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Tüftler aus der Region bauen besondere Feuerwerkskörper

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Thomas Wagner (links) und Udo Neumann fertigen im Chiemgau Feuerwerkskörper höchster Qualität und vertreiben sie von Traunstein aus in ganz Europa.
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Unscheinbare graue Kügelchen, wie sie Udo Neumann in dieser Trommel herstellt, sind die Basis für die Lichteffekte in den Feuerwerkskörpern.

Wie immer an Silvester wird sich heute gegen Mitternacht der Himmel überall in bewohnten Gebieten durch das Zünden von Hunderttausenden von Feuerwerkskörpern erhellen. An die 125 Millionen Euro werden allein die Menschen in Deutschland für dieses Spektakel ausgeben. Übrig bleiben werden davon Hunderte Tonnen Müll, Abfälle aus Plastik und Pappe. Was sich als giftiger Rauch in der Luft auflöst, kann man in Zahlen nicht fassen. Die Umwelt nimmt Schaden und natürlich wird auch da und dort in Deutschland wieder der eine oder andere verirrte Feuerwerkskörper Brände auslösen.


Keine Rücksichtnahme auf die Umwelt

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Das alles stört die meisten Menschen nicht: Körbeweise schleppen sie die Raketen für das nächtliche Silvestervergnügen heim – allen Schwüren, die Umwelt schützen zu wollen zum Trotz. Hinter dem Geschäft mit den Knallern steht eine ganze Industrie. Und weil der Verbraucher auch hier nach dem aberwitzigen Motto »Geiz ist geil« einkauft, werden bei uns in erster Linie Billigprodukte aus Niedriglohnländern angeboten. Dass diese vorwiegend aus China kommen, dem Mutterland der Pyrotechnik, ist nachvollziehbar. Immer mehr Knallkörper werden aber auch aus dem Ostblock, oft illegal, nach Deutschland gebracht und hier oft unter der Ladentheke verkauft. Skrupellose Geschäftemacher fälschen die amtlichen Prüfzeichen auf den Böllern, die deutschen Sicherheitsanforderungen nicht entsprechen.

Mit Qualität Kunden in ganz Europa gewonnen

Aber es geht auch anders: Zwei Männer aus dem Chiemgau haben vor drei Jahren die Firma Bavaria Fireworks gegründet. Thomas Wagner und Udo Neumann setzen dabei auf Qualität. Der Erfolg gibt ihnen recht. Ihre Firma ist auf steilem Wachstumskurs; Kunden aus ganz Europa bestellen die Raketen aus dem Chiemgau. Und das nicht nur deshalb, weil Wagner und Neumann Produkte höchster Präzision und mit den besten Leuchteffekten liefern, sondern auch deshalb, weil die beiden auch das Thema Umweltschutz ernst nehmen. Feuerwerk und Umweltschutz: Das passt so gut zusammen wie Feuer und Eis – möchte man meinen. Tatsächlich, so versichert Neumann, ist es aber möglich, den Einsatz von umweltschädlichen Zutaten weitestgehend zu vermeiden. Ortstermin in der Produktionsstätte von Bavaria Fireworks irgendwo in einem Wald im südlichen Chiemgau: Wagner nimmt eine Papphülse und schüttet eine exakt abgewogene Menge Schwarzpulver hinein. Mit einer Manschette aus Graupappe verschließt er sie. Statt Schwarzpulver experimentieren er und sein Kompagnon derzeit mit Nitrozellulose mit dem Ziel, dass sie Raketen herstellen, die so gut wie nicht mehr rauchen.

Keine Schwermetalle in den Raketen

Als nächstes kommen Kügelchen in die Papphülse, die für die Farb- und Lichteffekte sorgen. »Die sind bei uns frei von jeglichen Schwermetallen«, versichert Neumann. In Produkten aus China zum Beispiel gab es noch viele Bleiverbindungen. Dort wurde zum Beispiel hochgiftiges Arsen verwendet, um die Farbe Blau zu erzeugen.

Und auch das mit dem möglichst lauten Knall ist nicht die Sache der Chiemgauer Feuerwerker: »Unsere Raketen haben nur den Abschussknall; herkömmliche Raketen haben eine Zerlegeladung, die in der Luft zündet und kracht«, erklärt Wagner.

Feuerwerk ist für ihn und Neumann nämlich mehr als die Ballerei. Die beiden kreieren musikbegleitende und musiksynchrone Choreografien. Dabei stört übermäßiger Krach nur. Die Effekte sollen zehntelsekundengenau zur Musik am Himmel aufblitzen. Das erreicht man unter anderem durch eine elektrische und elektronische Zündanlage mit vielen Kanälen, die soviel kostet wie ein Mittelklassewagen. Firmen und Veranstalter, die ein solches »Erste-Klasse-Feuerwerk« bestellen, müssen tief in die Tasche greifen: Ab 1500 Euro kostet die Minute.

Auf Bühnen und in Stadien besonders gefragt

Die Qualitätsartikel der in Traunstein ansässigen Firma werden bevorzugt auch bei Bühnenveranstaltungen und in Sportstadien eingesetzt. Gerade da, wo Menschen in der Nähe sind, muss es ausgeschlossen sein, dass Reste der Raketen zu Boden gehen, die noch heiß sind oder gar glühen. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin hat Produkte von Bavaria Fireworks zertifiziert. Die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde kontrolliert die Produktion regelmäßig. Für die beiden ist das überhaupt kein Problem: »Wir halten uns an die Vorgaben«, versichern sie und erklären, keine Probleme mit den Behörden zu haben. Wagner und Neumann sind mit dem Verlauf der ersten drei Geschäftsjahre ihres Unternehmens zufrieden und wollen den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Die Ballerei zum Jahreswechsel dürfte sie ziemlich kalt lassen. -K.O.-