Traunreuter Stadtbücherei bleibt am Samstag geschlossen

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Obwohl der Platz in den neuen Räumen am Rathausplatz begrenzt ist, haben die Mitarbeiter der Stadtbücherei ihr Bestes gegeben, um den Lesern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Außerdem wurden die Öffnungszeiten von 29 auf 36 Stunden erweitert. (Foto: Rasch)

Traunreut – Der Traunreuter Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung den Hauptausschuss überstimmt und den Antrag der Freien Wähler, die Stadtbücherei auch am Samstag für zwei Stunden zu öffnen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Öffnung sollte durch flexible Arbeitszeitgestaltung der Mitarbeiter kostenneutral gehalten werden. Wie berichtet, votierte der Hauptausschuss in seiner Sitzung mit knapper Mehrheit dafür. Die Freien Wähler wollten damit erreichen, den Service für Bürger und Schüler zu erhöhen und dabei den Fokus auf Familien mit Kindern zu richten.


Warum was Gutes gegen was Schlechtes eintauschen?

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Wegen der Kostenneutralität hätte eine Öffnung am Samstag jedoch zur Folge gehabt, dass die Bücherei am Montag ganztägig geschlossen hätte werden müssen. Nach Angaben des Geschäftsführers Sepp Maier wäre auch ein anderer Schließtag möglich gewesen. Auf Wunsch des Personals habe man sich aber auf den Montag verständigt, damit das Personal zwei Tage hintereinander frei habe. Wie es hieß, sei der Montag einer der meist frequentierten Tage und sollte deshalb nicht zwei Stunden am Samstag zum Opfer fallen. »Wir haben was Gutes, warum sollten wir das gegen was Schlechtes eintauschen?«, mahnte Johannes Danner von der Bürgerliste.

Er und seine Fraktion glauben nicht, dass bei den Schülern der Bedarf da sei, am Samstag die Bücherei zu besuchen. Auch Berufstätige könnten aufgrund der Öffnungszeiten bis 18 Uhr bequem unter der Woche die Bücherei aufsuchen. Die Bürgerliste stellte auch in Frage, dass durch eine Öffnung der Bücherei am Samstag die Innenstadt eine Belebung erfährt.

Auch Gretl Gineiger (Grüne) sah keine Notwendigkeit, am Samstag aufzusperren. »Mich stört, dass der gut frequentierte Montag zwei Stunden am Samstag geopfert werden soll.« Auch sie glaubt nicht daran, dass die Schüler am Samstag die Bücherei aufsuchen. »Die schlafen lieber aus.« Im Johannes-Heidenhain-Gymnasium sei an zwei Tagen um 16.30 Uhr Schulschluss und in der Walter-Mohr-Realschule um 15.30 Uhr. Die Schüler hätten demzufolge Zeit genug, unter der Woche in die Bücherei zu gehen, so Gineiger.

Dass man unter der Woche Stunden »rauszwickt,« wie Reinhold Schroll (CSU) vorschlug, sei dienstplanmäßig nicht zu steuern, erklärte Maier. Auch die Anregung von Helga Zembsch (Grüne), probeweise für ein halbes Jahr am Samstag zu öffnen, würde laut Maier das Personalproblem ebensowenig lösen wie der Vorschlag von Günter Dzial (SPD), am Samstag zusätzlich zu öffnen. Diese Vorschläge hätten zusätzliche Personalkosten zur Folge, die auch nicht im Sinne der Antragsteller wären.

Kritik wurde daran geübt, dass, wie bereits von Martin Czepan (Grüne) in der Hauptausschusssitzung gefordert, die Büchereileiterin Veronika Mühlbacher nicht in die Sitzung eingeladen worden ist. Nach Aussagen von Bürgermeister Klaus Ritter habe sich die Büchereileiterin grundsätzlich für keinerlei Änderungen ausgesprochen.

Gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt hatte Mühlbacher vorige Woche erklärt, dass die Öffnungszeiten durch den Umzug der Bücherei an den Rathausplatz ohnehin von 29 auf 36 Stunden erweitert worden seien. Auch vor dem Hintergrund der beengten Verhältnisse in den neuen Räumen am Rathausplatz sollte man dem Personal das Leben nicht nochmal schwerer machen. Sie bezweifelt auch, dass eine Öffnung der Bücherei am Samstag im Interesse der Leser wäre.

Freie Wähler betonten Dienstleistungsaspekt

Die Befürworter aus den Reihen der Freien Wähler, Ernst Biermaier und Matthias Bauregger, wiederholten ihre Aussagen vom Hauptausschuss, dass es sich bei der Bücherei um einen Dienstleiter handle. Biermaier erinnerte daran, dass es in der Bücherei auch keinen Bücherrückgabe-Automaten gebe. Der Fokus sollte insbesondere darauf gelegt werden, dass Familien mit Kindern am Samstag die Bücherei besuchen können.

Bei der Mehrheit der 28 anwesenden Stadträte fruchtete die Forderung der Freien Wähler nicht. Der Antrag wurde mit 20:8 Stimmen abgelehnt. Damit bleibt es bei den bisherigen Öffnungszeiten Montag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 18 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 12 bis 18 Uhr.

In der Sitzung wurden auch die Öffnungszeiten und die Personalstellen einiger gemeindlicher Büchereien gegenübergestellt. Im Vergleich zu Mühldorf mit einer wöchentlichen Öffnungszeit von 25,5 Stunden und 5,41 Personalstellen, kommt die Traunreuter Bücherei bei 36 Wochenstunden mit 4,57 Personalstellen aus. ga

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