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Traunsteiner Kreistag segnete regionale Energieagentur ab

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Traunstein – Der Kreis Traunstein befasst sich seit rund zehn Jahren mit Themen des Klimaschutzes, der erneuerbaren Energien und der Energieeinsparung. Jetzt will der Landkreis zusammen mit dem Berchtesgadener Land die »Energieagentur Südostbayern« mit Sitz in Traunstein ins Leben rufen – als zentralen Ansprechpartner für Bürger, Unternehmen und Kommunen. Der Kreistag Traunstein stellte am Freitag einmütig die Weichen.


Wenn der Landkreis Berchtesgadener Land mit im Boot ist, kann die elfte Energieagentur in Bayern ihre – aus dem Klimaprogramm Bayern 2020 geförderte – Arbeit beginnen. Fachliche Unterstützung leistet das Energie- und Umweltzentrum Allgäu, kurz »eza«, das bereits mit Konzept und Businessplan beauftragt wurde. Die gemeinnützige Gesellschaft soll Arbeitsbereiche, Organisationsstruktur sowie Personal- und Finanzplanung erstellen.

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Der Landkreis Traunstein hat schon im Mai 2007 ein erstes Energiekonzept verabschiedet und sich gleichzeitig ein ehrgeiziges Ziel zur Stromversorgung gesetzt. Bis zum Jahr 2020 sollten 100 Prozent des Strombedarfs für mittlere Unternehmen und Privathaushalte aus erneuerbaren Energieformen erzeugt werden. Die Industrie wurde anfangs ausgeklammert. Später beschloss der Kreistag auch für den Bereich der großen Unternehmen die 100-prozentige Stromerzeugung aus alternativen Energien – allerdings erst bis 2025.

Erneuerbare-Energien-Anteil aktuell bei 77 Prozent

Nach der Strombilanz aus dem Jahr 2014 lag der »erneuerbare« Anteil ohne Industrie bei 77 Prozent, bei Einrechnen des Stromverbrauchs der Großfirmen bei 50 Prozent. Dazu Landrat Siegfried Walch im Kreistag: »Dies sind Werte, von denen können andere Regionen in Deutschland nur träumen.« Die Zahlen zu erreichen, hielt Walch nach wie vor für realistisch. »Motor« in Sachen Energiekonferenz sei seine Mitarbeiterin Dr. Birgit Seeholzer.

Neben Strom spiele die Wärmeversorgung eine entscheidende Rolle in der Energiebilanz. Damit habe sich der Landkreis bislang – im Gegensatz zu Kommunen – weniger befasst. Der Landrat sah in der Wärmeversorgung das größte Potenzial für Energieeinsparung und Energieeffizienz. Im privaten Sektor sei schon viel geschehen, etwa durch Dämmen und Modernisieren von Heizanlagen. Dennoch gebe es noch weiteres großes Potenzial, aber auch Verunsicherungen über den richtigen Weg. Vor diesem Hintergrund strebten die beiden Landkreise eine kreisübergreifende Energieagentur in kommunaler Trägerschaft an.

Die Energieagentur Südostbayern soll nach Worten Walchs neutrale und fachkompetente Informations- und Beratungsangebote liefern. Weiter soll sie eine vernetzte Informationsplattform aufbauen sowie Kommunen beim Umsetzen von Klimaschutzkonzepten und Energienutzungsplänen unterstützen. Geplant ist weiter die forcierte Zusammenarbeit mit anderen Landkreisen und Nachbarregionen über Ländergrenzen hinweg. Mit Hilfe von EU-Mitteln sollen »sinnvolle, grenzübergreifende Projekte« entstehen.

Die aus dem Gesamtpaket resultierenden Investitionen und Aufträge würden zur Steigerung der regionalen Wertschöpfung beitragen. »Letztlich geht es darum, Hausbesitzer zu animieren, in ihre Gebäude zu investieren. Dies dient der Umwelt, stärkt aber auch die heimische Wirtschaft durch mehr Aufträge für die Handwerksbetriebe«, so der Landrat. Diese Erfahrungen habe »eza«, die erste Energieagentur in Bayern, gemacht.

Stammkapital von 50 000 Euro

Das Konzept der neuen Agentur sei mit der Regierung von Oberbayern und anderen Stellen abgestimmt, betonte der Landrat. Das Stammkapital von 50 000 Euro werde von beiden Landkreisen je zur Hälfte aufgebracht. Im ersten Geschäftsjahr sei mit Anlaufkosten von etwa 220 000 Euro zu rechnen. Nach Abzug von Einnahmen in Höhe von 77 000 Euro entfielen auf Traunstein rund 80 000 Euro der ungedeckten Kosten. Sie sollten in den Folgejahren auf rund 70 000 Euro sinken. Alle Kreisräte zeigten sich mit Walchs Vorschlägen einverstanden. kd