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Traunreuts Bürgermeister: »Hilfe ja, aber koordiniert«

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Für eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Traunreut für mehrere Jahre ist ein städtisches Grundstück im Bereich des Umspannwerks am östlichen Stadtrand vorgesehen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Dass die Traunreuter Bevölkerung dem Thema Asyl aufgeschlossen gegenübersteht, zeigten die Diskussionsbeiträge bei einer Informationsveranstaltung im k1 mit Vertretern der Stadt und des Landkreises Traunstein. Wie berichtet, sollen nächste Woche bis zu 150 Asylbewerber in der TuS-Turnhalle untergebracht werden. Die Fragen und Anregungen der gut 100 Besucher beschränkten sich im Wesentlichen auf die Frage »Wie kann ich helfen?«


Die gut gemeinten Angebote, wie die Flüchtlinge bei der Hand zu nehmen und mit ihnen sporadisch einen Stadtbummel zu machen oder mit ihnen Mensch-ärgere-Dich-nicht zu spielen, müssen aber koordiniert werden. Zunächst gehe es deshalb darum, die Logistik in den Griff zu bekommen, sagte Christian Nebl von der Abteilung öffentliche Sicherheit im Landratsamt Traunstein.

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Versorgung in der Mensa des Gymnasiums

Das gelte auch für den Vorschlag einer Besucherin, die Asylbewerber beispielsweise bei der Essensausgabe selbst mithelfen zu lassen. Die Erfahrungen hätten aber gezeigt, dass Aufgaben wie die Essensausgabe vor allem aus logistischen Gründen von Außenstehenden übernommen werden sollten. Die Flüchtlinge werden laut Nebel in der Mensa des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums von der Küche des Traunsteiner Klinikums verköstigt. Das heißt, dass sie zum Frühstück, Mittag- und Abendessen ins rund 500 Meter entfernte Gymnasium gehen müssen.

Bürgermeister Klaus Ritter bat um Verständnis: »Hilfe ja, aber koordiniert.« Freiwillige, die bei der Essensausgabe mithelfen oder sich anderweitig einbringen möchten, werden gesucht und können sich bei der Stadtverwaltung melden. Ansprechpartner ist Claudio Beilhack. Bei ihm gibt es auch ein Anmeldeformular, in dem die freiwilligen Helfer ankreuzen können, in welchem Tätigkeitsfeld sie gerne arbeiten möchten.

Die Anmeldeformulare fanden auch am Infoabend reißenden Absatz. Wie Gabi Maier von der Stadtverwaltung sagte, seien acht der 75 mitgenommenen Formulare spontan ausgefüllt und wieder abgegeben worden. Dieses Formular gilt auch für eine spätere dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen. Denn in Traunreut sollen in naher Zukunft zwei Asylbewerberheime gebaut werden. Als mögliche Flächen stehen der Festplatz und ein städtisches Grundstück im Bereich des Umspannwerks gegenüber der Firma Siteco im Gespräch. Wenn es so weit ist, ist man auch hier auf freiwillige Helfer angewiesen. Zunächst geht es aber um die Flüchtlinge, die vorübergehend in der TuS-Halle untergebracht werden.

Die Menschen, die nach Traunreut kommen, haben nach Angaben von Nebl bereits eine ärztliche Erstuntersuchung hinter sich. Im Klinikum Traunstein müssen aber zusätzliche Blut- und Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden. Für die Sicherheit der 150 Flüchtlinge werden rund um die Uhr jeweils acht Kräfte eines Security-Unternehmens sorgen. Sollte es zu Krisensituationen kommen, stünde für die ehrenamtlichen Kräfte auch eine psychologische Betreuung zur Verfügung.

Angesprochen auf eine Unterstützung aus der Bevölkerung über die Übergangsunterbringung hinaus teilte Ritter mit, dass zunächst jeder Asylbewerber ein bestimmtes Prozedere durchlaufen müsse, ob er überhaupt asylberechtigt sei. Diese Verfahren dauern nach Angaben von Nebl zwischen sechs und neun Monaten.

Kein freier Eintritt ins Schwimmbad für Flüchtlinge

Die Anregung, die Stadt sollte mit gutem Beispiel vorangehen, und den Asylbewerbern, die unmittelbar neben dem Freibad untergebracht werden, einen kostenlosen Eintritt ins Freibad zu gewähren, kommentierte Ritter so: »Privat habe ich damit kein Problem.« Es gehe hier aber um eine gewisse Gleichberechtigung. »Wenn kostenlos, dann für alle Traunreuter Bürgerinnen und Bürger.« Er erinnerte daran, dass die Flüchtlinge ein monatliches Taschengeld von 140 Euro erhalten, mit dem sie ebenso wie alle anderen Bürger haushalten und überlegen müssten, ob sie sich einen Schwimmbadbesuch leisten wollen.

Ritter appellierte, mit dem Thema Asyl friedlich umzugehen, den Menschen höflich und konstruktiv zur Seite zu stehen und von Berührungsängsten Abstand zu nehmen. »Diese Menschen haben mehr Berührungsängste mit uns, als wir mit ihnen«, so seine Einschätzung. Einen besonderen Dank zollte das Stadtoberhaupt dem TuS Traunreut für die unbürokratische Bereitstellung der Turnhalle. Um den laufenden Sportbetrieb während dieser Zeit aufrecht erhalten zu können, sei man mit dem Landkreis Traunstein in Kontakt, sodass der TuS während dieser Zeit die Landkreisturnhalle zwischen dem Gymnasium und der Realschule nutzen könne.

Nebl teilte außerdem mit, dass der Landkreis Traunstein um eine gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge bemüht sei. Während im südlichen Landkreis viele leerstehende gastronomische Betriebe zur Verfügung stünden, sei die Akquise im nördlichen Landkreis schwieriger. Er erinnerte auch daran, dass Anfang September zunächst für ein Jahr 16 sogenannte unbegleitete Flüchtlinge in der Carl-Orff-Grundschule Traunwalchen untergebracht werden. ga