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Trotz Regens und Kälte: Viele Besucher beim Georgiritt

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Am Ettendorfer Kircherl wurden Ross und Reiter gesegnet. (Foto: Wittenzellner)

Viele Besucher waren trotz des schlechten Wetters wieder mit dabei, als am gestrigen Ostermontag in Traunstein der traditionelle Georgiritt stattfand – und das trotz Kälte und des andauernden Regens.


Und auch so mancher Pferdebesitzer wurde von den Wetterbedingungen wohl abgeschreckt, was sich in einer deutlich reduzierten Teilnehmerzahl von 284 Pferden (2016 waren es rund 400) zeigte. Diejenigen aber, die dabei waren – Besucher und Mitwirkende – brauchten es nicht bereuen. Der Traunsteiner Georgiritt war wie gewohnt ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender im Chiemgau.

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Tradition, Brauchtum und das über Jahrhunderte mit der Festveranstaltung hoch gehaltene Bekenntnis zum christlichen Glauben sind die Eckpfeiler des Georgiritts inklusive Schwerttanz – für andere war und ist es einfach ein Spektakel auf dem Traunsteiner Stadtplatz, bei dem man gerne dabei ist, die Stimmung genießt, die perfekt eingeübten Abläufe des Tanzes und die festlich und prächtig geschmückten Pferde bewundert. Und nicht umsonst heißt der Ostermontag in Traunstein mit und durch den Georgiritt »der schönste Feiertag im Chiemgau.«

Von der Stadtmitte hinauf zum Ettendorfer Kircherl

Da konnte auch das Aprilwetter nichts daran rütteln, die Besucher waren entsprechend wind- und regenfest gekleidet. Wer gekommen war, kam wie üblich auf seine Kosten. Am Stadtplatz und an den teilweise gesperrten, und an vielen Fenstern und Gartenzäunen prächtig geschmückten Straßen von der Stadtmitte Richtung Ettendorf waren wieder viele Hundert Georgiritt-Besucher mit dabei – viele davon hatten an ihrer Jacke das aktuelle und die Abzeichen der vergangenen Jahre angebracht und zeigten sich als jährlicher Dauerbesucher. Wie in den Vorjahren zog der Georgiritt wieder viele Besucher aus dem ganzen Chiemgau und weit darüber hinaus nach Traunstein. Auch für Osterurlauber in der Region war Bayerns größte Pferdewallfahrt wieder ein Highlight. Mit dabei waren auch Vertreter der Traunsteiner Partnerstädte, darunter eine größere Gruppe aus der englischen Stadt Haywards Heath mit ihrer Bürgermeisterin Sujan Wickremaratchi und 24 Mitglieder des dortigen Freundschaftsclubs Twinning Association. Auch der Bürgermeister der Traunsteiner Partnerstadt Wesseling, Erwin Esser, war als Ehrengast mit dabei.

Auf dem Traunsteiner Stadtplatz zogen wie gewohnt pünktlich um 9.30 Uhr die Fanfarenbläser, Trommler und Pfeifer mit den Landsknechten ein. Für die richtige Stimmung sorgte dort inzwischen schon die Traunsteiner Stadtmusik und wärmte die Wartenden mit gewohnt frischen Klängen. Nach einigen Musikstücken war wie üblich der Schwertertanz einer der beiden Höhepunkte beim Traunsteiner Georgiritt. Mit der nach der über vierhundert Jahre zurückreichenden Tradition (der Schwerttanz geht bis in das Jahr 1530 zurück) wird der Sieg des Frühlings, dargestellt durch den roten Vortänzer, über den Winter symbolisiert. Die Wintergeister wurden durch die beiden Wursteln dargestellt, denen es am Ende an den Kragen ging. Die rutschig-nasse Bühne war dabei eine Herausforderung für die Mitwirkenden, die aber nur bis auf einige sonst übliche akrobatischen Sprünge der Wintergeister ihr gewohntes Programm durchzogen und wie immer einen fehlerfreien Schwerttanz ablieferten.

Im Nachgang hob der Herold auf dem Stadtplatz seinen Stab und gab unter dem Geläut aller Kirchenglocken in Traunstein das Zeichen zum Aufbruch für die Züge mit ihren festlich geschmückten Pferden und Kutschen, historischen Gruppen und Musikkapellen. Hinauf nach Ettendorf ging es, an den vielen Wartenden vorbei zur Segnung von Ross und Reiter an der spätgotischen Wallfahrtskirche St. Veit und Anna.

Gut organisiert und vorbereitet, jahrelang erfahren und geübt, lief der Ritt ab, auch wenn dem einen oder anderen Vierbeiner die Nervosität anzumerken war und auch die letzten Meter über die zunehmend aufgeweichte Wiese hinauf nach Ettendorf mehr und mehr eine Herausforderung für Ross und Reiter wurde. Die Reiter und die Begleitpersonen hatten einzelne schwierige Situationen aber schnell im Griff. Polizei und Rettungskräfte, die zum Teil unterstützend aus München kamen, waren wie gewohnt entlang der Route nach Ettendorf postiert, um bei Bedarf helfend einzugreifen. Die Parkmöglichkeiten waren wie in den Vorjahren gut ausgeschrieben und auch für Auswärtige gut erkennbar.

Für Hunger und Durst war auch gesorgt

Für den Hunger und Durst war traditionell auch gesorgt: Die Frauen des St.-Georgs-Vereins, der den Ritt zusammen mit der Stadt Traunstein und der Stadtkirche Traunstein veranstaltet, bewirtschafteten wieder mit viel Engagement und Herzblut das Café St. Georg im Traunsteiner Rathaus. Mit dem Erlös finanziert der Verein den Erhalt der Bekleidung, der Pferdegeschirre und die Neuanschaffung von Ausrüstungsgegenständen.

Mit der zweiten Aufführung des Schwerttanzes am frühen Nachmittag, die kurzzeitig aufgrund des schlechten Wetters zur Disposition gestanden war, dann aber doch durchgeführt wurde, ging der diesjährige Georgiritt zu Ende, zu dessen Gelingen auch in diesem Jahr wieder viele engagierte Freiwillige und Ehrenamtliche auf und neben der Bühne wie auch auf und neben den Pferden gesorgt haben. awi