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Traunsteiner Tafel ist ein Gewinn an Nächstenliebe

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Beim Festabend anlässlich des 20. Jubiläums der »Traunsteiner Tafel« hielt Vorsitzende Claudia Haider die Festansprache. (Foto: Buthke)

Traunstein – In Anwesenheit von Sponsoren, Spendern, Helfern und Vertretern der beteiligten Organisationen feierte die Lebensmittelbörse »Traunsteiner Tafel« mit einem Festabend im Rathaus ihr 20-jähriges Bestehen. In seinem Grußwort betonte Oberbürgermeister Christian Kegel, bei der Traunsteiner Tafel gehe es nicht um Umsatz und Gewinnmaximierung, sondern um einen Gewinn an Nächstenliebe.


Einen Rückblick auf die Erfolgsgeschichte gab Vorsitzende Claudia Haider. Die Traunsteiner Tafel wurde 1996 als ökumenisches Projekt der katholischen Pfarrei St. Oswald und des Diakonischen Werks Traunstein gegründet. Sie war das erste Projekt dieser Art in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land. Zug um Zug holte Andrea Schulz seit 1998 Sponsoren, größere Firmen, Vereine usw. mit ins Boot. Im Dezember 2005 wurde nach vielen Spendenaufrufen mit der Diakonie das erste Tafelfahrzeug angeschafft.

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»Die Gründung des Vereins Traunsteiner Tafel erfolgte im März 2009. Damit war die ehemals lockere Vereinigung auf eine rechtlich solide Basis gestellt«, sagte Haider. Andrea Schulz wurde zur Vorsitzenden und die dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner zur zweiten Vorsitzenden gewählt.

Ein vorgeschriebener Kühlanhänger wurde 2010 gekauft. Im Jahr darauf konnte die Tafel ein dringend benötigtes neues Tafelfahrzeug sowie neue Kühlschränke finanzieren.

Silke Huber übernahm 2012 den Vorsitz von Andrea Schulz. »Andrea Schulz hat in 13 Jahren unermüdlichen Einsatzes die Tafel entscheidend geprägt und maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute solide und erfolgreich bestehen«, so Haider, die seit dem vergangenen Jahr den Vorsitz innehat.

Waren 1996 nur etwa 20 bis 30 Personen zu versorgen, so hat sich der Kreis der Bedürftigen mittlerweile auf über 300 Personen, darunter mehr als 90 Kinder, erhöht. Seit 2015 zählen auch Menschen mit Fluchthintergrund zu den Hilfesuchenden. Als Gründe, warum Bürger in finanzielle Notlagen kommen und auf die Hilfe der Tafel angewiesen sind, nannte Haider zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Ehescheidung und Krankheit. »Aber auch Rentner und Erwerbstätige mit ganz kleinem Budget kommen zunehmend nicht mehr über die Runden.«

Festes Team bereitet Lebensmittelausgabe vor

Die Abläufe der wöchentlichen Tafelaktivitäten haben inzwischen eine große Routine erreicht. Die Diakonie überprüft die Bedürftigkeit der Hilfesuchenden und stellt zeitlich begrenzte Berechtigungsscheine aus. Außerdem organisiert sie die Abholung der von den Geschäften zur Verfügung gestellten Lebensmittel mit dem Tafelfahrzeug. Im Pfarrheim St. Oswald werden die Lebensmittel von einem festen Team sortiert und zur Ausgabe vorbereitet. Die Nachmittagsgruppen übernehmen die Ausgabe der Lebensmittel an die Berechtigten. Alle zwei Wochen versorgt Annemarie Schuster auch die Bedürftigen in Kammer. Montags und mittwochs findet zudem ein Grüner Markt vor der evangelischen Auferstehungskirche statt.

Die erforderliche Menge an Lebensmittel wird vorzugsweise von den ansässigen Supermärkten, Bäckereien, Metzgereien oder verschiedenen Institutionen sowie von Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um Waren nahe dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, die aber noch zum Verzehr geeignet sind, oder auch um Überbestände. Wenn die Lebensmittel nicht ausreichen, werden welche von der Tafel zugekauft. Die dafür notwendigen Geldmittel werden von vielen Spendern bereitgestellt.

