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Traunstein: "Was kostet mich künftig die Regenwasserentsorgung?"

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Die Abwassergebühren sind in Traunstein seit Januar gesplittet in Schmutzwasser und Niederschlagswasser. (Symbolbild)

Traunstein – »Was kostet mich künftig die Regenwasserentsorgung?« »Wann weiß ich denn, ob ich künftig mehr fürs Abwasser zahlen muss?« »Was kann ich tun, wenn ich das Gefühl habe, die Stadt verlangt zu viel von mir, wie lange kann ich Einspruch erheben?«

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Die Liste der Fragen, die sich so mancher Traunsteiner Hauseigentümer derzeit stellt, ist lang. Denn seit 1. Januar gilt die neue Entwässerungssatzung, nach der die Abwassergebühren nicht mehr nur nach dem Verbrauch an Frischwasser berechnet werden, sondern gesplittet werden in Schmutzwasser und Niederschlagswasser.

»Der Ursprung liegt wie meistens bei Neuregelungen bei einem Bürger, der gegen einen Bescheid klagt«, erklärt dazu Georg Aigner, bei der Stadt Traunstein zuständig für die Berechnung der Wasser- und Abwassergebühren und Beiträge. Wenn nun die Kosten für die Entsorgung des Niederschlagswassers mehr als zwölf Prozent der Gesamtkosten ausmachen, sei die Aufsplittung der Gebühren verpflichtend.

Alles, was über versiegelte Flächen in den Kanal läuft

Dabei ist Schmutzwasser alles, was aus Toilette, Dusche und Spüle im Kanal landet, Niederschlagswasser ist alles, was über bebaute und versiegelte Flächen (Hausdächer, Terrassen, Gartenhäuschen oder auch Parkplätze) in den Regenwasserkanal eingeleitet wird. Beides läuft über den Mischwasserkanal in die Kläranlage und muss dort gereinigt werden, was natürlich Kosten verursacht.

Diese wurden bisher rein nach dem verbrauchten Wasser berechnet – Kosten für Niederschlagswasser wurden anteilig umgelegt. So zahlten aber zum Beispiel die Bewohner eines Mehrfamilienhauses ungleich mehr für die Entsorgung von Niederschlagswasser als etwa Betreiber von Supermärkten mit wenig Frischwasserverbrauch, aber großen versiegelten Flächen. Die Aufsplittung der Gebühren soll nun Kostengerechtigkeit bringen.

Die Schmutzwassergebühr berechnet sich auch künftig nach dem Wasserverbrauch, die Niederschlagswassergebühr dagegen nach dem Anteil versiegelter Flächen am Grundstück und dem daraus berechneten mittleren Grundstücksabflussbeiwert (GAB).

»Wir wissen ja, was am Ende in der Kläranlage ankommt. Und die muss kostendeckend betrieben werden«, so Aigner. Das heißt, das Münchner Ingenieurbüro Pecher und Partner stellte hydraulische Berechnungen an und ermittelte den GAB von mehr als 4500 Grundstücken in Traunstein. Denn, so Aigner, »zum Überfliegen wären das zu viele Grundstücke gewesen. Außerdem hätten wir dann nur eine Momentaufnahme gehabt, die sich ja jeden Tag verändern könnte, wenn zum Beispiel einer ein Gartenhaus baut oder einen Parkplatz befestigt.«

Große Unterschiede im Stadtgebiet

Im Stadtgebiet gibt es dabei große Unterschiede. »In der Innenstadt sind die Grundstücke ja meist vollständig versiegelt, da kann nur wenig Regenwasser versickern. Das schaut in Geißing oder Axdorf ganz anders aus«, sagt Aigner. »Die müssen zum Teil schon das Regenwasser auf dem eigenen Grund versickern, um den Kanal nicht zu belasten.« Dabei steht das Ganze immer im Spannungsfeld zwischen dem Regenwasser, das am Ende im Mischkanal gebraucht wird, um das Spülgut aus dem Schmutzwasserkanal zu transortieren, und den großen Mengen an Regen, die bei extremen Unwettern anfallen.

Aber auch die geologische Beschaffenheit des Untergrunds macht einen Unterschied: »In Wolkersdorf gab es ein Grundstück mit Kiesuntergrund. Der Eigentümer konnte den Regen wunderbar versickern lassen. 30 Meter weiter war Lehmgrund, da war das deutlich schwieriger.«

Die Grundstücke wurden eingeteilt in sechs Stufen: minimal bebaut, aufgelockert, normal bebaut, verdichtet, stark verdichtet und nahezu voll verbaut. Sind zum Beispiel bei einem Grundstück von 1000 Quadratmeter Größe 380 Quadratmeter bebaut, wird ein GAB von 0,38 bei normaler Bebauung angenommen. Der wird mit der Größe multipliziert (1000 x 0,38). Bei einer derzeitigen Gebühr von 33 Cent je Quadratmeter und Jahr ergäbe sich eine jährliche Gebühr von 125,40 Euro für das Niederschlagswasser – plus Gebühr für das Schmutzwasser.

Widerspruch einen Monat nach Zustellung möglich

Aus der Tabelle dazu – einzusehen auf der Internetseite der Stadt Traunstein – errechnet sich die gesamte Abwassergebühr, die pro Grundstück zu zahlen ist. Die dementsprechenden Festsetzungsbescheide gehen voraussichtlich bis Ende März an die Grundstücksbesitzer. Die haben ab der Zustellung einen Monat Zeit, Widerspruch einzulegen, falls sie die Berechnung als nicht richtig erachten. Erst nach Ablauf dieser Frist und Überprüfung etwaiger Einsprüche verschickt die Stadt dann die Gebührenbescheide.

Zu der Aufsplittung der Abwassergebühren kam die nach acht Jahren wieder erforderliche grundsätzliche Neukalkulation der Wasser- und Abwassergebühren. Die war aber notwendig, denn der Betrieb der entsprechenden Einrichtungen muss per Gesetz kostendeckend sein.

So kann es sein, dass der eine am Ende mehr zahlen muss, der andere weniger. In jedem Fall lohnt sich ein Blick in die Entwässerungspläne und auf die Internetseite der Stadt. Außerdem stehen Georg Aigner unter Telefon 0861/65 277 und Monika Rommel unter Telefon 0861/65 214 für Fragen zur Verfügung. coho