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Turbulente Ereignisse vor 20 Jahren

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Vor 20 Jahren demonstrierten Eltern und Kinder für den Erhalt der Heimvolksschule Niedernfels. (Foto: Archiv Giesen)

Marquartstein – Wie eine Bombe schlug im Juni 1997 die Nachricht ein, dass die Heimvolksschule Schloss Niedernfels in Marquartstein geschlossen werden soll. Die damalige Grund- und Teilhauptschule mit Internat besuchten zu diesem Zeitpunkt 190 Kinder, vielfach von Alleinerziehenden.


Die Nachricht von der Schließung traf Mitarbeiter und Eltern zwei Wochen nach der Schuleinschreibung völlig unerwartet und kam für viele einer Katastrophe gleich – daher beschlossen sie zu kämpfen. Es wurden Demonstrationen vor dem Erzbischöflichen Ordinariat und bei der Fronleichnamsprozession in München organisiert, die Kinder schrieben einen Bittbrief an den Papst in Rom.

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Auch in Marquartstein und Grassau demonstrierten die Kinder unter viel Anteilnahme der Bevölkerung. Die Gemeinde mit dem damaligen Bürgermeister Matthias Dögerl, Traunsteins Landrat Jakob Strobl und Schulrat Gerhard Poremba ließen nichts unversucht, um die drohende Schließung abzuwenden.

Die Eltern schalteten den Münchner Anwalt Bernhard Fricke ein, der sie beriet und auch die breite Öffentlichkeit mobilisierte. Nachdem Verhandlungen des Erzbischöflichen Ordinariats mit der Stiftung St. Zeno als neuem Träger der Schule jedoch gescheitert waren, wandelten die Mitglieder des schon bestehenden Fördervereins ihn in einen Trägerverein um, um die Möglichkeit zu haben, die Schule in Eigenregie weiterzuführen.

Das wurde nicht notwendig: am 11. Juli, kurz vor den Sommerferien, kam die erlösende Nachricht, dass die Katholische Jugendfürsorge (KJF) sich überraschend bereit erklärt hatte, die Trägerschaft zunächst für zwei Jahre zu übernehmen. Heuer besteht die Trägerschaft der KJF schon seit 20 Jahren.

Das Pädagogische Zentrum Schloss Niedernfels ist heute eine inklusive Einrichtung mit privater, staatlich anerkannter Grund- und Mittelschule für rund 250 Schüler ab dem sechsten Lebensjahr. Es bietet heil- und sozialpädagogische Wohngruppen und Tagesstätten an, integrative Hortgruppen, ein Internat mit 61 Plätzen sowie Mittagsbetreuung.

Beim Sommerfest in Schloss Niedernfels am Freitag ab 12.30 Uhr soll die nunmehr 20-jährige Trägerschaft durch die Katholische Jugendfürsorge gefeiert werden. Die Eltern haben eine kleine Ausstellung organisiert, wo die dramatischen Ereignisse von vor 20 Jahren anhand von Fotos und Dokumenten noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Neben musikalischer Unterhaltung und vielen Angeboten für die Gäste gibt es eine Familienolympiade und ein Fußballspiel. gi

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