»Die Herausforderungen für die Zukunft werden die Traunsteiner Tafel auch weiter beschäftigen«, stellte die Vorsitzende fest. Weiter ansteigende Zahlen an Bedürftigen seien nämlich nicht ausgeschlossen, wenn man die Entwicklungen der vergangenen Jahre beobachte. Die immer höher werdenden Anforderungen an die Lebensmittelhygiene müssten stets eingehalten werden und erforderten einen immer größeren Aufwand. »Hierzu ist nicht nur das große Netzwerk der Tafelhelfer gefordert, sondern auch die große Anzahl an Spendern, gleichgültig, ob es sich um Lebensmittelspenden oder Geldzuwendungen handelt«, unterstrich Haider, die zum Ende ihrer Festansprache allen Helfern und Unterstützern dankte.

»Eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel«

Dass 1993, also nur drei Jahre vor der Gründung der Traunsteiner Tafel, in Berlin die erste Tafel Deutschlands gegründet wurde, daran erinnerte Oberbürgermeister Christian Kegel. In der Hauptstadt sammelten Freiwillige überschüssige Lebensmittel und verteilten sie an Personen, die sie benötigten. »Man schuf damit in unserer Wegwerfgesellschaft eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel und unterstützte Mitmenschen, die nicht genug Geld für Lebensmittel aufbringen konnten«, erklärte Kegel. In Deutschland lebten Millionen Menschen in Armut oder seien unmittelbar von ihr bedroht. Gleichzeitig landeten Tag für Tag etliche Tonnen einwandfreier Lebensmittel im Müll.

Auch in Traunstein habe sich sehr schnell gezeigt, wie notwendig und unverzichtbar dauerhafte Hilfe und Unterstützung sei. Und so könne die Traunsteiner Tafel nunmehr auf 20 Jahre erfolgreichen Einsatz für Menschen in Not zurückblicken. Sie sei heute eine unverzichtbare Stütze für Menschen in der Gesellschaft, die von Armut betroffen seien. »Die Traunsteiner Tafel ist eine ganz besondere ehrenamtliche Bürgerbewegung, deren Arbeit und Leistung nicht hoch genug geschätzt werden kann«, betonte der Oberbürgermeister.

Es sei aber auch beschämend, dass es die Traunsteiner Tafel überhaupt geben müsse. Eigentlich sei es doch unvorstellbar, dass es in Deutschland, das zu den reichsten Ländern der Erde gehöre, Menschen gebe, die sich Lebensmittel nicht leisten könnten, obwohl es sie im Überfluss gebe. Doch es sei bei uns in der Nachbarschaft Wirklichkeit, dass es Menschen gebe, die arm oder von Armut bedroht seien.

Diakon Heiner Vogl von der Stadtkirche Traunstein erfüllte es mit großem Stolz, was die Traunsteiner Tafel in 20 Jahren geleistet habe. Gottes Barmherzigkeit bleibe nicht an den Kirchentüren stehen, meinte er. Und Jesus sei gekommen, damit jeder ein Leben in Fülle habe. Nicht nur für einige, sondern für alle Menschen. Wo wir barmherzig miteinander umgingen, werde Gott sichtbar.

»Aber ohne Helfer wäre dies nicht möglich«, sagte Vogl. Durch die tatkräftige Hilfe der Tafel werde Menschen geholfen, dass sie wieder aufstünden. Die Menschen bekämen eine Chance, wieder in die Mitte der Gemeinschaft zu kommen. Die Traunsteiner Tafel fülle die Lücke der Solidarität und des Engagements in der Stadt.

Christine Bohl vom Diakonischen Werk dankte allen Spendern für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung. Sie spendeten Waren, Geld und Zeit. Die Tafel habe viele Menschen, die ihr ihre Zeit schenkten. Aber ohne die Spender von Waren und Geld könne die Tafel nicht arbeiten. »Die Traunsteiner Tafel leistet unbedingt notwendige Hilfe. Rund 320 Menschen benötigen dieses Hilfsangebot«, so Bohl.

Die musikalische Begleitung der Festveranstaltung übernahmen Mitglieder der Big-Band des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein unter der Leitung von Christina Pigerl. Bjr