weather-image
22°

Traunreuter Stadtrat überstimmte den Bauausschuss

0.0
0.0

Traunreut. Im bestehenden Wohngebiet im Norden der Kernstadt sollen im Zuge eines neu aufzustellenden Bebauungsplanes jetzt an den Gebäuden doch Dachgauben zulässig sein. Das entschied der Stadtrat in seiner Sitzung bei zwei Gegenstimmen auf Anregung von Walter Waltrich (SPD). Damit überstimmte das Gremium den Bauausschuss, der sich alternativ für Dachfenster und größere Quergiebel sowie für Dachauffaltungen ausgesprochen hatte.


Für Waltrich war es nicht nachvollziehbar, weshalb im neuen, rechtskräftigen Bebauungsplan keine Dachgauben festgesetzt werden sollen, zumal es solche in der bestehenden Bebauung bereits gibt. Es wäre ungerecht denjenigen gegenüber, die auch beabsichtigten Gauben einzubauen, sagte Waltrich. Künftig sollen sowohl Quergiebel als auch Dachgauben möglich sein.

Anzeige

Der neue Bebauungsplan liegt jetzt für einen Monat in der Stadtverwaltung öffentlich aus. Der Geltungsbereich des rund 1,3 Hektar großen Areals umfasst die östliche Bebauung an der Hans-Böckler-Straße, die Kantstraße im Westen, die Werner-von-Siemens-Straße im Süden sowie im Norden die Staatsstraße 2104 (Waginger Straße). Die Überplanung orientiert sich weitgehend am Bestand. Eine massive Verdichtung soll sich dort nicht entwickeln. Durch die neue Bauleitplanung besteht in dem Wohngebiet dann die Möglichkeit, Gebäude zu erweitern und in Einzelfällen sind dort auch zusätzliche Häuser möglich. Dachgeschoße können zwar ausgebaut werden, aber nicht als Vollgeschoße.

Mit großer Mehrheit war sich das Gremium auch darüber einig, im Rahmen der Teilfortschreibung der Windenergie des Regionalplanes Südostoberbayern, an den bisher gefassten Beschlüssen vom April 2012 und März 2013 festzuhalten. Am heutigen Montag läuft die Frist des zweiten Anhörungsverfahrens aus, um das die Stadt erneut um eine Stellungnahme gebeten wurde.

Im Stadtbereich von Traunreut sind insgesamt sechs Vorranggebiete für Windkraftanlagen vorgesehen. Zwei Suchräume im Bereich Neudorf-Hörpolding und Nunhausen sowie im Bereich Buchberg-Matzing, lehnt der Stadtrat aus ortsplanerischen Gründen ab. Nach Auffassung von Stadtrat Martin Czepan (Grüne) wären aber gerade diese beiden Vorranggebiete laut der vorliegenden Windpotenzialkarte als mögliche Standorte besonders geeignet.

Wie Bürgermeister Franz Parzinger weiter mitteilte, hätten sich in den Vorranggebieten im Bereich Niedling und Zweckham inzwischen im Zusammenhang mit dem Wunsch eines Grundstücksbesitzers aus Zweckham auf eine Flächenausweisung neue Erkenntnisse ergeben. Nach dem sich die Bereiche im wasserwirtschaftlichen Vorranggebiet für Trinkwasser befänden, sei nach Angaben der überörtlichen Behörden zu befürchten, dass durch die erforderlich massive Fundamentierung von Windkraftanlagen der Trinkwasserschutz gefährdet sei. Deshalb sollen jetzt auch diese Vorranggebiete aus dem Plan herausgenommen werden. Parzinger: »Wir geben dazu unsere Stellungnahme ab, wie die Regierung von Oberbayern das Ganze dann gewichtet, das wissen wir nicht.«

Einstimmig mitgetragen wurde auch die Empfehlung des Hauptausschusses, für den Breitbandausbau im nächsten und übernächsten Haushalt 1,8 Millionen Euro einzustellen. So sollen 2014 eine Million Euro und 2015 weitere 800 000 Euro für den Ausbau der Breitbandversorgung in den Gebieten Traunreut-Ost und Matzing in den städtischen Haushalt eingestellt werden.

Nach Angaben Parzingers befänden sich in den beiden Gebieten 180 Gewerbebetriebe. Angesprochen auf einen flächendeckenden Ausbau, meinte Parzinger, dass dieser angesichts der über 60 Ortsteile im Stadtgebiet, darunter viele kleine Weiler, finanziell kaum realisierbar sei.

Der Stadtrat hatte im vergangenen Juli die Verwaltung damit beauftragt, mit den Erschließungsgebieten Traunreut Ost und Matzing in ein Förderverfahren einzusteigen. Nach Schätzungen der Breitbandberatung Bayern GmbH, die mit der fachlichen Begleitung beauftragt wurde, dürfte für den jeweiligen Netzbetreiber nach Durchführung der Maßnahme eine Wirtschaftlichkeitslücke von zusammen 1,8 Millionen Euro entstehen, die durch die Stadt abzudecken sei. Die Stadt Traunreut, die mit 1,3 Millionen Euro den Löwenanteil übernehmen muss, kann mit einem Zuschuss von 500 000 Euro rechnen. ga