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Traunstein will Personalkosten fünf Prozent senken

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In den städtischen Kindertageseinrichtungen kommt aktuell ein Betreuer auf acht Kinder. Der Bayerische Kommunale Prüfungsverband empfiehlt aber einen Anstellungsschlüssel von eins zu zehn, also ein Betreuer für zehn Kinder.

Traunstein – Wegen der klammen Stadtkasse stehen aktuell die Personalkosten der Stadt Traunstein auf dem Prüfstand – manche sehen großes Einsparpotential an den Kindertagesbetreuungen.


Erste Sparmöglichkeiten kamen in der jüngsten Sitzung des Stadtrats auf den Tisch. Entschieden wurde zwar noch nichts, in der Diskussion kristallisierten sich dennoch zwei Punkte heraus: Viele Räte wollen nicht, dass es in den städtischen Kindertageseinrichtungen weniger Personal gibt. Und: Die Gremiumsmitglieder sind sich uneins darüber, ob mit dem Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband ein externer Prüfer die Personalkosten unter die Lupe nehmen sollte.

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Das selbst gesetzte Ziel ist es, die Personalkosten bis 2021 um fünf Prozent gegenüber dem Haushaltsansatz 2017 zu senken – und das trotz tariflicher Erhöhungen. In einem ersten Schritt soll die Stadtverwaltung möglichst umfassend die möglichen Einsparpotenziale ermitteln. Der Vergleich mit anderen Großen Kreisstädten ist dabei ausdrücklich gewünscht, denn: Die Stadt Traunstein liegt bei den Personalaufwänden auf Platz drei aller bayerischen Städte.

»Das ist jetzt der Rahmen, es geht noch nicht um Details«, machte Oberbürgermeister Christian Kegel mit Blick auf die Sparvorschläge deutlich. Erst wenn Ergebnisse vorliegen würden, könne man sich Gedanken über notwendige Schritte machen. Und diese seien natürlich alle vom Stadtrat einzeln abzusegnen.

Elf Prozent mehr Beschäftigte als im Jahr 2000

Eine Untersuchung der Stellenpläne der vergangenen 18 Jahre ergab, dass die Stadt Traunstein aktuell 265,5 Beschäftigte hat – elf Prozent mehr als noch im Jahr 2000; damals waren es 239,5 Beschäftigte. Die Steigerung, so Kegel, sei vor allem mit dem Ausbau der Kinderbetreuung zu erklären. Die Personalkosten sind in den vergangenen acht Jahren um 29 Prozent gestiegen: von knapp 10,5 Millionen Euro im Jahr 2010 auf gut 13,5 Millionen Euro im Jahr 2017. Nicht unerheblich sind daran aber die tariflichen Erhöhungen schuld.

Maßnahmen, um dieser Entwicklung gegenzusteuern, sind in den Augen der Stadtverwaltung der Wegfall länger nicht besetzter Stellen sowie Wiederbesetzungssperren. Zudem wäre es denkbar, die Ausbildungsangebote zu überdenken – einschließlich des Freiwilligen Sozialen Jahres und des Bundesfreiwilligendiensts.

Gedanken hat sich die Stadtverwaltung auch bereits über eine neue organisierte Verwaltungsstruktur gemacht. In den nächsten zehn Jahren wird eine erhebliche Anzahl von Beschäftigten in Pension beziehungsweise Rente gehen, darunter zwei Abteilungsleiter, alle Amtsleiter und zahlreiche Sachgebietsleiter. Kegel beauftragte darum bereits im Herbst das Hauptamt damit, sich mit einer möglichen neuen Gliederung des Verwaltungsapparats zu beschäftigen.

In der Stadtverwaltung gibt es seit 1992 eine dreigliedrige Organisationsform, in den meisten anderen Großen Kreisstädten ist aber eine zweigliedrige Organisationsform üblich. Eines von mehreren Gedankenspielen ist es darum, dass in den vier Hauptämtern die derzeitigen Abteilungen und Ämter verschmelzen könnten; damit würde eine Ebene entfallen.

Denkbar wäre Auslagerung von Aufgabenbereichen

Veränderungspotenzial sieht die Stadtverwaltung darüber hinaus vor allem im Hauptamt und im Rechnungsprüfungsamt. Auslagerungen von Aufgabenbereichen wären zum Beispiel im Hochbau, beim Grundstücks- und Gebäudemanagement, beim Bauhof und der Stadtgärtnerei denkbar.

Ergebnisse liegen bereits für die beiden städtischen Kindertageseinrichtungen am Klosterberg und in Kammer vor, denn der Kommunale Prüfungsverband hat diese im vergangenen Herbst überörtlich geprüft. Einer Vorabinformation zum Prüfbericht ist zu entnehmen, dass der Prüfungsverband eine Anpassung der Personalausstattung an den empfohlenen Anstellungsschlüssel von eins zu zehn – also ein Betreuer für zehn Kinder – für erforderlich hält.

Aktuell kommt in den städtischen Kindertageseinrichtungen ein Betreuer auf acht Kinder. Durch eine Erhöhung des Anstellungsschlüssels ließen sich in den beiden städtischen Kindertageseinrichtungen laut Oberbürgermeister ungefähr 211 000 Euro einsparen.

»Der Prüfbericht betrachtet aber rückschauend die Jahre 2013, 2014 und 2015, in denen es durch den Krippenausbau zu Platzleerständen kam«, führte Kegel in der Sitzung aus. Um einer Stadtratsentscheidung nicht vorzugreifen, seien in der Kindertageseinrichtung am Klosterberg zwei durch Schwangerschaft frei werdende Stellen noch nicht nachbesetzt worden.

Der Stadtrat nahm von den einzelnen Punkten Kenntnis. Vor einer Entscheidung hinsichtlich des Anstellungsschlüssels in den städtischen Kindertageseinrichtungen will das Gremium den Prüfbericht des Kommunalen Prüfungsverbands abwarten. Die beiden derzeit schwangerschaftsbedingt nicht besetzten Stellen in der Einrichtung am Klosterberg sind nach dem Willen des Stadtrats zum nächstmöglichen Zeitpunkt wieder zu besetzen – befristet bis zu einer endgültigen Entscheidung. san

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