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Traunsteinerin möchte Theater komplett ohne Sprache

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Ein Theaterstück komplett ohne Sprache mit Asylbewerbern und Jugendlichen möchte die Traunsteinerin Svetlana Teterja-Pater realisieren. (Foto: Artes)

Traunstein. Ein Theaterstück komplett ohne Sprache. Und das zusammen mit jungen Asylbewerbern und Jugendlichen aus der Region. Wie soll das funktionieren? »Durch Mimik und Gestik«, meint die Traunsteinerin Svetlana Teterja-Pater, die das Stück als sogenanntes »Vivaldi-Projekt« realisieren möchte.


Warum Asylbewerber und Jugendliche, könnte man sich fragen, aber die Antwort ist für Svetlana Teterja-Pater ganz simpel: »Die Abneigung gegenüber Asylbewerbern wird immer größer.« Diese Erfahrung habe sie selbst schon beim Weggehen gemacht. Die Abneigung bestehe aber auf beiden Seiten.

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Aufgewachsen ist die junge Frau in Kasachstan. 1995 beschloss die Familie auszusiedeln und landete nach Aufenthalten in Nürnberg und Schleching in Traunreut. Dort lebte Svetlana Teterja-Pater mit ihren Eltern und Geschwistern in einem Haus mit anderen Asylbewerbern. Heute sieht die 27-Jährige das sehr kritisch: »Es ist ein Fehler von der Regierung, alle auf einen Haufen zu schmeißen.« So könne Integration nicht funktionieren, niemand würde die Sprache lernen wollen. Aber auch die Lernbereitschaft von Asylbewerbern fehle sehr oft.

Dankbar ist sie ihren Eltern, die nach kurzer Zeit beschlossen hatten, nach Siegsdorf zu ziehen. Sie waren der Auffassung: »Die Kinder müssen schnell deutsch lernen.« Sich anzupassen stand für ihre Familie von Anfang an an erster Stelle. Inzwischen lebt die junge Frau in Traunstein.

Svetlana Teterja-Pater berichtet, dass es am Anfang sehr schwierig war, weil ihnen alle sehr skeptisch gegenüberstanden. Gerade aus diesem Grund kann die junge Frau sehr gut nachvollziehen, wie sich Asylbewerber fühlen, die noch nicht einmal die Sprache beherrschen.

Sprachbarriere soll beiseite geschafft werden

In diesem Zusammenhang entstand dann auch ihre Idee, ein Theaterstück zu verwirklichen. Ihr »Herzprojekt« soll komplett ohne Sprache stattfinden. Damit möchte Svetlana Teterja-Pater, die im kommenden Jahr ihr Schauspiel- und Regie-Studium abschließt und als Theaterpädagogin arbeiten möchte, vor allem die Sprachbarriere beiseite schaffen und allen Schauspielern die gleiche Ausgangsbasis geben. »Wenn man Menschen den gleichen Ausgangspunkt gibt, indem man die Sprache wegnimmt, kann gemeinsam etwas sehr Schönes geschaffen werden. Die Menschen fangen nämlich irgendwann trotzdem an, miteinander zu kommunizieren und sich über die Körpersprache etwas mitzuteilen.«

Zur Musik des bekanntesten Werks von Vivaldi, den »vier Jahreszeiten«, sollen die Jugendlichen Frühling, Sommer, Herbst und Winter zum Ausdruck bringen. Das soll mit Mimik, Gestik, Farben und Stoffen geschehen. Svetlana Teterja-Pater geht es darum, zu zeigen, wie andere Kulturen etwas fühlen. »Ein Asylbewerber zum Beispiel aus Afrika kennt keinen Winter. Wie reagiert er auf so eine Jahreszeit? Welche Gefühle kommen dabei zum Ausdruck?« Jeder erlebe Jahreszeiten anders, so die Traunsteinerin.

Bewirken möchte sie damit, dass ein besseres Verständnis füreinander entsteht. Die Jugendlichen sollen voneinander, aber auch miteinander lernen und offener durch die Welt gehen, vor allem anderen Kulturen gegenüber. Auch die Integration der Asylbewerber soll durch das Projekt gefördert werden.

Grundkonzept steht, die Unterstützung fehlt

Das Grundkonzept für das Projekt steht bereits fest, was Svetlana Teterja-Pater im Moment aber noch fehlt, ist Unterstützung von allen Seiten. Neben Darstellern fehlt ihr auch noch ein Projektträger. »Erst wenn ich einen Träger für das Stück gefunden habe, kann ich finanzielle Unterstützung bei der Regierung beantragen«, erklärt die junge Frau. Schon mehrfach habe sie sich an verschiedene Stellen gewandt, aber bisher nur Absagen erhalten. Das findet die 27-Jährige besonders schade, da viel Arbeit dahintersteckt.

Asylbewerber zu finden, die mitmachen wollen, sei besonders schwer. Von vielen Stellen, die für die Betreuung von Asylbewerbern zuständig sind, bekommt sie gesagt: »Die sind sowieso nicht lange hier.«

Aufführung ist für Weihnachten 2015 geplant

Aber noch hat Svetlana Teterja-Pater Zeit: Starten soll das Projekt nämlich erst im Herbst 2015. Dann sind drei bis vier Monate Probenzeit veranschlagt, um Weihnachten 2015 eine Benefizaufführung auf die Bühne bringen zu können. Schön fände es Svetlana Teterja-Pater außerdem, wenn sie ein Orchester finden würde, das die Musik von Vivaldis vier Jahreszeiten live spielen könnte.

Schulklassen beziehungsweise Lehrer dürfen sich gerne an sie wenden, wenn sie am Projekt teilnehmen möchten. Bevorzugen würde sie Schüler ab etwa 15 Jahren. Wer Interesse am Projekt hat, kann sich jederzeit bei Svetlana Teterja-Pater unter der Telefonnummer 0151/27 07 36 62 melden. jar