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Traunsteiner Christkindlmarkt soll ab 2017 schöner werden

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So sieht der Entwurf für die Gestaltung des Christkindlmarkts aus, wie sie laut dem im Planungsausschuss vorberatenen Konzept ab 2017 umgesetzt werden soll.

Traunstein – Nicht, dass ernsthaft jemand am Christkindlmarkt auf Bosna und Glühwein verzichten möchte, aber in den letzten Jahren häuften sich doch die Stimmen derer, die sich mehr Kunsthandwerk als Verpflegungsstände wünschten. Zwei grundsätzliche Entscheidungen fällte der Stadtrat bereits vor zwei Jahren: Erstens bleibt die Stadt Veranstalter und zweitens bleibt der Christkindlmarkt am Stadtplatz.


Das, was die mehrköpfige Arbeitsgruppe seither in mehreren Sitzungen erarbeitet hatte, stellte Ordnungsamts-Leiter Manfred Bulka jetzt im Planungsausschuss vor – dem ersten von mehreren Ausschüssen, wie mehrfach betont wurde. Die Entscheidung trifft voraussichtlich am kommenden Donnerstag der Stadtrat – »dann könnte ich den Marktbeschickern bei dem Treffen im Oktober schon ein Konzept für 2017 vorlegen«, so Bulka.

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Ersatzflächen für Wochen- und Bauernmarkt fehlen

Die Verpflegungsbetriebe habe man bewusst in der Mitte konzentriert, um hässliche Kühlwagen und Kabel im Inneren zu verstecken. Den Kinderbereich in Richtung Westen zu erweitern, sei an den Ersatzflächen für Wochen- und Bauernmarkt gescheitert. »Die Gewerbetreibenden steinigen uns, wenn am Karl-Theodor-Platz in der Adventszeit 120 Parkplätze für den Wochenmarkt oder 55 für den Bauernmarkt entfallen«, sagte Bulka.

Möglich wäre aber eine Kindereisenbahn rund um den neuen Brunnen mit Märchenlandschaft in der Mitte. Ein Zaun soll Kinder davon abhalten, auf die Straße zu laufen. Auch sollen die Verkaufshütten an der Seite des Kaufhauses Unterforsthuber gedreht werden, sodass sie mit der Rückseite zum Gehsteig stehen. »Das ist unproblematisch, wenn die Rückseiten schön gestaltet und Durchlässe eingeplant werden«, so Bulka.

Wichtig wäre aber eine neue Beleuchtung. Mit Fotos anderer Christkindlmärkte zeigte Bulka gelungene Beispiele. Der Schriftzug »Traunsteiner Christkindlmarkt« als Beleuchtung, dekorierte Eingänge, Laternen – »schön wäre auch eine Fassadenbeleuchtung, aber da sind die Anwohner dagegen.« Weiter sollten ein größerer Christbaum und mehrere Baumgruppen mit neuer Dekoration aufgestellt werden, überdachte Verzehrstände wären gut. Auch die Beschicker selbst müssten besser werden mit Dekoration und Warenpräsentation. »Da können wir aber auf sie einwirken«, so Bulka.

Generell mehr Kunsthandwerk gewünscht

Generell sollte es mehr Kunsthandwerk geben. Hier sei man sich auch einig mit der Werbegemeinschaft, deren Vorsitzender Thomas Miller ja auch etliche Ideen eingebracht hatte. Um mehr Kunsthandwerker zu locken, sollte man neben der Standgebühr keine zusätzliche Miete verlangen. Denkbar sei auch, die Hütten wochenweise zu vergeben oder neue anzuschaffen zu je 7000 Euro. Beim Rahmenprogramm sehe das Konzept leicht erhöhte Künstlergagen vor. Unterm Strich würde die Umsetzung des Konzepts rund 15 000 Euro zusätzlich kosten, so Bulka.

Auch werbetechnisch wolle man sich neu aufstellen mit einem neuen Logo, neuen Fotos, einem neuen Programmheft sowie neuen Werbeplanen. Außerdem könnte man eine Dekorateurin engagieren, die bereits in Prien den Christkindlmarkt neu gestaltet habe. »Da ist die Frage, 'brauchen wir's oder nicht?'«, so Bulka. Er selbst aber wäre heilfroh um professionelle Unterstützung.

Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) warb für eine Grundsatzentscheidung: »Natürlich muss man die Kosten im Blick haben, aber man muss auch mal investieren, wenn man etwas Gescheites haben will.« Ähnlich sah das dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) erklärte: »Wir hatten einen der ersten Christkindlmärkte in der Region, und der ist jetzt in die Jahre gekommen. Er ist aber auch ein Aushängeschild für die Stadt«.

Auch Karl Schulz (CSU) war für das neue Konzept. Er erinnerte an den Vorschlag von Thomas Miller, den Markt bis Silvester auszudehnen und auch in den Ferien noch einen stimmungsvollen Treffpunkt zu haben, ähnlich des Rauhnachtsmarkts in Ruhpolding. Das fand Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) »nachgemacht. Nach Ruhpolding passt ein Rauhnachtsmarkt, aber nicht nach Traunstein.« Sie regte an, für Kinder ein paar Schafe zum Streicheln auszustellen. »Das ist problematisch, vier Wochen lang Schafe tier-, witterungs-und hygienegerecht zu präsentieren«, wandte Bulka ein.

Doch lieber in den Stadtpark verlegen?

»Wenn wir schon so viel Geld ausgeben, wollen wir den Christkindlmarkt dann nicht doch lieber in den Stadtpark verlegen?«, fragte Josef Kaiser (UW). Den Bezug zur Kirche könne er sich mit der Kriegergedächtniskirche sehr gut vorstellen. »Das hätte mit Sicherheit Charme«. Oberbürgermeister Kegel erinnerte an den Stadtratsbeschluss von 2014, in dem man sich auf den Stadtplatz festgelegt habe. Und Manfred Bulka sah das Problem der Kosten für Wasser, Abwasser, Strom und Wege: »Ich hätt' kein Problem damit, müsste aber das doppelte Geld kalkulieren. Und der Stadtplatz wäre im Advent tot.«

Gegen das Konzept war Stadtkämmerer Reinhold Dendorfer: »Der Christkindlmarkt ist ganz nett, aber er wird nie das Flair haben wie etwa Amerang. Dafür so viel Geld auszugeben – bringt uns das als Stadt dahin, wo wir hin wollen?«

CSU-Fraktionssprecher Dr. Christian Hümmer sagte, es gelte zu entscheiden, »nimmt man's richtig in die Hand oder verschwindet's klammheimlich wie der Faschingszug oder das Stadtfest?.« Wirklich schlecht wäre es, nur ein bisschen was zu verändern: »Vielleicht sollten wir die Standortfrage doch noch einmal überdenken.«

Mehr als verwundert über diese Diskussion zeigte sich Waltraud Wiesholler-Niederlöhner. »Herr Miller hatte damals schon den Stadtpark favorisiert, aber gemeinsam sind wir zu der Überlegung gekommen, was machen wir dann mit dem Stadtplatz? Also haben wir entschieden, am alten Standort zu bleiben und den attraktiver zu machen.« Natürlich hätte der Park ein herrliches Ambiente, aber dann bräuchte man eine Alternative für den Stadtplatz. »Die Eislauffläche hat damals leider nicht das gebracht, was wir uns erhofft hatten.«

»Schneekanonen wären eine Lösung«

»Park oder Stadtplatz, das haben wir doch schon so lange diskutiert, wir sollten dieses Fass nicht wieder aufmachen«, sagte Burgi Mörtl-Körner. Der Christkindlmarkt sei ein Ort der Kommunikation auch für die Jungen. »Die Stimmung hat auch gefehlt, weil der Schnee gefehlt hat.« Die Lacher auf ihrer Seite hatte sie, als sie den nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag von Wolfgang Osenstätter scherzhaft aufgriff: »Schneekanonen wären eine Lösung, aber da bin ich ja grundsätzlich dagegen.«

Dr. Christian Hümmer brachte schließlich noch die Idee ein, die Kindereisenbahn in den Stadtpark zu verlegen: »Zwei, drei Hütten dazu, dann hätten wir auch Bewegung in der Stadt.« Oberbürgermeister Christian Kegel formulierte schließlich den Beschlussvorschlag, die geplanten Veränderungen zustimmend zur Kenntnis zu nehmen – »als Information für den nächsten Ausschuss. Über die Standortfrage wird noch kontrovers diskutiert«, so Kegel. Dem schloss sich der Ausschuss letztlich an. coho