Tourismus: Doch kein so schlechtes Jahr wie erwartet

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Der Reifinger Badesee ist für Gäste auch im Winter sehr attraktiv. Derzeit können diese Freizeiteinrichtung jedoch nur Einheimische nützen. (Foto: T. Eder)

Grassau – Trotz des Beherbergungsverbots und enormer Auflagen wurden im vergangenen Jahr fast 137 000 Übernachtungen gezählt. Christiane Lindlacher, Leiterin der Tourist-Information (TI) Grassau, zeigte sich zufrieden und gab in der Tourismusausschusssitzung Auskunft. Der Ausschuss setzt sich aus Bürgermeister Stefan Kattari, Marktgemeinderäten, Vermietervertreterin und Beisitzern zusammen. In diesem Ausschuss wird auch der Haushaltsplan des Tourismus vorberaten.


»Das letzte Jahr hatte einen ungewöhnlichen Verlauf und für 2021 kann noch wenig gesagt werden«, betonte Bürgermeister Stefan Kattari. So sei dies auch eine besondere Sitzung. Natürlich beschäftigt Corona den Tourismus in Grassau.

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Verunsicherung führte zu großem Beratungsbedarf

Wie Christiane Lindlacher informierte, durfte sich die TI im Januar 2020 noch über einen Rekord an Buchungen freuen. Doch bis März wurden diese fast alle wieder storniert. Die TI wurde zudem vom 18. März bis 24. April geschlossen, die Mitarbeiter – bis auf eine Notbetreuung – arbeiteten im Homeoffice. Die Verunsicherung der Vermieter und Gäste zeigte sich in großem telefonischem Beratungsbedarf. Ab Juni durfte wieder vermietet werden und von Juni bis Mitte Oktober war der Gästeandrang so groß wie nie. Grassau und Rottau waren ausgebucht. Ab November war erneut Beherbergungsverbot.

Die Übernachtungs- und Gästezahlen spiegeln die Turbulenzen im Fremdenverkehr. Im Mai wurden lediglich 542 Gäste (im Vorjahr 3822) und 1167 Übernachtungen (11 155) gezählt. Nur Zweitwohnungsinhaber und auswärtige Handwerker übernachteten. Erst im Juli gab es einen ersten Aufwärtstrend und die Übernachtungszahl von 23 137 im Jahr zuvor wurde mit knapp 22 000 fast erreicht. Bemerkenswert sei, so Lindlacher, dass sich die Aufenthaltsdauer der Gäste erhöhte.

Im August, dem ohnehin immer stärksten Monat, war die Gemeinde ausgebucht und konnte im Vergleich zum Vorjahresmonat knapp drei Prozent mehr Übernachtungen (insgesamt 24 000) generieren. Knapp 16 Prozent mehr Übernachtungen folgten im September, im Oktober gab es über 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Diese vier starken Monate konnten zwar nicht alles abfangen, dennoch seien letztlich nur 24 Prozent weniger Übernachtungen zu verzeichnen. Fast 68 Prozent weniger Gäste kamen als im Vorjahr. Das resultiert aber auch am Umbau eines großen Gästehauses und fehlenden Tagungsgästen. Die Gäste kamen zu 97 Prozent aus dem eigenen Land.

Beworben hatte die Gemeinde der Chiemgau Tourismusverband, der Chiemsee Alpenland Tourismus, das Ökomodell Achental und die Werbegemeinschaft »6 am Chiemsee«. Sitzungen und Treffen der Verbände wurden online abgehalten. Lindlacher sagte weiter, das Buchungsverhalten habe sich stark geändert – immer mehr Gäste buchten online. Auch die Onlinebuchbarkeit der Gastgeber stieg erneut. 2020 waren 57 Gastgeber online buchbar. Die Gästekarte werde es in der kommenden Saison in elektrischer Form auf das Handy geben, Gäste könnten sich per Pre-Checkin via E-Mail selbst anmelden.

Was will Kundin Kerstin Schnell?

Beim Markenfindungsprozess sei ein nützlicher Leitfaden entwickelt worden mithilfe einer imaginären Person, genannt Kerstin Schnell. Dieser erfundenen Person wurden Merkmale, Vorlieben und Anspruch an den Urlaub angeheftet. » Wir können nun immer überprüfen, ob das jeweilige Angebot Kerstin Schnell gefallen würde«, so Lindlacher. Das Veranstaltungs- und Freizeitprogramm war 2020 sehr überschaubar. Im Sommer konnte man kleinere Veranstaltungen und Konzerte im Freien anbieten.

Berichtet wurde auch über die Leader-Projekte, darunter die Mountainbike-Beschilderung. Die Übersichtstafeln würden in den nächsten Wochen installiert, Karten seien ab Frühjahr erhältlich. Ein Premiumspazierweg im Bereich des Moorerlebniswegs soll nun zertifiziert werden.

Fast abgeschlossen sei das Projekt Römerregion Chiemsee. Grassau beteilige sich mit dem Thema »Flora und Fauna vor 2000 Jahren« mit Hinweisen auf historische Handelswege und den Römerstein vor der Mietenkamer Kirche. Achentallinie und Chiemseeringlinie standen weiterhin kostenlos zur Verfügung. Auch der Zubringerbus zum Biathlon fuhr noch. Heuer wurde alles abgesagt. Erwartet werde ein turbulentes touristisches Jahr. Da keiner die Pandemie einschätzen könne, bereite sich die Tourist-Information auf einen Gäste-Ansturm nach dem Beherbergungsverbot vor. Vorbereitet sind die Mitarbeiter auch auf Buchungs- und Stornowellen. Ungewiss seien auch geplante Veranstaltungen.

Dr. Winfried Drost fragte nach Insolvenzen im Gastgewerbe. Diesbezüglich habe sie keine Informationen, erklärte Lindlacher dazu. Sepp Grießenböck (FW) regte an, die Übernachtungszahlen künftig mit den Zahlen der letzten fünf Jahren zu vergleichen.

Gemeinde zahlt Defizit von 131 500 Euro

Detailliert betrachtet wurde auch der Haushaltsentwurf. An Einnahmen werden 363 600 Euro erwartet. Darin enthalten ist der Kurbeitrag mit 100 000 und der Fremdenverkehrsbeitrag mit 210 000 Euro. Auf der Ausgabenseite schlagen die Entgelte der Beschäftigten und Sozialbeiträge mit 219 000 Euro zu Buche. Mit Mitgliedschaften bei Vereinen und Verbänden, Buslinien, Mieten, Werbung und Steuern summieren sich die Ausgaben auf 495 000 Euro. Die Differenz von 131 500 Euro trägt die Gemeinde.

Sehr bescheiden gestaltet sich dagegen der Vermögenshaushalt. Hier werden Einnahmen von 7500 Euro aus Zuschüssen erwartet und Ausgaben von 6000 Euro. Mit 4000 Euro wird der mögliche Bau einer Naturbühne am Rachlhang angesetzt. Diese Maßnahme wird noch geprüft. Vorsorglich sind hierfür Kosten berücksichtigt. tb

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