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Trennung von der »Ex« nicht verkraftet

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Traunstein – Ein einschlägig vorbestrafter, 49-jähriger Trostberger wollte nicht akzeptieren, dass seine 56-jährige Ex-Freundin nichts mehr von ihm wissen wollte. Sie erwirkte ein gerichtliches Kontaktverbot, das der Mann jedoch ignorierte. Er verfolgte sie immer wieder im Stadtgebiet. Das brachte ihm jetzt vom Schöffengericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung wegen 58-fachen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz, wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung ein. Außerdem soll er der Ex-Lebensgefährtin ein Schmerzensgeld von 3000 Euro zahlen.


Die 56-Jährige hatte sich am 23. November 2014 von dem Angeklagten getrennt. Dennoch versuchte der Arbeiter, weiterhin Kontakt zu halten. Mit zunehmender Intensität stellte er der Frau in der Folgezeit nach. Das Familiengericht am Amtsgericht Traunstein erließ am 26. November 2014 einen Beschluss, wonach sich der 49-Jährige der Wohnung der Frau ohne deren Zustimmung auf nicht mehr als 200 Meter nähern durfte. Bei einem zufälligen Zusammentreffen sollte sich der Mann sofort entfernen.

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Er beobachtete, wann sie das Haus verließ

Der Trostberger umging die Abstandsvorschrift – indem er sich ab Anfang Dezember 2014 eine neue Wohnung genau gegenüber dem Wohnhaus der früheren Partnerin nahm. Dadurch konnte er beobachten, wann die Frau das Haus verließ.

Trotz Kontaktverbots und mehreren polizeilichen Vernehmungen als Beschuldigter verfolgte der 49-Jährige das Opfer weiterhin im Stadtgebiet von Trostberg. Er fuhr der Frau beispielsweise nach Einkaufsfahrten mit dem Pkw mit seinem Wagen hinterher und blinkte mit dem Fernlicht. Oder er ging ihr nach in einen Einkaufsmarkt und behielt sie dort ständig im Auge. Als sie nach Hause kam, sah die Frau den Angeklagten vor ihrem Wohnhaus in seinem Auto sitzen. Solche Vorfälle gab es massenhaft. Dutzende Male lauerte der uneinsichtige Arbeiter der Frau im Alltag auf. Überwiegend gab es keine körperlichen Berührungen. Einmal jedoch packte er sie an der Schulter und fügte ihr dadurch Schmerzen zu. Außerdem beleidigte er sie an einem anderen Tag mit dem Ausdruck »Hure«.

Die 56-Jährige fühlte sich durch den hartnäckigen Stalker psychisch massiv beeinträchtigt und litt ab Mitte Dezember 2014 so sehr unter der Belastungssituation, dass sie erkrankte. Sie musste wegen psychischer und physischer Probleme wie Angstzuständen, Schlafstörungen, Blutdruckentgleisungen und anderer Symptome sogar zwei Tage stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Bis heute ist die Geschädigte nicht völlig gesundet.

Seit April saß er in Untersuchungshaft

Der 49-Jährige wanderte am 25. Februar erstmals für einige Tage in Untersuchungshaft und war dann vorübergehend auf freiem Fuß. Seit Anfang April wartete er – wieder in U-Haft – auf den Prozess vor dem Schöffengericht Traunstein. Die seelischen und körperlichen Beschwerden der 56-Jährigen wurden etwas besser, als sie den Mann hinter Gittern wusste. In der Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte bei seiner einstigen Freundin und gelobte Besserung. Er bot an, der Frau per Adhäsionsbeschluss ein Schmerzensgeld zu zahlen. Das hätte ihr eine separate Zivilklage erspart.

Das Urteil wurde jedoch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat Berufung eingelegt. In dem Prozess hatte Staatsanwältin Veronika Denk für den Stalker zweieinhalb Jahre Haft wegen »Nachstellung« im Hauptvorwurf gefordert. Der Verteidiger, Julian Praun aus Chieming, hatte auf ein Jahr Strafe mit Bewährung plädiert – wegen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz. kd