Traunreut bei Jugendkriminalität an der Spitze

Traunreut – Als größte Stadt im Landkreis mit hohem Migrantenanteil hält die Stadt Traunreut eine Vielzahl von Einrichtungen und Diensten für Familien, Kinder und Jugendliche vor. Ohne dieses Angebot würde sich die Sozialraumstruktur in der über 20 000-Einwohner-Stadt weit problematischer darstellen. Dieses Fazit zog Dr. Herbert Tekles von der Gesellschaft für demografische und soziale Planungen (Demosplan) im Rahmen einer Studie, die der Stadtrat in Auftrag gegeben hatte. Aktuell habe Traunreut eine sehr gute Versorgung, es seien keine Bedarfslücken erkennbar.


Der Familienplan, den er dem Stadtrat vorstellte, umfasst sowohl Bedarfslagen wie Infrastruktur für Familien, Kinder und Jugendliche, die faktischen Nutzungszahlen, Erreichungsgrade und die Frage der Bedarfsdeckung. Die Präsentation ist auch auf der Internetseite der Stadt Traunreut nachzulesen.

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Laut der Studie ist die »eher problematische« Sozialraumstruktur im Wesentlichen auf einen hohen Migrantenanteil zurückzuführen, der sich seit 2004 bei über 35 Prozent bewegt, und auf eine große Zahl von Alleinerziehende. Auch das Armutsrisiko wird als hoch eingestuft.

Bei den Traunreuter Kindern und Jugendlichen lägen auch ausgeprägte Muster abweichenden Verhaltens vor, heißt es in dem Bericht. Dies zeige sich vor allem bei Verhaltensauffälligkeiten und Gesundheitsproblemen, vom Jugendamt verfügten Hilfen zur Erziehung und Jugendgerichtshilfefällen.

Gemessen an der Einwohnerzahl sei die Quote der Straftaten gar nicht so schlimm, sagte Tekles. Aber bei den Straftaten der Jugendlichen von 14 bis 21 Jahren liege Traunreut im Landkreis Traunstein an der Spitze vor Grassau, Trostberg und Traunstein. Tekles ist sicher, dass ohne die vielen Dienste die Quote wesentlich höher ausfallen würde.

Auf Nachfrage von Johannes Danner (Bürgerliste), wie man diese Quote senken könnte, regte er an, die Jugendlichen stärker in den Vereinen zu integieren. Als Stadt in die Offensive zu gehen, wie Günther Dzial (SPD) anregte, wäre eine »super Idee.« Dzials Fraktionskollege Ernst Ziegler stellte dazu fest, dass aus unterschiedlichen Gründen nicht alle Jugendlichen in Vereinen organisiert sein möchten, was nicht zuletzt auf die Beitragspflicht zurückzuführen sei. »Ein erstes beitragsfreies Jahr, das fehlt bei uns.« Diese Anregung nahm Bürgermeister Klaus Ritter zur Kenntnis und schlug vor, im Stadtrat darüber zu diskutieren. »Ein erstes beitragsfreies Jahr sollte überlegt und diskutiert werden«, sagte Ritter.

In seiner Eigenschaft als Sportreferent erklärte Bernhard Seitlinger dazu, dass er sich Gedanken darüber mache, wie man die Sportvereine finanziell unterstützen könne. In den zirka 70 Vereinen sind rund 1300 Kinder und Jugendliche organisiert. Der Organisationsgrad bei den 11- bis 21-Jährigen liegt allerdings deutlich unter dem Durchschnitt im Landkreis Traunstein.

Wie der Studie weiter zu entnehmen ist, ist die Stadt vor allem bei den Kindertagesstätten sehr gut aufgestellt. Es gibt elf Kindertagesstätten, darunter zwei Krippen für unter Dreijährige und einen Kinderhort für Schulkinder. Diese elf Kindertagesstätten haben zusammen 838 Plätze, von denen aktuell über 700 belegt sind. Laut Thekles bewerteten die Eltern die Qualität der Kindertagesstätten überdurchschnittlich positiv.

Auch habe die Stadt ein komplettes Spektrum an allgemeinbildenden Schulen und ein reichhaltiges Freizeitangebot. Es gibt 14 Spiel- und Bolzplätze, zwei Bäder, eine Stadtbücherei, 15 Jugendtreffs und Jugendräume und ein vielfältiges kulturelles Angebot.

Bei einer Umfrage unter Jugendlichen, für was sie sich einsetzen würden, wenn sie für einen Tag Bürgermeister sein könnten, plädierten 9,5 Prozent für Jugendlokale, 8,2 Prozent würden sich für den ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) stark machen und 7,3 Prozent für Sportstätten. ga

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