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Traunstein will Kindergarten-Personal einsparen

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Nicht glücklich sind viele Traunsteiner Eltern, dass der Personalschlüssel für Kindergärten in Traunstein angehoben werden soll. »Das ist definitiv die falsche Stellschraube, denn mittelfristig werden dadurch mehr Probleme geschaffen als gelöst«, heißt es in einem Schreiben, das an alle Stadträte und das Traunsteiner Tagblatt ging. (Foto: Symbolbild)

Traunstein – Das ist "definitiv die falsche Stellschraube" – viele Eltern in Traunstein machen sich Sorgen, weil die Stadt Personal einsparen muss.


Diese Überlegungen betreffen auch die Kindertageseinrichtungen in der Großen Kreisstadt. Die Eltern haben zwar Verständnis für das »Dilemma angesichts der Haushaltslage«. Doch an der frühkindlichen Bildung zu sparen, »ist definitiv die falsche Stellschraube, denn mittelfristig werden dadurch mehr Probleme geschaffen als gelöst«, heißt es in einem Brief, der an die Mitglieder des Traunsteiner Stadtrats ging und auch dem Traunsteiner Tagblatt vorliegt.

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Eine Festlegung des Betreuungsschlüssels auf 1 zu 10 – also ein Betreuer auf zehn Kinder – auch in der Kinderkrippe (dort sind es derzeit acht Kinder auf einen Betreuer) mache jegliche individuelle Förderung unmöglich, heißt es in dem Schreiben. Dieses wurde von den Vorsitzenden des Elternbeirats in den Kindertageseinrichtungen St. Josef, Katholischer Kindergarten Heilig Kreuz, Kindertageseinrichtung am Klosterberg, städtische Kindertagesstätte Balthasar Permoser, Kinderkrippe Himmelszelt, Kinderkrippe Kleiner Bär, Waldkindergarten Traunstein und Waldorfhaus Chiemgau unterschrieben. Hintergrund ist der, dass von der möglichen neuen Regelung nicht nur die Einrichtungen in Trägerschaft der Stadt (Kammer und am Klosterberg) betroffen wären, sondern über den Defizitausgleich sämtliche Kindergärten in der Stadt.

Die Eltern geben in ihrem Brief zu bedenken, »dass Erzieher nicht nur dazu da sind, durch Aufsicht Schlimmeres zu verhindern, sondern in einer Bildungspartnerschaft mit den Eltern maßgeblich die frühkindliche Bildung gestalten. Ohne eine entsprechende personelle Ausstattung können die Kindertageseinrichtungen ihren Auftrag nicht erfüllen, zu Bildungs- und Chancengerechtigkeit in der Gesellschaft beizutragen«.

Die Anhebung des Anstellungsschlüssels würde auch bedeuten, dass sich die Öffnungszeiten von 47,5 auf 40 Stunden wöchentlich reduzieren würden. Außerdem würden die Schließtage von rund 20 auf 30 Tage im Jahr erhöht. Auch das gefällt den Eltern nicht, denn entsprechend lange Öffnungszeiten seien für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dringend notwendig, betonen die Elternbeiratsvorsitzenden in ihrem Brief.

Die Stadt auf der anderen Seite rechnet vor, dass sie sich durch die Erhöhung des Anstellungsschlüssels bei der Kindertageseinrichtung am Klosterberg im Idealfall bis zu 102 000 Euro pro Jahr sparen könnte, in Kammer wären es 109 000 Euro. Bei dem vom Freistaat vorgegebenen Mindestanstellschlüssel von 1 zu 11 wären sogar Einsparungen von rund 422 000 Euro im Jahr möglich, hieß es vonseiten der Stadt weiter.

»Wir sollten nicht bei den Kindertageseinrichtungen zum Sparen anfangen«, betonte Christa Fuchs (CSU) gestern im Hauptausschuss. Außerdem ging sie auf die ungute Situation bei der Kindertageseinrichtung am Klosterberg ein. »Zwei Stellen sind nicht besetzt aufgrund von Schwangerschaft, andere sind immer krank«, sagte sie. »Wir sollten diese Stellen nachbesetzen, denn die Belastung ist erheblich«, betonte sie.

Oberbürgermeister Christian Kegel ging auf den Beschluss des Stadtrats ein, dass aufgrund der Haushaltslage Personal eingespart werden muss. »Es wird nicht möglich sein, in allen Bereichen so weiter zu machen wie bisher. Das ist kein böser Wille, sondern der Auftrag des Stadtrats an die Verwaltung.« Er persönlich würde sich wünschen, das Angebot so zu belassen und auch die Schließzeiten nicht zu ändern. »Aber ich habe den Haushalt auch nicht abgelehnt«, konnte er sich einen Seitenhieb in Richtung CSU nicht verkneifen.

Dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner (SPD) ging auf den Defizitausgleich der Stadt ein. »Ich wundere mich, dass wir 100 Prozent des Defizits ausgleichen.« Als Kreistagsmitglied wisse sie, dass das nicht alle Kommunen so machen würden. Ein »großer Fan« sei sie von den langen Öffnungszeiten, denn es gebe viele Eltern, »die keine Oma zum Helfen haben«.

Thomas Stadler (Grüne) fragte, ob eine Erhöhung der Gebühren nicht eine Möglichkeit wäre. »Wenn den Leuten etwas so wichtig ist, dann werden sie auch mehr dafür bezahlen«, vermutete er.

Hauptamtsleiter Gerhard Spiegelsberger sagte, wenn die Verwaltung einen Auftrag vom Stadtrat bekomme, die Gebühren zu erhöhen, »dann machen wir das. Aber bei dem Thema haben wir uns schon einmal die Finger verbrannt«. – Der Stadtrat wird sich in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag erneut mit dem Thema »Personalausstattung in den städtischen Kindertageseinrichtungen« befassen. KR

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