ist das einfach unmöglich, dass die Kosten von 2 auf 2,5 Millionen Euro schwuppdiwupp steigen. Das ist ein zweiter Bahnhofstunnel.« Mit den Kostensteigerungen beim Bahnhofstunnel hat die Stadt Traunstein unrühmliche Schlagzeilen im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler gemacht.

Wilfried Schott schloss sich der Meinung Osenstätters an und sagte, das sei ein weiterer Fall für den Bund der Steuerzahler. Stephan Hadulla kritisierte den Architekten. Der hätte zuvor sagen können, dass es teurer wird, wenn die Bodenbeschaffenheit ungünstig ist. Die zu erwartende Kostenexplosion kommentierte er mit den Worten: »Das ist mir zu gaach, wie das wieder rauf geht.«

Die Wogen ließen sich nicht glätten

Die Wogen glätten wollte Waltraud Wiesholler-Niederlöhner mit der Frage, was dem Stadtrat die Schule wert sei. Sie stieß auf taube Ohren. Und auch der Hinweis von Ursula Lay, es sei seit Jahrzehnten in der Schule sehr wenig gemacht worden, konnte die Gemüter nicht besänftigen. Noch einmal Stephan Hadulla: »Es ist ein Unding, mit welcher Selbstverständlichkeit der Preis gesagt wird. Ich fühle mich verar...«

Ernst Haiders Frage, ob man unbedingt die teure aufgeständerte Variante wählen müsse, griff Christian Hümmer auf und schlug vor, das zu überprüfen. Generell zu den Kostensteigerungen bei öffentlichen Bauvorhaben sagte Hümmer, man müsse das Prinzip umdrehen: Die Stadt müsse ein Budget vorgeben; geplant und gebaut werden dürfe nur, wenn dieses eingehalten werde.

Angesichts der hitzigen Diskussion wurde es fast zu einer Randnotiz, dass die aufgeständerte Variante unter anderem deshalb gewählt wurde, um unter dem Anbau einen zusätzlichen Eingang zu schaffen. Ein solcher wird aber nicht gebaut. Die Polizei hatte aus Sicherheitsgründen dringend davon abgeraten.

Nun wird also die neue Bauvariante geprüft und es wird sich zeigen, ob und wie hoch der Betrag sein wird, den man dadurch einsparen kann. Vorauszusehen ist allerdings, dass sich das gesamte Vorhaben verzögern wird – zum Schaden der Kinder in der Schule. -K.O.-