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Traunsteiner Modellbauer ziehen Kreise bis zum Fernsehen

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Als »sehr kommod« hat der Vorsitzende des Traunsteiner Modellbauclubs, Johann Loferer (links), den Schauspieler Matthias Brandt bei den Dreharbeiten zu »Polizeiruf 110: Kreise« erlebt.

Traunstein – Wie bizarr: Nicht nur für sein Mordopfer, die Inhaberin einer örtlichen Möbelfabrik, sondern auch für deren Schoßhündchen hat der Mörder auf der Waldlichtung eilig ein Grab aufschüttet. Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und seine Kollegin Constanze Herrmann (Barbara Auer) kommen nur schleppend voran, die Ermittlungen drehen sich im Kreis.


Außenrequisiteurin fand die Modellbauer im Internet

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Zu sehen ist der »Polizeiruf 110: Kreise« am morgigen Sonntag um 20.15 Uhr im ersten Programm. Und mit dabei ist eine Modellbauanlage des Traunsteiner Modelleisenbahnclubs. »Die Außenrequisiteurin hat da wohl im Internet recherchiert, und ist dabei auf uns gestoßen«, berichtet dessen Vorsitzender Johann Loferer.

Für den Siegsdorfer ist die Eisenbahn mehr als ein Hobby, er ist auch Eisenbahner von Beruf. Nach ersten Besprechungen mit Requisiteurin Kerstin Grund baute er vorsorglich schon einmal eine Betonbrücke für ein neues Modul. Für Nicht-Modellbauer: Beim modularen Modelleisenbahnbau werden statt einer ganzen Anlage frei kombinierbare Module von 60 Zentimeter Tiefe und 1,60 Meter Breite mit genormter Schnittstelle gebaut, die beliebig aneinandergefügt werden können. Vorteil sind die gute Transportierbarkeit und die Flexibilität bei der Gestaltung einer Anlage.

Der vorsorgliche Brückenbau war goldrichtig, denn schon am Montag darauf rief Grund an und sagte, die beiden Module würden bereits am nächsten Tag zu Dreharbeiten in München gebraucht. »In der Früh hab ich Holz, Schienen und Gleisbettung gekauft und die vorbereitete Elektrik aus einem anderen Modul ausgebaut«, erzählt Loferer. Bis 1.30 Uhr in der Nacht werkelte er, sägte, strich und verlegte Gleise.

Wie vereinbart, wurden die beiden Module tags darauf abgeholt. Ausstatter Francis Soeder brachte seinerseits drei Tage später Autos, Figuren und Hunde zum Lackieren nach Traunstein – schließlich mussten diese zum Rest der Anlage passen. Parallel dazu lief die Vorbereitung der Club-eigenen Ausstellung am Wochenende. Noch am Sonntag nach der Ausstellung begann Loferer mit der Lackierung der Kleinteile. Diesmal arbeitete er bis um 3.30 Uhr.

»Enorm, wie viel Aufwand da betrieben wird«

Nach wenigen Stunden Schlaf lieferte er die Teile im Bavaria-Filmstudio in Grünwald ab und baute die Module auf. Nach den Dreharbeiten am Abend baute er sie wieder ab, um sie vier Wochen später in einem Atelier in einer ehemaligen Fabrik bei Daglfing erneut aufzubauen. Das Atelier sei komplett ausgeräumt worden – »die haben sogar die Küchenzeile ausgebaut, damit die fahrbare Kamera Platz hat«. Nach drei Drehtagen wurde alles wieder abgebaut – »und das Atelier in den Originalzustand versetzt«. Für Loferer war es die erste Zusammenarbeit mit dem Fernsehen, die ihm aber viel Spaß gemacht hat. »Das ist enorm, wie viel Aufwand da betrieben wird.« Umbau, Licht, Ton, Kameras – bis alles passt, haben am Set 10 bis 15 Leute alle Hände voll zu tun. Und das sind nur die, die man sieht.

»Bis die Blenden vor den Fenstern montiert sind, damit die dann den ganzen Tag das gleiche Licht haben, das Fahrgestell für die Kamera aufgebaut ist und alles verkabelt ist, das dauert. Das ist ein ganzer Lastwagen voller Kabelg'lump, das da verbaut wird.« Oft steckt dann die Tücke im Detail, etwa, wenn das kleine Modellauto vor der Kamera spiegelt. »Dann wird halt ein Papierschnipsel an den Galgen geklebt, bis alles passt«.

Er investierte in die Bauarbeiten geschätzte 20 Stunden plus drei Drehtage. »Wie lang der Ausstatter gebraucht hat, weiß ich nicht. Der hat 300 Bäume von unten angebohrt und mit Draht bestückt, damit er die Bäume versetzen kann, wie er's braucht. Kleben reicht da nicht.«

Das war auch das Problem bei der Panne am letzten Drehtag, »in der letzten viertel Stund'«, erklärt Loferer. Weil die Gleise nur geklebt waren, lösten sie sich im Laufe des Drehs. »Dann ist der Schotter reingefallen, da hält natürlich nix mehr.« Aber nachdem die Reißnägel organisiert waren, konnte der Dreh doch noch zu Ende gebracht werden.

Besonders die Schauspieler waren »sehr kommod«

»Ich bin mit allen gut ausgekommen«, berichtet Loferer über seine »Filmkollegen«. Besonders die Schauspieler Matthias Brandt, jüngster Sohn von Alt-Bundeskanzler Willy Brandt, und Justus von Dohnányi, der den Mann des Mord-Opfers spielt, seien »sehr kommod« gewesen. Barbara Auer habe er dagegen gar nicht zu Gesicht bekommen.

Wer nun die Möbelfabrikantin samt Schoßhündchen tatsächlich auf welche Weise ermordet hat, und welche Rolle die Modelleisenbahn in dem Ganzen spielt, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Wer's wissen will, schaltet am Sonntag um 20.15 Uhr das erste Programm ein. coho