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Trotz Handicaps ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen

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Die neue Führungsriege der Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (von links) Ingrid Lischke, Franz Schön, Brigitte Lindmeier, Heidi Schulze, Diana Bayer, Alex-Uwe Pipahl und Günter Gruber. (Foto: Aßmann)

Waging am See – Brigitte Lindmeier bleibt für weitere vier Jahre Leiterin der Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB).


Bei der Jahreshauptversammlung im Strandkurhaus übertrugen die Mitglieder der 52-Jährigen erneut einstimmig diesen Posten. Ihr zur Seite stehen Franz Schön als Stellvertreter sowie Ingrid Lischke, Diana Bayer, Heidi Schulze, Günter Gruber und Alex-Uwe Pipahl als Ausschussmitglieder. Brigitte Lindmeier führt den BBSB Oberbayern-Rosenheim seit 2009 an.

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In ihrem Tätigkeitsbericht blickte Lindmeier auf »ein ereignis- und arbeitsreiches, aber auch sehr erfüllendes Jahr« zurück. »Ich denke, wir konnten wieder vielen neubetroffenen Menschen und auch Mitgliedern weiterhelfen und sie unterstützen, damit sie soweit als möglich ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen können.« Auch hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit habe sich im abgelaufenen Jahr einiges getan, resümierte Lindmeier. So konnte die Mitarbeit in verschiedenen Gremien, wie beispielsweise den Behinderten- oder Seniorenbeiräten, ausgeweitet und die Zusammenarbeit mit diversen Organisationen, Verbänden und Kommunen vertieft werden.

Obwohl das Thema »Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Menschen« noch in den Kinderschuhen steckt, konnte der BBSB auch hier Erfolge verzeichnen. »Immer mehr Bauherren, Architekten, Einrichtungen, Städte und Gemeinden wenden sich an uns, um sich darüber zu informieren und beraten zu lassen«, hob die Bezirksgruppenleiterin hervor. All dies setze natürlich voraus, dass die ehrenamtlichen Helfer für die Aufgaben, mit denen sie betraut sind, qualifiziert und geschult werden.

Der BBSB-Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim mit den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Rosenheim, Mühldorf, Miesbach, Altötting sowie der kreisfreien Stadt Rosenheim gehören 553 Mitglieder an. Hauptaufgaben der Selbsthilfeorganisation sind die Beratung und Betreuung blinder und sehbehinderter Menschen sowie deren Angehöriger, die Organisation von Veranstaltungen für diesen Personenkreis, die Einleitung von Maßnahmen zur Rehabilitation sowie zur gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe und der Kontakt zu Behörden, Hilfsorganisationen, Einrichtungen und Institutionen.

In der Beratungsstelle in Rosenheim fanden durchschnittlich täglich sieben Gespräche statt. Unabhängig und kostenfrei beantwortet man dort Fragen zu den häufigsten Augenerkrankungen, zu Sehhilfen- und anderen Hilfsmitteln, rechtlichen und finanziellen Ansprüchen sowie zum Erhalt des Arbeitsplatzes und der beruflichen Neuorientierung. Auch Tipps und Tricks zur Alltagsbewältigung werden vermittelt und geschult. Denn, wenn die Augen schwächer werden oder das Sehvermögen sogar vollständig verlorengeht, können die einfachsten alltäglichen Handgriffe zum unüberwindlichen Problem werden. »Miteinander und füreinander suchen wir nach Wegen, um den Betroffenen trotz ihres Handicaps neuen Lebensmut zu geben«, betonte Brigitte Lindmeier.

Zusätzlich absolvierten die ehrenamtlichen Helfer, größtenteils selbst blind oder stark sehbehindert, mehr als 80 Hausbesuche bei Neu-Erblindeten, Mitgliedern und Angehörigen. Sie besuchten 90 Grund-, Haupt- und Realschulen und hielten Vorträge an Gymnasien sowie verschiedenen Berufsfachschulen. Aber natürlich kommt auch das Gesellschaftliche im BBSB nicht zu kurz. So werden einmal pro Monat Begegnungsnachmittage und Stammtische abgehalten und Ausflüge organisiert, die stets sehr gut angenommen werden. Großer Beliebtheit erfreut sich auch immer der Wiesn-Stammtisch anlässlich des Rosenheimer Herbstfestes. Im Winter bietet die Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim Skilanglauf in Reit im Winkl an, die Kegelgruppe trifft sich alle 14 Tage.

Das Lob Brigitte Lindmeiers galt auch allen Förderern und Gönnern, die mit ihren Spenden die BBSB-Bezirksgruppe unterstützen. »Ohne ihre Hilfe wären wir nicht in der Lage, unsere Aufgaben in diesem Umfang zu bewältigen.« Wie wichtig die finanzielle Hilfe ist, ging aus dem Finanzbericht hervor. »Unsere finanzielle Lage ist sehr angespannt. Die Rücklagen reichen noch für dieses Jahr«, erläuterte die Bezirksgruppenleiterin. Im kommenden Jahr sei man darauf angewiesen, dass der Verlustausgleich über den »Soli-Fonds« des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes getragen werde; zumal künftig zusätzlich jährlich 10 000 Euro für Personalkosten an die Landesgruppe abgeführt werden müssen. »Das heißt in der Konsequenz, dass wir bestimmte Angebote nicht mehr kostenfrei anbieten können«, kündigte Brigitte Lindmeier an.

Auch Ehrungen standen auf der Tagesordnung. Lindmeier zeichnete Walter Aufinger für 60-jährige Treue und Wilhelm Weber für 50 Jahre Mitgliedschaft im BBSB mit goldenen Ehrennadeln aus. Für 25-jährige Vereinszugehörigkeit erhielten Franz Gaßner aus Waging und der Fridolfinger Franz Kraller silberne Ehrennadeln.

Unter dem Tagesordnungspunkt »Wünsche und Anträge« wurde die Bitte geäußert, auf die TV-Sender einzuwirken, die Text-Beschreibungen für Filme, Nachrichtensendungen und Serien auszuweiten. Brigitte Lindmeier informierte über die Audiodeskription, die Filme auch für Sehbehinderte besser erlebbar macht. »Wir sind dran am barrierefreien Fernsehen.« mia

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