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»Traunsteiner Netz« sucht ehrenamtliche Helfer

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Sie engagieren sich,  damit  Integration  gelingt:  die  Helfer des »Traunsteiner Netzes«. Allerdings fehlen vielerorts Ehrenamtliche. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Die große Zahl an Asylbewerbern und Flüchtlingen, die vor knapp drei Jahren in den Landkreis Traunstein kamen, stellten nicht nur Behörden, sondern auch die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer vor große Herausforderungen. Viele sind seit Jahren aufopferungsvoll mit hohem persönlichem Engagement mit dabei. Einige von ihnen haben sich lose im Helferkreis »Traunsteiner-Netz« zusammengeschlossen, das vom früheren Oberbürgermeister Manfred Kösterke im Jahr 2013 ins Leben gerufen wurde.


Die Arbeit des »Traunsteiner Netzes« wird vielerorts geschätzt und ist in Traunstein wie in anderen Städten mit ähnlichen Konzepten und Namen ein unverzichtbarer Baustein für eine gelingende Integration. Dennoch haben die Verantwortlichen Sorgen: Die Integrationsarbeit wird von einigen Wenigen getragen, die Zahl ehrenamtlich engagierter Bürger nimmt tendenziell ab.

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Dabei würden die Arbeiten nach den ersten »stürmischen« Monaten und Jahren nicht weniger – ganz im Gegenteil, wie bei einem Treffen im Rathaus betont wurde. Bräuchten doch viele Flüchtlinge Begleitung und Betreuung und helfenden Rat in so manchen Fragen des täglichen Lebens. »Die Nachfrage nach ehrenamtlicher Unterstützung, die von Geflüchteten selbst ausgeht, übersteigt deutlich die vorhanden ehrenamtlichen Kapazitäten«, so Horst Trüdinger von der Stadtkirche und der Caritas.

Gut 1660 Asylsuchende im Landkreis Traunstein

Dabei sei die Einschätzung über Art und Umfang des Aufwands und der zeitliche Aufwand für den einzelnen Helfer oft genauso fehlerhaft wie die Befürchtung, man werde von Asylbewerbern »überschwemmt«, wurde bei dem Treffen betont. Derzeit würden rund 1660 Asylbewerber (Stand Oktober 2017) im gesamten Landkreis Traunstein leben, in der Großen Kreisstadt seien es zum 1. Oktober dieses Jahres rund 290 Menschen, die insbesondere aus Afghanistan, dem Irak und Syrien kommen. Deren Anteil an der Gesamtbevölkerung liege damit weit unter zwei Prozent, sagte Barbara Kaulfuß, Asylbetreuerin der Stadt Traunstein für dezentral untergebrachte Flüchtlinge.

Die Probleme und Herausforderungen, die die Asylsuchenden, aber auch die Helfer oft gleichzeitig bedrücken, seien vielfältig. Eines der ganz drängenden Probleme sei dabei die Wohnungsnot. Hätten es doch gerade auch anerkannte Flüchtlinge in dem angespannten Wohnungsmarkt nicht leicht, eine Unterkunft zu finden. Gettoisierung und entstehende Parallelgesellschaften seien in dem Zusammenhang nur zwei der Probleme, denen man sich gemeinsam stellen müsse, hieß es.

»Den sozialen Frieden aufrechterhalten«

Dass die Arbeit mit Flüchtlingen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit wichtiger Bedeutung ist, machte in der jüngsten Sitzung des »Traunsteiner Netzes« dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner deutlich: »Wir brauchen Bürger, die sich engagieren, um den sozialen Frieden weiter aufrecht zu erhalten.« Rechtsanwalt Manfred Kösterke betonte, dass es trotz großer staatlicher Anstrengungen große Defizite in der Asylarbeit gebe, die von den vielen Ehrenamtlichen im Land aufgefangen werden müssten: »Nachdem es der Staat nicht tut, muss es der Ehrenamtliche tun.« Man suche für die Menschen eine »Begleitung im Leben«, in denen in Alltagsproblemen geholfen werde.

Dass der Einstieg oder die Mitarbeit im »Traunsteiner Netz« nicht gleich ein Fulltime-Job ist, machte die Hauptverantwortliche Monika Stockinger deutlich, die im Traunsteiner Stadtrat Referentin für Soziales, Migration und Asyl ist. Man suche Helfer, »die einmal in der Woche eine Stunde investieren«. Natürlich sei man über dauerhafte Unterstützung und Mitarbeit froh. Genauso sei aber auch eine projektbezogene Mitarbeit erwünscht und gesucht. So beispielsweise Lernunterstützungen oder praktische Hilfe von Familien und Einzelpersonen in so manchen Fragen des Alltags. Vereinsmitglieder könnten helfen, die Hürde zum ersten Probetraining und den Einstieg in den gemeinsamen Sport nieder zu halten.

Helfer werden nicht allein gelassen

Dabei werde man als Helfer nicht allein gelassen, erhielten diese doch Unterstützung und Schulung und könnten ihre Erfahrungen mit anderen Mitwirkenden im »Traunsteiner Netz« austauschen. Eine erste Anlaufstelle für Interessierte ist die Ehrenamtskoordinierungsstelle der Arbeiterwohlfahrt, in der Natalia Wolf für Fragen unter der Telefonnummer 0861/16626746 zur Verfügung steht.

Eine Gelegenheit, sich die Arbeit anzusehen und Gespräche mit Helfern zu führen, besteht daneben unter anderem beim nächsten Treffen des »Cafés International«, das an diesem Sonntag um 15 Uhr im großen Saal der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde hinter der Auferstehungskirche in Traunstein stattfindet. awi